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Schüler tötet zwei Lehrerinnen

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Von: Thomas Borchert

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Eine junge Frau legt Blumen vor dem Gymnasium in Malmös Innenstadt nieder. Johan Nilsson/TT News Agency/dpa
Eine junge Frau legt Blumen vor dem Gymnasium in Malmös Innenstadt nieder. Johan Nilsson/TT News Agency/dpa © dpa

Nach der Tat im Zentrum von Malmö soll der 18-Jährige selbst die Polizei gerufen haben

Ein Gymnasiast hat in Malmö zwei Lehrerinnen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren getötet. Wie die Polizei in Schwedens drittgrößter Stadt am Dienstag angab, rief der 18-Jährige von der Schule aus selbst den Notruf an, berichtete von seiner Tat und ließ sich kurz danach ohne Gegenwehr festnehmen. Er war nach Medienangaben mit einer Axt und einem Messer bewaffnet.

Hintergründe unklar

Bis auf die benachbarte Kleinstadt Trelleborg als Wohnort machten die Fahnder am Tag nach dem Doppelmord keine Angaben über den mutmaßlichen Täter. Auch der Hergang und mögliche Motive sowie Verbindungen zwischen dem Schüler und beiden Opfern blieben zunächst im Dunkeln.

Alarmiert wurde die Polizei am späten Montagnachmittag, als der normale Unterrichtsbetrieb an der „Latinskola“ schon beendet war. Medienberichten zufolge hielten sich nur noch etwa 50 Menschen für eine Musicalprobe in dem Traditionsgymnasium, das rund 1100 Schülerinnen und Schüler besuchen, im Malmöer Stadtzentrum auf. Zwischen dem ersten Anruf um 17.12 Uhr und der Festnahme des 18-Jährigen seien zehn Minuten vergangen, berichtete die Polizeichefin Petra Stenkula.

Die Einsatzkräfte hätten entsprechend den Hinweisen den dritten Stock des Schulgebäudes gestürmt und „sofort gesehen, was da passiert war“. Stenkula wollte keine weiteren Einzelheiten nennen. Die beiden Opfer wurden ins Krankenhaus gebracht, wo sie später starben.

Es sei relativ schnell klar gewesen, dass man es mit einem allein handelnden Täter zu tun gehabt habe. Die Polizeichefin gab an, dass er bisher polizeilich nicht mit irgendwelchen Straftaten in Erscheinung getreten ist.

Seltsames Verhalten bemerkt

Medien zitierten Berichte von Lehrkräften, wonach sich der Schüler den Winter über „seltsam“ aufgeführt habe und man deshalb durchaus besorgt gewesen sei. Die Schule blieb am Dienstag geschlossen.

Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson sagte zu dem Doppelmord: „Das ist schrecklich. Wenn so etwas an einer Schule passiert, geht das allen Schülern, Lehrern und Eltern überall in Schweden direkt mitten ins Herz.“ Im letzten Jahr hatte es in den Kleinstädten Varberg sowie Eslöv und zuletzt im Januar in Kristianstad ebenfalls bewaffnete Attacken auf Jugendliche oder Lehrkräfte an Schulen gegeben. Bei den Vorfällen wurde niemand getötet.

Andersson meinte dazu, die Polizei müsse mehr und genügend Ressourcen zur Aufklärung bekommen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Daran arbeite ihre Regierung mit Hochdruck.

Malmö hat in den letzten Jahren im Zentrum von immer brutaler geführten „Bandenkriegen“ gestanden. Beteiligt waren und sind im Drogenhandel aktive kriminelle Gangs mit gegenseitigen Mordanschlägen auf offener Straße, denen auch Unbeteiligte zum Opfer gefallen sind. Zuletzt galt die Polizei der südschwedischen Metropole landesweit als Vorbild bei der erfolgreichen Verhinderung solcher Gewalttaten. Die Bandenkriminalität in Malmö wird immer auch im Zusammenhang mit dem hier besonders hohen Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte gesehen.

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