Senioren am Steuer

Scheuer lehnt Pflichttests ab

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Sollen Senioren Fahrtauglichkeit nachweisen?

Sollten Senioren ab einem gewissen Alter regelmäßig zu Verkehrstests? Seit einem selbst verursachten Autounfall des britischen Prinzgemahls Philip (97) Mitte Januar köchelt diese Diskussion auch hierzulande. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich nun klar dagegen ausgesprochen. Doch die Sache ist damit wohl noch nicht erledigt.

In anderen europäischen Ländern sind regelmäßige Fahrtauglichkeitstests für Senioren schon lange selbstverständlich: In der Schweiz müssen Autofahrer, die älter als 75 Jahre sind, alle 24 Monate zum Test. In Italien oder Portugal überprüfen Behörden die Fahrfitness bereits ab dem 50. Lebensjahr.

„Das wird es mit mir nicht geben“, sagte Scheuer jetzt der Funke-Gruppe. Er setze auf Eigenverantwortung. Jeder müsse „immer wieder selbst seine Fitness und seine Fähigkeiten im Straßenverkehr“ überprüfen. Und weiter: „Aus der Unfallstatistik ergeben sich keine Auffälligkeiten. Unfälle können einem 21 Jahre alten Fahrer genauso passieren wie einer 81 Jahre alten Fahrerin.“

Doch das stimmt so nicht ganz: Laut Statistischem Bundesamt waren die „Ü65“ 2018 zwar nur für 15,6 Prozent aller Unfälle verantwortlich, die 18- bis 24-Jährigen hingegen für ein Viertel. Allerdings ist die Bilanz bei schweren Unfällen mit Personenschäden bei älteren Autofahrern eben doch auffällig: Sind über 75-Jährige beteiligt, tragen diese laut Statistik in drei von vier Fällen die Schuld. „Autofahrer über 75 Jahren sind eindeutig eine Hochrisikogruppe. Vorher allerdings nicht“, sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann, der für die Versicherungswirtschaft arbeitet.

Die Risiken liegen auf der Hand: Der Alterungsprozess verschlechtert die Sinnesleistungen, schwächt die Koordination und schränkt die Mobilität ein. Hinzu kommen oft Alterserkrankungen wie grauer Star oder Herzschwäche. Brockmann fordert deshalb verpflichtende Fahrtauglichkeitstests ab 75 Jahren: „Werden Senioren von Familienmitgliedern auf eine eingeschränkte Fahrtauglichkeit angesprochen, kann das zu Konflikten führen. Betroffene wollen das oft nicht hören. Das Urteil von neutralen Experten müssten sie sich anhören.“

Daniela Wagner, Verkehrssicherheitsexpertin der Grünen, sagte auf Anfrage: „Wir müssen für ältere Kraftfahrer Anreize setzen, ihre Leistungsfähigkeit kontrollieren zu lassen. Eine regelmäßige Gesundheitsprüfung kann als Grundlage der Selbsteinschätzung dienen.“

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