1. Startseite
  2. Panorama

Sesamstraße: Kinder für Bildung begeistert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Clemens Dörrenberg

Kommentare

Lloyd Morrisett Ende 2019. Der US-amerikanische Psychologe wurde 93 Jahre alt.
Lloyd Morrisett Ende 2019. Der US-amerikanische Psychologe wurde 93 Jahre alt. © Kevin Wolf/dpa

Lloyd Morrisett, der Miterfinder der „Sesamstraße“, ist gestorben. Der Psychologe wurde 93 Jahre alt und bleibt für immer mit Ernie und Bert, Bibo, Grobi, Tiffy und Herrn von Bödefeld verbunden.

Erst Anfang Januar hat die Sesamstraße ihr 50-jähriges Bestehen in Deutschland gefeiert. Ernie und Bert gaben in den ARD-Tagesthemen Moderatorin Caren Miosga ein launiges Interview und Grobi putzte die Kameralinse. Auf fast allen TV-Kanälen wurde über das Jubiläum berichtet. „Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt, bleibt dumm“, die Anfangsmelodie werden viele noch im Ohr haben, die mit der Sesamstraße im Fernsehen aufgewachsen sind.

Nun ist mit Lloyd Morrisett der Ideengeber und Mitschöpfer der Serie gestorben, die weltweit als bekannteste Kindersendung gilt. Der US-amerikanische Psychologe wurde 93 Jahre alt. Das gab die Organisation „Sesame Workshop“ am vergangenen Montag auf Twitter bekannt. „Lloyd hinterlässt ein übergroßes und unauslöschliches Vermächtnis für Generationen von Kindern auf der ganzen Welt“, hieß es in der Mitteilung. Als jahrzehntelanger Leiter der Produktionsfirma sei er fasziniert von der Macht der Technologie gewesen und habe stets überlegt, wie man diese zur Bildungsvermittlung nutzen könne.

Morrisett, der 1929 in Oklahoma City geboren wurde, hatte als Psychologe schon mehrere Jahre über Früherziehung geforscht, ehe ihn seine damals dreijährige Tochter Sarah 1965 auf die Idee zur Sesamstraße gebracht haben soll. An einem Sonntagmorgen habe sich das Mädchen das Testbild im Fernsehen angesehen, das es damals noch als Platzhalter für nachfolgende Sendungen gab, während es gespannt auf die geliebten Zeichentrickfilme wartete.

Spielerisch lernen

Ihr Vater erkannte die kindliche Begeisterung für die Bilder auf der Mattscheibe und wollte sie einsetzen, um dem Nachwuchs spielerisch und unterhaltsam Bildungsthemen näher zu bringen. Morrisetts Tochter habe bereits in dem jungen Alter eine ganze Reihe von Fernsehjingles auswendig gelernt, schreibt Michael Davis in seinem Buch „Street Gang: The Complete History of Sesame Street“. Auch Texte und Musik zu Werbespots sollen darunter gewesen sein. Morrisett sah diesen Enthusiasmus und die damit verbundene Fähigkeit zum Lernen als Chance, um auch gehaltvollere Inhalte zu vermitteln.

Bei einer Auszeichnung 2019: Lloyd Morrisett. Im Hintergrund links ist das gelbe Fell der Sesamstraßen-Figur Bibo zu sehen.
Lloyd Morrisett bei einer Auszeichnung 2019. Im Hintergrund links ist das gelbe Fell der Sesamstraßen-Figur Bibo zu sehen. © Imago/MediaPunch

Kurze Zeit darauf traf er sich mit der Fernsehproduzentin Joan Ganz Cooney, die zu seiner Geschäftspartnerin wurde. Gemeinsam arbeiteten sie an einem TV-Format. 1968 gründete das Duo dann die Non-Profit-Organisation „Children’s Television Workshop“, die zum „Sesame Workshop“ wurde. Daraus ging ein Jahr danach die Sesame Street, das US-Original der Sesamstraße, hervor, zunächst in Schwarz-Weiß, später in bunten Bildern. Sesame Workshop entwickelte seitdem immer wieder Serien und Bildungsprogramme für Kinder.

In ihrem Statement zum Tod ihres Geschäftspartners teilte Cooney mit: „Ohne Lloyd Morrisett würde es die „Sesamstraße“ nicht geben. Er war es, der als Erster auf die Idee kam, Vorschulkindern über das Fernsehen grundlegende Fähigkeiten wie Buchstaben und Zahlen beizubringen.“ Weiter sagte die 93-Jährige: „Er war mir über 50 Jahre lang ein zuverlässiger Partner und treuer Freund, und wir werden ihn schmerzlich vermissen.“ Der Vater der Sesamstraße ist gegangen. Seine Sendung aber wird bleiben. (mit dpa)

Auch interessant

Kommentare