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Geburt von Zehnlingen in Südafrika?

Sensation ohne Beweis

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Hat eine Südafrikanerin Zehnlinge zur Welt gebracht? Es bleiben berechtigte Zweifel.

In der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria soll eine Frau namens Gosiame Thamara Sithole zu Beginn dieser Woche nicht weniger als zehn Kinder zur Welt gebracht haben. Das würde einem in der Menschheitsgeschichte noch niemals zuvor gemeldeten Rekord gleichkommen. Die Wahl des Konjunktivs ist allerdings dringend geboten: Denn von dem unglaublichen Kindersegen gibt es bislang weder einen fotografischen Beweis, noch wurde die Geschichte offiziell bestätigt.

„Wir haben aus unseren Krankenhäusern keinerlei Hinweise erhalten“, teilte die zuständige Administration der Gauteng-Provinz stattdessen mit und fügte schnippisch hinzu: „Es sei denn, sie wurden in der Luft geboren.“ Auch die Zentralregierung tappt im Dunkeln: Sie wandte sich mit einem Appell für sachdienliche Hinweise an die Öffentlichkeit. Wer außer über Gerüchte auch über Fakten verfüge, solle sich bitte unverzüglich melden, erklärte Regierungssprecherin Phumla Williams: „Wir müssen diese Geschichte überprüfen und gegebenenfalls Hilfe leisten.“

Weniger vorsichtig waren einmal mehr Nutzerinnen und Nutzer sozialer Netzwerke, die – ohne Fakten zu prüfen – über den Hashtag #NationalBabyShower zu Hilfsleistungen aufriefen. Firmen wie der Sardinenhersteller „Lucky Star“ und die Bekleidungskette H&M zeigten sich auch schon für ihren Imagegewinn zur Unterstützung bereit. „Wir sind dabei“, postete H&M, während Lucky Star Fischdosen-Vorräte ein Jahr lang gratis zur Verfügung stellen will.

Was bislang fest steht: Eine Tageszeitung in Pretoria, deren Besitzer sich in finanzieller Notlage und unter Korruptionsverdacht befindet, berichtete am Dienstag „exklusiv“ über den Kindersegen der 37-jährigen Sithole. Sie sei seit Monaten von einem Reporter begleitet worden. Zum Beweis wurden Fotos der Schwangeren gezeigt. Ein Arzt hatte der bereits sechsfachen Mutter aus dem Township Tembisa ursprünglich Sechslinge prophezeit. Später erhöhte er auf Achtlinge, weil sich zwei Embryonen zunächst versteckt gehalten hätten. Die Familie vereinbarte Stillschweigen mit dem Reporter, aus „kulturellen und religiösen Gründen“.

Bei der Geburt in einer Privatklinik Pretorias, die von sechs Ärzten sowie zwei Krankenschwestern begleitet worden sei, hätten sich die Acht- schließlich als Zehnlinge herausgestellt. Sieben Jungs und drei Mädchen. Mutter Sithole war bei der Geburt offenbar in der 29. Woche, also im siebten Monat, schwanger. Weil sich die Neugeborenen in einem prekären Zustand befänden, seien sie unverzüglich in Brutkästen verlegt worden, hieß es weiter. „Sie sind, wie man sich vorstellen kann, natürlich winzig“, zitiert die Zeitung den Vater Tebogo Tsotetsi: „Schließlich waren sie zu zehnt in einem Bauch, der eigentlich nur für ein Kind ausgelegt ist.“

Er selbst fühle sich „wie ein von Gott erwähltes Kind“, fährt das Mitglied der afrikanischen Zions-Kirche fort: „Denkt man an die vielen Ehepaare, die keine Kinder kriegen können, bin ich gesegnet.“ Zunächst sei sie „schockiert“ gewesen, berichtete Mutter Sithole wenige Wochen vor ihrer Niederkunft dem Zeitungsreporter: „Es war anfangs hart für mich. Ich war krank. Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt.“ Sie bete zu Gott, dass sie und ihre Kinder die Geburt überleben, fügte die inzwischen womöglich 16-fache Mutter damals hinzu: Stimmt der Bericht des Reporters, dann hat Gott ihre Gebete erhört.

Zwei Tage nach der Geburt meldete das Sozialamt der Gauteng-Provinz, es habe die kindergesegnete Familie endlich ausfindig gemacht. Allerdings könne noch nicht bestätigt werden, dass Mutter Sithole tatsächlich Zehnlinge zur Welt gebracht hat: Das müsse erst noch überprüft werden. Südafrikanerinnen und Südafrikanern bleibt derweil nichts anderes übrig, als der Versicherung Papa Tsotsetsis zu vertrauen, der am Mittwoch versprach: „Ihr werdet die Babys sehen, wenn die Zeit dazu gekommen ist.“

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