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Boeing 737 MAX 8 Planes Face Renewed Scrutiny After Second Crash In 5 Months

Boeing 737 Max 8

Deutscher Luftraum für Boeing 737 Max 8 gesperrt

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Seit Dienstag ist der deutsche Luftraum für die 737-Max-8-Modelle der Boeing gesperrt - als Reaktion auf den Absturz der Ethiopian Airlines.

Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien sind weltweit mehrere Flugverbote verhängt worden. Auch der deutsche Luftraum wurde am Dienstagnachmittag für Maschinen dieses Typs gesperrt. „Sicherheit geht absolut vor. Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max ab sofort gesperrt wird“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dem Nachrichtensender „ntv“. Zuvor hatte die US-Luftfahrtaufsicht die Maschine noch für sicher erklärt. Derweil nimmt Tuifly als erste deutsche Airline einen Jet dieses Typs in Betrieb. Wir erläutern, mit welchen Problemen Piloten zu kämpfen haben.

Wie beurteilen die Aufsichtsbehörden den Crash in Verbindung mit einem ersten Absturz eines Flugzeugs gleichen Typs?
Die US-Luftfahrtaufsicht FAA hat dem Flugzeugtyp eine weiterhin bestehende Flugtauglichkeit bescheinigt: Es gebe bislang keine eindeutigen Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Ethiopian-Absturz und dem Verlust einer Maschine der indonesischen Lion Air Ende Oktober. Die Untersuchungen des Unfalls in Afrika hätten gerade erst begonnen, es gebe noch nicht ausreichend Informationen, um Schlussfolgerungen zu ziehen.

Gab es Ähnlichkeiten bei den beiden Unfällen?
In beiden Fällen meldeten sich der Piloten wenige Minuten nach dem Start bei der Flugsicherung und baten darum, wegen technischer Probleme umkehren zu dürfen. Kurz drauf stürzten die Maschinen ab. Die Untersuchung des Lion-Air-Desasters hat ergeben, dass Boeings Flugkontroll-System MCAS die Maschine automatisch in eine Position mit der Nase nach unten gebracht hat, was den Jet destabilisierte und zum Absturz brachte. Der US-Finanzdienst Bloomberg berichtet, dass Luftbilder von der Absturzstelle in Äthiopien darauf schließen lassen, dass dort die Maschine ebenfalls mit hoher Energie und mit der Nase zuerst aufgeschlagen ist.

Hatten beiden Maschinen also technische Mängel?
Fest steht, dass Boeing an technischen Verbesserungen arbeitet und dass die FAA als zuständige Behörde spätestens im April Fluggesellschaften darüber informieren will – nebst Handlungsanleitungen, um kritische Situationen zu vermeiden. Boeing hat am Montag (Ortszeit) angekündigt, Software-Updates für das MCAS zu entwickeln, „um ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer“ zu machen. Hinzu sollen Trainings für Crews und Bedienungshinweise für Piloten kommen. Dabei wird aber lediglich auf den Lion-Air-Absturz Bezug genommen, für den ein 78 Seiten langer Unfallbericht vorliegt.

Was ist das Besondere an der 737 Max?
Die 737 ist ein Arbeitspferd in der weltweiten Luftfahrt, das schon in den 1960er Jahren entwickelt wurde. Die Max-Modelle sind die vierte Generation der Flieger-Familie. Sie zeichnen sich vor allem durch neue leistungsstärkere und sparsamere Triebwerke aus. Die ersten Maschinen wurden 2016 in Dienst gestellt. Die neuen Motoren bewirken, dass beim Steigflug mit steilem Anstellwinkel das Flugzeug instabil und damit für Piloten nur noch schwer beherrschbar werden kann. Deshalb wurde das MCAS entwickelt. Es soll kritische Situationen verhindern, indem der Bordcomputer den Anstellwinkel automatisch reduziert, also die Nase nach unten zieht. Dabei kann es aber offensichtlich Fehlfunktionen kommen. Boeing teilt mit, dass mit den Verbesserungen des Kontrollsystems die Übermittlung fehlerhafter Daten über den Anstellwinkel der Maschine abgestellt werden sollen. Zudem soll die automatische Stabilisierungsfunktion begrenzt werden, damit es für Piloten einfacher wird, manuell eingreifen zu können. All dies bezieht sich wohlgemerkt auf den Lion-Air-Unfall. 

Wie reagieren die Airlines?
Unterschiedlich. Boeing hat nach eigenen Angaben bislang 350 Max-Jets an 46 Airlines ausgeliefert. Die US-Fluggesellschaften Southwest und American, die zusammen mehr als 50 Maschinen betreiben, wollen sie weiter einsetzen. In China, wo rund 70 Jets fliegen, hat die nationale Luftfahrtaufsicht ein Flugverbot erteilt. Der Flughafen in Singapur, einem der wichtigsten Drehkreuze weltweit, hat ein Start- und Landeverbot für alle 737-Max-Jets verhängt. Bei zahlreichen Fluggesellschaften in Südamerika, Asien und Australien bleiben die Maschinen zunächst einmal am Boden. Das gilt auch für Ethiopian Airlines. Lion Air hat inzwischen Bestellungen der Boeing-Maschine storniert und will stattdessen Flugzeuge aus der A320-Familie vom europäischen Rivalen Airbus kaufen.

Wo wurde in Deutschland die 737 Max 8 bislang eingesetzt?
Mehrere europäische Fluggesellschaften, die auch auf hiesigen Flughäfen starten und landen, setzten die Flieger bislang ein. Dazu gehören die polnische Lot, Smart Wings aus Tschechien oder Turkish Airlines. Der Reisekonzern Tui hatte bislang 15 der Mittelstreckenmaschinen als Ferienflieger von und nach Großbritannien sowie die Benelux-Staaten im Einsatz. Am heutigen Mittwoch will Tuifly, der deutsche Ferienflieger des Konzerns, die erste 737 Max 8 von Boeing übernehmen. Der Erstflug soll am 13. April stattfinden. 25 weitere Exemplare sollen bis 2023 folgen.

Wie wird die Entscheidung der US-Aufsicht bewertet?
Politiker der demokratischen Partei in den USA haben Flugverbote gefordert, bis die Ursache für den zweiten Absturz geklärt sei. Mehrere Experten für Flugsicherheit haben sich dieser Forderung angeschlossen. Dabei wird mehrfach kritisiert, dass die FAA bei sogenannten Groundings sehr zögerlich und zurückhaltend sei. Ein generelles Verbot für einen Flugzeugtyp gab es zuletzt im Januar 2013 als sich Batterien an Bord von Boeings 787-Maschinen überhitzten und Feuer fingen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sieht aber weiter keinen Grund für ein vorübergehendes Flugverbot. Für einen solchen Schritt gebe es derzeit "keine Grundlage", erklärte FAA-Chef Daniel Elwell am Dienstag. (mit afp)

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