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Die vier Angeklagten bei der Urteilsverkündung am Landgericht Köln.

Kölner Stadtarchiv

Die Schuld der anderen

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Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen? Das gilt nicht für den Kölner Prozess. Ein Kommentar.

Das Urteil im Prozess um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs ist ein Rechtsspruch. Den Anspruch an eine höhere Gerechtigkeit kann es ebenso wenig befriedigen wie das Bedürfnis, die Schuldigen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen.

Vieles spricht dafür, dass es beim Kölner U-Bahn-Bau organisatorisches und politisches Versagen gab, das in einer langen Wirkungskette zum Archiveinsturz führte. Aber diese Vorwürfe an die Führung der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und die Verwaltungsspitze sowie der ursächliche Zusammenhang mit dem Unglück sind strafrechtlich längst nicht so leicht zu erhärten wie konkreter Pfusch am Bau – oder eben gar nicht.

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen? Das gilt nicht für den Kölner Prozess. Ob die Großen schuldig geworden und gleichwohl unbeschadet geblieben sind – das müssen sie selbst beantworten und vor ihrem Gewissen verantworten.

Juristisch hat die erste Instanz ihre Arbeit abgeschlossen. Politisch setzte sich die nordrhein-westfälische Landesregierung im Bundesrat dafür ein, die Bauaufsicht künftig strikt vom Bauherrn zu trennen – wohl der mindeste Schritt zur Beseitigung eines geradezu systemimmanenten Schlendrians mit fatalen Folgen. Und in Köln verzichtete Oberbürgermeister OB Fritz Schramma (CDU), dessen Krisenmanagement intern und öffentlich gerügt wurde, auf eine erneute Kandidatur.

Aber auch eine andere Schlussfolgerung bleibt gültig: Auf Parteigünstlinge im Vorstand sollte ein Unternehmen wie die Kölner Verkehrsbetriebe verzichten. Auch hier gilt: Es wäre das Mindeste.

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