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Schuldig in allen Anklagepunkten

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R.Kelly vor Gericht. afp
R.Kelly vor Gericht. afp © afp

Erste Vorwürfe kamen in den 90ern auf - nun fällt das Urteil gegen Superstar R. Kelly.

Im Missbrauchsprozess gegen R. Kelly (55) hatte eine Jury den einstigen Popstar im vergangenen Jahr in allen neun Anklagepunkten - darunter sexuelle Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung – für schuldig befunden. Kelly wies die Vorwürfe zurück. Er hatte nicht selbst ausgesagt, den Prozess aber im Gerichtssaal verfolgt.

Die Staatsanwaltschaft forderte mehr als 25 Jahre Haft für den Sänger („I Believe I Can Fly“), der seit seiner Festnahme 2019 im Gefängnis sitzt. Unter anderem angesichts „der Schwere der Vergehen, dem Bedarf für Prävention und Schutz der Bevölkerung vor weiteren Verbrechen des Angeklagten“ sei eine solche Strafe angemessen, hieß es. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von bis zu 250 000 Dollar gefordert.

Kellys Anwälte hingegen plädierten für eine geringere Strafe und haben bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung gehen zu wollen. Die Verkündung des Strafmaßes war bereits mehrfach wegen Formalitäten verschoben worden. Am Mittwochabend sollte es nun in New York verkündet werden, nach Redaktionsschluss dieser Zeitung.

Sechs Wochen lang hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung 2021 die Vorwürfe gegen Kelly aus mehreren Jahrzehnten ausgebreitet, auseinandergenommen und ihre Argumente dargelegt. Dutzende Zeuginnen und Zeugen kamen zu Wort, Hunderte Beweisstücke wurden gesichtet. Das Verfahren ist – nach Fällen wie denen des Produzenten Harvey Weinstein und Komikers Bill Cosby – eine weitere juristische Aufarbeitung der MeToo-Ära. Vertreter der Bewegung hatten das Kelly-Urteil gefeiert.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago als Robert Sylvester Kelly geborenen Musiker wurden bereits vor 25 Jahren bekannt. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schweren sexuellen Kindesmissbrauchs vor Gericht – und wurde freigesprochen. Der Musik-Gigant schien unangreifbar – mit mehr als 50 Millionen verkauften Alben gehörte er zu den erfolgreichsten Musikern des späten 20. Jahrhunderts.

Aber spätestens als 2019 die Doku „Surviving R. Kelly“ die Anschuldigungen zusammenfasste, wurde es um den Sänger einsam. Stars distanzierten sich, ebenso Radiosender, Streaming-Dienste und sein Musiklabel. Nach der Strafmaßverkündung drohen Kelly weitere Prozesse: In Illinois und Minnesota liegen Anklagen gegen ihn vor. Ein Prozess in Chicago soll im August beginnen. dpa

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