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Ihre Rolle im Sci-Fi-Horror-Film „Alien“ machte Sigourney Weaver 1979 zum ersten weiblichen Action-Star der Kinogeschichte.
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Ihre Rolle im Sci-Fi-Horror-Film „Alien“ machte Sigourney Weaver 1979 zum ersten weiblichen Action-Star der Kinogeschichte.

Kino

Sigourney Weaver: „Mir fährt niemand mal eben über den Mund“

Schauspielerin Sigourney Weaver über die Vorzüge, eine hochgewachsene Action-Heldin zu sein, und warum sie es liebt, einfach mal ganz nette Menschen zu spielen.

Ihren Platz in der Kinogeschichte hat Sigourney Weaver schon lange sicher. Als Ellen Ripley in den „Alien“-Filmen wurde sie weltberühmt, dreimal war sie für den Oscar nominiert, zu ihrem Werk gehören Kassenerfolge wie „Ghostbusters“ oder „Avatar“ genauso wie anspruchsvolle Dramen, etwa „Der Eissturm“ oder ein Gastauftritt in der französischen Serie „Call My Agent“. Ihr aktueller Film „Mein Jahr in New York“, 2020 noch Eröffnungsfilm der Berlinale, ist in Deutschland aber leider nicht im Kino, sondern nur online oder als DVD zu sehen. Trotzdem ein guter Grund, mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Miss Weaver, in Ihrem neuen Film „Mein Jahr in New York“ spielen Sie eine Literaturagentin, die tunlichst alle Fanpost von ihrem wichtigsten Klienten J. D. Salinger fernhält. Bekommen Sie selbst viele solcher Briefe?

Genau kann ich es Ihnen gar nicht sagen, weil die auch mich in der Regel natürlich nicht persönlich erreichen. Die, die bei der Agentur oder so eingehen, werden mit einem Autogramm beantwortet, denn für mehr habe ich leider keine Zeit. Aber wenn zum Beispiel doch mal jemand meine Privatadresse herausfindet und dorthin schreibt, dann reagiere ich darauf natürlich nicht. Das würde ja Tür und Tor öffnen.

Sie halten Ihre Fans also lieber auf Distanz?

Nein, aber Privatsphäre ist mir natürlich wichtig. Ich versuche, das dann wieder wettzumachen mit Auftritten bei Fan-Veranstaltungen wie der Messe „Comic Con“. Da gibt es dann ja eine echte Interaktion mit Fans, was ich immer wunderbar finde. Selbst wenn diese Begegnungen natürlich viel zu kurz und oft von etwas zu viel Geschrei begleitet sind.

Lesen Sie manchmal, was Fans im Internet über Sie sagen?

Oh nein, das gucke ich mir nicht an. Man weiß ja nie, worauf man dabei stößt. Mein Motto ist immer: Warum das Risiko eingehen, auf Ärger zu stoßen, wenn einen niemand dazu zwingt?

Und haben Sie selbst auch mal Fanpost geschrieben?

Absolut. Ich erinnere mich vor allem an einen für John Lennon. Da muss ich zwölf Jahre alt gewesen sein und hatte gelesen, dass Lennon in New York gerne in ein bestimmtes Restaurant gehe. Ich schrieb ihm einen langen Brief, mehrere Seiten mit Vorder- und Rückseite, auf violettem Papier. Es würde mich nicht wundern, wenn ich ihn auch einparfümiert hätte. Den Brief gab ich dann in besagtem Restaurant ab, wo man auch ganz entzückend zu mir war und versprach, ihn für Lennon aufzubewahren. Aber natürlich bin ich mir sehr sicher, dass er ihn nie gelesen hat. Was vielleicht auch besser so ist, denn ich bin mir nicht mehr sicher, was ich damals alles geschrieben habe.

„Mein Jahr in New York“ spielt 1995 – und Ihre Figur glaubt nicht daran, dass sich Computer im Alltag wirklich durchsetzen werden. Erinnern Sie sich noch daran, wann Ihnen klar wurde, dass sich mit dem Internet unsere Kommunikation für immer verändern wird?

Was das angeht, war ich definitiv keine Visionärin. Meine erste Emailadresse hatte ich während der Arbeit an „Galaxy Quest“, wenn ich mich richtig erinnere. Also ungefähr 1999. Mir erschien das praktisch, aber ich hatte nicht die geringste Vorstellung davon, welche weitreichenden Auswirkungen das Internet auf unser ganzes Leben haben würde. Und dass sich die Film- und Unterhaltungsbranche für immer verändern wird. Wenn ich mir heute ansehe, wie viele junge Menschen nur noch online unterwegs sind und gar nicht mehr lesen, bin ich froh, dass meine Tochter schon in der Highschool war, als sie einen eigenen Internetzugang bekam. Sie ist noch mit Büchern groß geworden und hat jeden Abend im Bett gelesen, was ich nicht nur für die Ausbildung der eigenen Fantasie etwas ganz Wundervolles finde.

Und heute? Hängen Sie viel an Ihrem Smartphone?

Zu viel auf jeden Fall. Inzwischen teilen einem diese Geräte ja mit, wie viel Zeit man mit ihnen verbringt. Darüber erschrecke ich mich häufig sehr, denn dann hat man schwarz auf weiß vor Augen, dass man mal wieder stundenlang online war, obwohl man eigentlich nur kurz etwas nachgucken wollte. Fürchterlich. Deswegen versuche ich, mein Telefon möglichst jedes Mal wieder wegzulegen, wenn ich meine Emails gecheckt und einen Blick auf die Weltlage geworfen habe. Und wenn ich drehe, dann lasse ich es morgens eigentlich immer in der Garderobe.

Die Rolle, die sie berühmt machte: Sigourney Weaver 1979 in „Alien“.

Lassen Sie uns noch über andere Veränderungen sprechen, nämlich denen, die seit einiger Zeit in Hollywood zu beobachten sind. Dass zum Beispiel bei „Mein Jahr in New York“ sowohl die Kameraarbeit als auch der Schnitt und das Produktionsdesign von Frauen verantwortet wurden, ist ja alles andere als eine Selbstverständlichkeit, oder?

In der Tat nicht, und tatsächlich schlug mein Herz höher, als ich realisierte, wie viele Frauen wirklich in verantwortungsvollen Positionen bei diesem Film mit von der Partie waren und ihre Teams leiteten. Ich bin wahrlich nicht die beste Ansprechpartnerin, was Ihre Frage angeht, weil ich als New Yorkerin wirklich eher selten Einblicke in die Feinheiten des Hollywood-Betriebes habe. Aber insgesamt liegt da noch ein weiter Weg vor uns, würde ich sagen. Denn eigentlich dürfen wir nicht zufrieden sein, bevor nicht die ganze Besetzung vor und die Crew hinter der Kamera ein Spiegelbild unserer Gesellschaft ist. Ganz gleich, ob es um Geschlecht, Herkunft oder anderes geht.

Haben Sie selbst viel Sexismus am eigenen Leib erfahren?

Alles in allem kann ich zum Glück sagen, dass meine Arbeitserfahrungen eigentlich immer positiv waren. Ich habe mich nie unsicher gefühlt. Und ich bin ja so groß, dass mir scheinbar auch niemand mal so eben über den Mund fahren oder mich ignorieren konnte. Allerdings bin ich auch immer vorsichtig gewesen und habe mir vorab möglichst genau angesehen, mit wem ich zusammenarbeiten werde. Um Leute, die einen gewissen Ruf hatten, habe ich stets einen Bogen gemacht. Das Leben ist zu kurz, um meine Zeit an solche Menschen und ihre Filme zu verschwenden. Selbst wenn am Ende ein Meisterwerk dabei herausgekommen wäre.

Ihre Körpergröße von 1,82 Metern hat Sie davor beschützt, belästigt oder diskriminiert zu werden?

Dass ich auf den ersten Blick nicht wie ein zartes, hilfloses Wesen wirke, hat zumindest sicherlich einen Teil dazu beigetragen. Und nach „Alien“ hatten alle Bilder von mir mit einem Flammenwerfer in der Hand im Kopf, auch so etwas spielt eine Rolle. Plus natürlich die Tatsache, dass meine Mutter mich von klein auf darauf gepolt hat, erst einmal misstrauisch zu sein. Was allerdings die Körpergröße und das Action-Image angeht, gab es natürlich auch Situationen, in denen die eher Fluch als Segen waren.

In welcher Hinsicht?

Für viele Produzenten stellte ich in den achtziger Jahren scheinbar eine echte Herausforderung dar. Niemand konnte sich mich in einem Liebesfilm vorstellen, dafür war ich scheinbar zu groß – und nicht blond genug. Dabei hätte ich gerne mehr Romanzen und Beziehungsdramen gedreht. Auch Komödien habe ich kaum bekommen, weil man mich nach „Alien“ auf Action- und ernste Rollen festlegte. Aber wie gesagt: Die positiven Nebeneffekte dieses Images hatten auch etwas für sich. Und eine Liebesgeschichte durfte ich kürzlich endlich mal drehen, „The Good House“ mit Kevin Kline, in der wir – bei der dritten Zusammenarbeit – endlich mal beide mehr oder weniger nette Menschen spielen durften. Das war mir eine echte Freude.

Interview: Patrick Heidmann

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