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Showtime für die scheue „13“

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Von: Willi Germund

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Öffentlicher Auftritt der geretteten Jugendfußballer in Thailand.
Öffentlicher Auftritt der geretteten Jugendfußballer in Thailand. © rtr

Die 13 aus einer Höhle in Thailand geretteten "Wildschweine" - so der Name ihres Vereins - präsentieren sich auf einer skurrilen Pressekonferenz der Öffentlichkeit.

Einer der zwölf Jungen streckte in Siegerpose die Faust in die Luft, als sie eine Woche nach ihrer Rettung aus der Tham-Luang-Höhle mit ihrem Trainer vor die Öffentlichkeit traten. Die Kinder hatten kaum noch Gemeinsamkeiten mit den abgemagerten Gestalten, die nach tagelanger Suche von Rettungstauchern entdeckt worden waren und aus der Höhle im Norden Thailands gerettet wurden.

„Ich werde nie wieder in die Höhle gehen“, sagte einer der Jungen. „Wir haben gelernt, das wir erst nachdenken müssen, bevor wir etwas unternehmen“, erklärte der 14-jährige Adul Sam-on. Eine Woche lang hatten Thailands Behörden die Jungen und ihren Trainer in einem Krankenhaus in Chiang Rai aufgepäppelt, nachdem sie ihrem Verlies in der Höhle entkommen waren.

Dort war die Nachwuchsmannschaft von Wasser überrascht und eingeschlossen worden. 18 Tage dauerte es, bis die Jungen wieder Tageslicht sahen. „Wir hatten nichts zu essen. Wir haben nur Wasser getrunken“, beschrieb der 25-jährige Trainer Ekkapol Chantawong die Zeit voller Todesangst.

Alle Fragen der streng choreografierten Pressekonferenz, die in Thailand live im Fernsehen gesendet wurde, mussten einen Tag vorher eingereicht werden. Auf einer Seite saßen Mitglieder der thailändischen Navy Seals und versuchten mit ihren Schirmkappen und dunklen Sonnenbrillen eine möglichst finstere Miene aufzusetzen.

Auf der anderen Seite der Jungen hatten die Organisatoren ein Bild von König Vajiralongkorn aufgestellt. Der Monarch hatte seit seiner Ernennung im Oktober 2016 noch nie so viel Volksnähe gezeigt wie während der Tage der Rettung. Am Ende der Pressekonferenz mussten alle Geretteten niederknien und ihre Gesichter bis zum Boden beugen.

Dabei sind neben dem Trainer drei der geretteten Jungen gar keine Thailänder, sondern Staatenlose. Sie können daher nicht einmal die Einladung des englischen Fußballklubs Manchester United zu einem Besuch annehmen. Sie haben keinen Pass, können kein Konto eröffnen und nicht reisen.

„Es gibt mehr als eine halbe Million Staatenlose in Thailand“, sagt der Menschenrechtler Surapong Kongchantuk. Mangels Papieren können sie nur illegal arbeiten. Viele landen in der Fischverarbeitungsindustrie. Andere enden als Unterhalter in Karaoke-Bars, einer harmlos klingenden Umschreibung für Prostitution.

Ein solches Schicksal drohte vor dem Höhlenabenteuer auch dem 14-jährigen Adul Sam-on. Der Junge, der Englisch, Chinesisch, Thai, Birmanisch und Wa spricht, war der erste und einzige, der nach ihrer Entdeckung mit den britischen Tauchern kommunizieren konnte. „Der Coach dachte, er hätte Stimmen gehört“, erzählte Adul, „ich bin mit einem Kameraden runter und da haben wir sie gesehen.“ Es muss eine unwirkliche Szene gewesen sein: „Ich habe erst mal ,Hallo‘ gesagt und gefragt: ,Können wir Ihnen helfen?‘“

Die Eltern hatten den aufgeweckten Jungen vor acht Jahren bei Nacht und Nebel über die grüne Grenze von Myanmar nach Thailand gebracht und bei einer Baptisten-Kirche zur Pflege abgegeben. Adul gilt an seiner Schule, an der 20 Prozent aller Kinder staatenlos sind und die Hälfte aus ethnischen Minderheiten stammt, als leiser und hochmotivierter Junge. „Wer aufwächst wie solche Jungen, muss einen harten Kern haben“, erklärt Schulleiter Punnawit Thepsurin die scheinbare Unbeschwertheit der Jungen bei der Pressekonferenz.

Zumindest können die Staatenlosen und Geretteten hoffen, dass die Zukunft Gutes bringt: Die Behörden versprachen, ihnen innerhalb von sechs Monaten die Staatsbürgerschaft zu verleihen. Doch zunächst werden die „13“, wie sie in Thailand genannt werden, für ein paar Wochen als Novizen in buddhistischen Klöstern untertauchen.

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