Corinna Schütz steht während einer Kundgebung der Anti-Donaulied-Aktivisten zum Abschluss der Online-Petition in der Innenstadt vor einem Banner mit der Aufschrift „Aktion gegen Bierzeltsexismus“.
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Corinna Schütz steht während einer Kundgebung der Anti-Donaulied-Aktivisten zum Abschluss der Online-Petition in der Innenstadt vor einem Banner mit der Aufschrift „Aktion gegen Bierzeltsexismus“.

Sexismus

Debatte um Donaulied

Ist es notwendig, im Bierzelt ein Lied zu singen, das von der Vergewaltigung eines Mädchens handelt? Nein, findet eine Passauer Gruppe und macht sich gegen das Donaulied stark.

Passau - Das Donaulied aus Bierzelten verbannen? „300 Stimmen wären schön“, dachten sich die Passauer Studentin Corinna Schütz und ihre Mitstreiter, als sie im Mai eine Online-Petition gegen das Singen des Liedes starteten. Nun sind es mehr als 36 000 Stimmen geworden. Mit ihrer Aktion hat die Gruppe eine Debatte losgetreten über Sexismus im Alltag, hat Fürsprecher gefunden und reichlich Spott einkassiert. Der Oberbürgermeister von Passau, Jürgen Dupper (SPD), will sich jedenfalls dafür einsetzen, dass das Lied auf Volksfesten der niederbayerischen Stadt nicht mehr gespielt wird.

Niemals hätte sie mit so viel Zuspruch gerechnet, sagte Schütz am Dienstagabend vor dem Passauer Rathaus, wo sie dem OB symbolisch 36 235 Stimmen übergab. Das Thema habe sich damals jedoch schnell herumgesprochen und im Internet verbreitet, und so seien die Klickzahlen auf der Petitionsseite in die Höhe geschnellt.

Was die Gruppe an dem Lied stört, ist die nach ihrer Ansicht ebenso offensichtliche wie verharmlosende Darstellung der Vergewaltigung eines Mädchens. In einer weit verbreiteten Version des Liedes heißt es: „Ich machte mich über die Schlafende her, Ohohoholalala, Sie hörte das Rauschen der Donau nicht mehr, Ohohoholalala“ oder „Mein Mädchen, mein Mädchen, was regst du dich auf, Ohohoholalala, Für mich war es schön und für dich sicher auch, Ohohoholalala“.

Kritiker kommentierten die Aktion unter anderem mit Sätzen wie: Es gebe wichtigere Probleme auf der Welt; das Lied sollte nicht zu ernst genommen werden; es handele sich nicht um einen Aufruf zu einer Vergewaltigung; auch andere Liedtexte handelten von Gewalt und das Donaulied gehöre eben auf Festen oder in Bierzelten dazu.

Die Petition richte sich ausdrücklich nicht gegen Traditionen, betonte Schütz. Um das zu unterstreichen trug sie beim Termin mit dem Passauer Stadtchef ein Dirndl. Sie gehe mit Freunden auch gerne auf Volksfeste, sagte die Studentin. Jedoch wollten sie sich nicht anhören müssen, wie betrunkene Bierzeltbesucher fröhlich ein Lied grölen, das eine Vergewaltigung beschreibt.

Dafür bekommt die Gruppe Zuspruch quer durch die Parteien. Der Landesvorsitzende der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, sagte in Passau, das Donaulied stehe beispielhaft für Alltagssexismus. Viele Menschen machten sich das gar nicht bewusst. Die positiven Reaktionen auf die Initiative seien überwältigend. Er findet das Engagement von Schütz und Co. gut.

Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) unterstützt die Gruppe ebenfalls: „Unsere Gesellschaft darf Gewalt, egal in welcher Form, nicht bagatellisieren oder verharmlosen – auch nicht in unserer Sprache.“ Mädchen und Frauen müssten es sich nicht gefallen lassen oder schweigen, wenn sie sich belästigt fühlen. „Schon Worte können verletzen. Da hört für mich der Spaß auf“, sagte Trautner.

So sehen es auch die Initiatoren, die ihre Petition folgendermaßen begründet hatten: „Sprache formt das Denken. In diesem alten Volkslied vermittelt der umgeschriebene Text ein Weltbild, welches sexuelle Gewaltfantasien gegen Frauen normalisiert und verherrlicht. Deswegen stellt das Donaulied eine Form sexueller Gewalt dar.“

Musikfachmann Michael Fischer, Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik an der Universität Freiburg, hatte zu Beginn der Aktion eine Einschätzung zum Donaulied abgegeben und gesagt: „Lieder dieser Machart leben von der Grenzüberschreitung.“ Jedoch: Der Text des Donauliedes sei aus heutiger Sicht „unerträglich, nicht nur aus der Perspektive von Frauen, sondern auch aus der Perspektive der Männer, die als Vergewaltiger dargestellt werden“.

Seiner Ansicht nach habe das Singen solcher Lieder nichts mit Humor, Harmlosigkeit oder Traditionspflege zu tun. Es gehe in dem Lied um eine wenig verschleierte Vergewaltigung der Schlafenden, so Fischer. Und gerade im Zusammenhang mit Partys oder Festen komme es immer wieder zu solchen Straftaten, was nicht ausgeblendet werden sollte. „Deshalb sollte man auf dieses Lied besser verzichten.“ (dpa)

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