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Mitarbeiter verbrennen medizinisches Abfall.

Ebola

Die Seuche im Krisengebiet

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Viele Menschen sterben bei einem Ebola-Ausbruch im Kongo. Noch besteht Hoffnung, das Virus unter Kontrolle zu bringen.

Der jüngste Ausbruch einer Ebola-Seuche in der Demokratischen Republik Kongo wird sich noch „deutlich verschlimmern“, falls die Maßnahmen zur Eindämmung nicht schnellstens verstärkt werden. So heißt es in einer am Mittwochabend veröffentlichten Erklärung der Genfer Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dennoch verzichtet deren Notkomitee gegenwärtig noch darauf, die Epidemie zu einem „internationalen Gesundheitsnotstand“ zu erklären. Denn noch bestehe die Hoffnung, dass die Seuche in einem „angemessenen Zeitraum“ unter Kontrolle gebracht werde, sagte der Vorsitzende des Notkomitees, der Epidemiologe Robert Steffen. Der Anfang August in der kongolesischen Nord-Kivu-Provinz gemeldete Seuchenausbruch hat bereits 139 Todesopfer gefordert, 216 Menschen sollen sich mit dem hochaggressiven Virus angesteckt haben.

Beim zehnten Ausbruch einer Epidemie im Kongo sehen sich die Seuchenbekämpfer mit besonderen Herausforderungen konfrontiert: Der Ausbruch fand ausgerechnet in einer Bürgerkriegsregion statt, in der es derzeit immer wieder zu Blutbädern kommt und aus der Hunderttausende von Menschen fliehen. Wöchentlich erlebt das Epizentrum der Seuche um die Stadt Beni blutige Zusammenstöße zwischen Milizen und der Regierungsarmee.

Hilfskräfte angegriffen

Die seit Jahren anhaltenden Unruhen haben das Vertrauen der Bevölkerung in Staatsorgane wie die Gesundheitsbehörde zerstört. Wiederholt wurden kongolesische Rotkreuz-Mitarbeiter angegriffen, die Ebola-Opfer auf sichere Weise, aber unter Ausschluss der Angehörigen bestatten wollten: Anfang dieses Monats endeten zwei misshandelte Helfer schwer verletzt im Krankenhaus. Alle Aktivitäten der Hilfswerke wurden daraufhin mehrere Tage lang eingestellt.

Besorgt zeigt sich die WHO zudem über die Nähe des Seuchenherdes zur ugandischen und ruandischen Grenze. Es sei fast nur noch eine Frage der Zeit, bis die Epidemie auf die Nachbarstaaten übergreife, heißt es in Genf: Schließlich entfliehen täglich Hunderte Kongolesen der Gewalt in ihrer Heimat über den Edward-See nach Uganda. Das Risiko einer nationalen und regionalen Ausbreitung der Seuche wird von der WHO als „sehr hoch“ eingeschätzt. Das einer globalen Ausbreitung dagegen als gering. Neun afrikanische Staaten betrachtet die UN-Behörde als gefährdet.

Für die Unruhen in der Nord-Kivu-Provinz macht die kongolesische und ugandische Regierung die angebliche islamistische Rebellengruppe „Allied Democratic Forces“ (ADF) verantwortlich, die einen Regierungswechsel in Uganda herbeiführen wolle. Deren Existenz ist allerdings umstritten: Unabhängige Beobachter sehen eine Vielzahl kleinerer Milizen im Spiel, die sowohl gegen die kongolesischen wie ugandischen Regierungstruppen kämpften – sich aber auch untereinander bekriegten. Selbst General Muhindo Mundos, ein Vertrauter von Präsident Joseph Kabila, habe sich seine eigene Miliz zugelegt, will eine UN-Expertengruppe herausgefunden haben.

Zumindest Teile der Bevölkerung in der Seuchenregion glauben, dass es sich bei dem „vermeintlichen“ Ausbruch lediglich um einen Trick der Regierung in Kinshasa handele, die immer wieder verschobenen, nun aber für Dezember anberaumten Wahlen erneut verschieben zu können. Auch bei der bislang verheerendsten Ebola-Epidemie vor drei Jahren in Westafrika, der 11 323 Menschen zum Opfer fielen, sahen sich die Seuchenbekämpfer immer wieder mit der Auffassung konfrontiert, bei der Epidemie handele es sich in Wahrheit um Regierungspropaganda.

Hinzu kommt im aktuellen Fall, dass die Rechercheure der Hilfsorganisationen wegen der prekären Sicherheitslage nicht immer alle Personen identifizieren können, die mit einem Infizierten in Kontakt gestanden haben – diese können sonst mit einem Impfstoff behandelt werden. Unter diesen Umständen müsse eigentlich die gesamte Bevölkerung geimpft werden, sagen Experten. Aber die dafür notwendigen Mengen an Impfstoff gibt es nicht. Von einem Gesundheitsnotstand soll trotzdem nicht gesprochen werden: Die WHO will ausländische Panik vermeiden. Denn die könne – wie ein voreiliger Reise- oder Handelsboykott – nur Schaden anrichten.

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