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Schönheit im Frühlingskleid – Landkärtchen ist Insekt des Jahres 2023

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Von: Pamela Dörhöfer

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Die Frühlingsgeneration des Landkärtchens.
Die Frühlingsgeneration des Landkärtchens. © Imago

Das Landkärtchen ist Insekt des Jahres 2023 – es gilt als „Anzeiger für eine ökologisch intakte Kulturlandschaft“.

Das Tierchen leistet sich eine Frühlings- und eine Sommervariante mit unterschiedlichen Gewändern, was selbst für eine so vielfältige, mit Schönheit gesegnete Art wie die seine außergewöhnlich ist: Der Schmetterling mit dem netten Namen Landkärtchen – der allerdings nichts mit dem als „Saisondimorphismus“ bezeichneten Phänomen zu tun hat – ist deshalb zum „Insekt des Jahres 2023“ gewählt worden.

Das Kuratorium unter dem Vorsitz von Thomas Schmitt, dem Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg, gab dem schillernden Tagfalter bei der Wahl nun den Vorzug vor einer Reihe weiterer Kandidaten. Ein zweiter Grund für die Wahl zum Insekt des Jahres war die Eigenschaft des Landkärtchens, als „Anzeiger für eine ökologisch intakte Kulturlandschaft“ zu fungieren.

Die Frühjahrsgeneration dieser Schmetterlinge (die wissenschaftliche Bezeichnung lautet Araschnia levana) besitzt ein orangefarbenes Kleid mit schwarzer Zeichnung, die Sommergeneration hingegen trägt schwarz mit einem gebogenen weißen Band auf dem Vorder- und Hinterflügel. Beiden gemein ist eine relativ bunte, von zahlreichen, unterschiedlich dicken Linien durchzogene Unterseite der Flügel. Diese erinnert an eine Landkarte – worauf sich der deutsche Name dieser Schmetterlingsart bezieht.

„Das Landkärtchen zeigt wunderbar, dass auch bei weit verbreiteten und vermeintlich gut bekannten Insekten noch viel Forschungsbedarf besteht“, sagt Thomas Schmitt: „Wir wissen zwar, was die Ausbildung der unterschiedlichen Farbmuster steuert, nicht aber, welchen Zweck, diese wirklich haben.“

Bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Laborexperimenten nachweisen, dass die Raupen des Landkärtchens, die unter Lichtverhältnissen heranwachsen, wie sie in Monaten mit besonders langen Tagen herrschen, ein Sommerkleid anlegen. Entscheidend dafür seien bestimmte Hormone und deren Wirkung in der Falterpuppe, erklärt Schmitt. Die Gene, welche die Ausschüttung dieser Hormone kontrollieren, wiederum werden durch die Tageslänge reguliert. So führt eine frühe Ausschüttung dieser Hormone zur Ausbildung eines Sommerkleides.

Noch unklar ist allerdings, welchen Zweck die saisonalen Unterschiede beim Landkärtchen spielen. Dient er dem Schutz vor Fressfeinden, die je nach Jahreszeit unterschiedliche sind? Die Wissenschaft weiß es schlicht bis heute noch nicht.

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