Adventskalender

Sechs! Jawoll! Her mit der Wildschweinsalami!

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FR-Adventskalender, 24.12.: An Heiligabend werden Geschenke verteilt. Am besten in spielerischer Form, so wie beim Weihnachtswichtelwürfeln.

Das Schenken an sich ist ja eine schöne Geste. Und doch gibt es kaum eine Zeit des Jahres, zu der sich der Mensch für diesen Akt der Großzügigkeit auf den beängstigend schmalen Grat zwischen freudigem Erfolg und kläglichem Scheitern wagen muss, wie zur alljährlichen Weihnacht. Denn anders als bei Geburtstagen oder anderen Festen, anlässlich derer nur das Geburtstagskind oder die Jubilarin zu beglücken ist, gilt es am 24. Dezember, für die Kinder, die Liebste, die Eltern und Schwiegereltern und sonstige Verwandte das Richtige zu finden. Was, wie sich in den Umtauschorgien zwischen den Jahren zeigt, dann doch seltener gelingt als erhofft. 

Eine wahrlich geschmeidige und dabei noch äußerst unterhaltsame Art, die große Ernüchterung unterm Weihnachtsbaum zu umgehen, ist das Weihnachtswichtelwürfeln, das wir seit einigen Jahren an Heiligabend im Kreise der Familie veranstalten. Es vereinigt alles, was gemeinhin zu Weihnachten gehört: Geselligkeit, schenken und beschenkt werden inklusive „Ah!“ und „Oh!“ beim Auspacken. Und weil das Würfelglück mitspielt, gibt’s obendrauf noch ein bisschen „Mensch ärgere Sich nicht“-Spaß. 

Wie dieses Spiel offiziell heißt – und ob es überhaupt einen offiziellen Namen hat –, weiß ich gar nicht. Ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, vorher abzustimmen, wie viele Geschenke jeder beiträgt und was diese kosten dürfen. Wir haben uns inzwischen auf drei Geschenke geeinigt, von denen jedes so um die zehn Euro kosten darf. Mehr geht natürlich auch, aber dann auf eigenes Risiko. Dazu gleich mehr.

Anders als das klassische Wichteln, das ja auch nicht ohne Haken ist – wir erinnern uns an den schmalen Grat zwischen Erfolg und Scheitern –, hat unsere weihnachtliche Variante einen entscheidenden Vorteil: Jeder kauft dafür nämlich Geschenke, die ihm oder ihr gut gefallen. Heißt auch: Wenn niemand sonst sie gut findet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einem im Verlauf des Spiels abgeluchst werden, ziemlich gering.

Aber genug geredet, jetzt wird gespielt. Dazu den Esstisch freiräumen und die Geschenke für das Spiel aus dem Nebenraum holen, wo sie ein jeder im Laufe des Abends abgestellt hat – bestenfalls, ohne dabei von den anderen beobachtet worden zu sein. Denn: Nicht zu wissen, vom wem was ist, erhöht den Reiz des Spiels zusätzlich. Sind alle Geschenke auf dem Tisch, beginnt Runde eins.

Es wird reihum gewürfelt, wer eine Eins oder eine Sechs würfelt, darf sich eines der Geschenke nehmen und stellt es vor sich. Runde eins endet, wenn alle Geschenke vergeben sind. Aber keine Sorge: Wenn einer nach dieser Runde sechs Geschenke vor sich hat, heißt es nicht, dass das am Ende von Runde drei auch noch so ist.

Doch zunächst: Runde zwei. Jetzt wird reihum ausgepackt, jeder immer eines seiner Geschenke, bis alle Gaben unverpackt begutachtet werden können. In dieser Runde raten wir gerne, wer was gekauft hat, was meist auch schon recht amüsant ist. In dieser Runde zeichnet sich außerdem oftmals schon ab, welches Präsent das in Runde drei am heißesten umkämpfte sein wird. Ist es das Genusspaket mit Wildschweinsalami und feinem Preiselbeergelee? Oder doch die Lichtbox, die an Kinowerbung früherer Tage erinnert? Oder das Set mit edlen Handcremes? Wir werden sehen.

Jetzt zu Runde drei, in der sich zum vermaledeiten Würfelglück noch der Faktor Zeit hinzugesellt. Man kann fünf Minuten ansetzen, wir haben uns auf zehn Minuten Spieldauer geeinigt, denn je länger, je lustiger. Nun darf wieder bei einer Eins oder einer Sechs zugegriffen werden, aber eben unter Zeitdruck, was die Dynamik des Spiels enorm anfacht. Hat der Schwager die Wildschweinsalami? Her damit! Dafür greift sich die Schwiegermutter bei der jüngeren Tochter die Duftkerzenvariation ab. Der Würfel rollt immer schneller, Geschenke wandern hin und her, und wehe, es wird zu lange überlegt, welches Geschenk … „Mama, mach jetzt!“

Einzige Regel in dieser Runde: Hat einer nur noch eine Sache vor sich, darf sie nicht genommen werden. Allerdings: Austauschen ist erlaubt. Der Schwager hat nur noch die Wildschweinsalami? Dann kriegt er dafür das kleine Schminkkästchen, das ich in Runde eins ausgewählt hatte, weil ich dachte: klein ist fein. Das ist die Chance! Wurst her, Schminke weg! Win-win – aber nur für mich! (Ein bisschen Schadenfreude gehört auch dazu … ) Und dann, nach gefühlten neun Minuten und 30 Sekunden, hilft nur noch beten, die Zeit möge um sein, bevor der Schwager noch mal würfeln darf.

Ob einem nun der Würfelgott gewogen ist oder nicht – die Erfahrung hat gezeigt, dass ein Szenario unbedingt vorab besprochen werden muss: Darf man, wenn genau in dem Moment, in dem man eine Eins oder Sechs gewürftelt hat, der Timer bimmelt, noch mal zugreifen? Denn sonst – edle Salami hin oder her – bleibt ein bitterer Nachgeschmack.

Und das Schönste an diesem Spiel: Nirgendwo steht geschrieben, dass man die Salami nicht gegen die Lichtbox eintauschen darf. Später am Abend dann.

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