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Mach?s gut, 91,5 Meter langes Prunkstück: Sein Bötchen wird Jho Low bestimmt vermissen.

Milliardär Jho Low

Schön war die Zeit

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Ein Picasso für DiCaprio, ein Ferrari für Kardashian: Jahrelang schmiss der malaysische Milliardär Jho Low mit öffentlichen Geldern um sich. Jetzt soll damit Schluss sein. Lows Yacht jedenfalls wird zwangsverkauft.

Das 91,5 Meter lange Prunkstück, das 2014 in dem niederländischen Hafenstädtchen Alblasserdam erstmals zu Wasser gelassen wurde, war offenbar der ganze Stolz des gerade mal 31-jährigen Superreichen Malaysiers Low Taek Jho, besser bekannt als Jho Low. Seit Wochen dümpelt die Yacht, die der Besitzer auf den hübschen Namen „Equanimity“, also „Gleichmut“ taufte, in einem Becken von Malaysias größtem Hafen Klang nahe der Hauptstadt Kuala Lumpur.

Doch der gegenwärtige Gemütszustand des Eigners weist keine Gemeinsamkeiten mehr mit dem Namen der Riesenyacht auf. Der „globale Investor“, so der Milliardär über sich selbst in einer von seinen Rechtsanwälten gerade neu erschaffenen Webseite, tobt, weil die Regierung des 92-jährigen Premierministers Mahathir bin Mohamad das teure Spielzeug zwangsverkaufen will.

Malaysias Regierung befindet sich in Geldnöten, seit sie vor einigen Monaten nach Wahlen dem Vorgängerregime unter Najib Razak überraschend die Macht entriss. Die Nobelyacht des 31-jährigen Tycoons, der zwischendurch Hollywoods-Superstar Leonardo DiCaprio mit einem echten Picasso-Bild beglückte, gehört zum Tafelsilber des größten Finanzskandals der früheren Regierung. Rund 3,5 Milliarden US-Dollar sind auf Nimmerwiedersehen aus dem 1MDB-Fond verschwunden, den Premierminister Najib gründete und in dem Jho Low laut Kuala Lumpur ganz nach Belieben schalten und walten durfte.

Najib versuchte kurz nach der Wahlniederlage vergeblich aus Malaysia zu fliehen und wartet derzeit in Kuala Lumpur auf mehrere Gerichtsverfahren. Der aus Penang stammende Low dagegen ist mehr oder weniger spurlos untergetaucht. Das gilt jedenfalls für die Behörden, die den jungen, zu einer gewissen Fülligkeit neigenden Tycoon irgendwo in China vermuten.

Die Anwälte von Low kennen offenbar keine Probleme, mit ihrem Mandanten zu kommunizieren. Sie verfolgen sogar Buchhändler in Großbritannien, denen es in den Sinn kam, eines der jüngst erschienenen Bücher zu verkaufen, die Low und den 1MDB-Skandal durchleuchten. Dabei behagt ihnen ein Zitat der „Financial Times“ am meisten. „Zum Ärger der Autoren“, zitiert Lows Webseite das Blatt, „gibt es jede Menge loser Fäden. Bisher sind keine Anklagen (Ausnahme Ex-Premier Najib; Anm. d. Red.) erhoben worden.“ Alle Beteiligten bestreiten alle Vorwürfe und behaupten. alle Transaktionen seien legal gewesen.

Dazu gehörte offenbar auch der 250.000 US-Dollar teure schneeweiße Ferrari, den Low im Jahr 2011 der US-Klatschgröße Kim Kardashian als Hochzeitsgeschenk präsentierte. DiCaprio gab seinen Picasso und ein Werk des 1988 im Alter von 28 Jahren verstorbenen Jean-Michel Basquiat zurück, nachdem US-Behörden die Geschäfte von Low unter die Lupe nahmen. Das australische Model Miranda Kerr, das für Victoria’s Secrets warb, musste – peinlich, peinlich – Schmuck im Marktwert von acht Millionen US-Dollar zurückgeben.

Low, ein Sohn chinesischer Auswanderer in Penang, nutzte seine engen Kontakte zu Regierungschef Najib und die schier unerschöpflichen Geldtöpfe des 1MDB-Fonds ziemlich ungeniert, um in den USA aufzutrumpfen – freilich in Hollywood statt an New Yorks Wall Street. Dem globalen Finanzzentrum näherte sich Low am ehesten mit der Finanzierung des Films „Wolf on Wall“, dessen Hauptrolle Low aus heutiger Sicht auf den Leib geschrieben wäre. Das zweite größte Filmprojekt „Dumb and Dumber“ geriet in finanzielle Turbulenzen, nachdem US-Behörden dem Studio mitteilten, sie würden sich mit gestohlenem Geld aus Malaysias 1MDB-Fond bezahlen lassen. Selbst in Singapur und in der Schweiz klopften die Behörden zwei Banken auf die Finger, die 1MDB Gelder verschoben hatten.

Doch Low beteuert aus seinem unbekannten Versteck mit Hilfe eines wahren Heers von Rechtsanwälten seine Unschuld. Er lässt verkünden, er werde sich nie einem Gericht in Malaysia stellen. Die Begründung: Jedes Gerichtsverfahren in Malaysia würde politisch manipuliert werden. Er habe keine Chance auf einen fairen Prozess. Offenbar fühlt er sich im Reich seiner Vorfahren gegenwärtig sicher. Denn China macht bislang keine Anstalten, seinen lautstarken und schwerreichen Gast vor die Tür zu setzen.

Schließlich zog sich Mahathir bin Mohamad, der neue Regierungschef in Kuala Lumpur, bei seinem jüngsten Besuch in Peking den Zorn der Landesherren im Reich der Mitte zu. Er fragte nicht nur nach Low. Er stornierte mehrere sündhaft teuere Infrastrukturprojekte, die Vorgänger Najib im Tausch gegen politische Rückendeckung in Peking unterzeichnet hatte.

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