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Die Saarbrückerin Lydie Idel Fonkwe hat einen eigenen Weg gefunden, ihre Familie in Kamerun zu unterstützen.

Plattform „Familov“

Schnell ein paar Tomaten überweisen

Lydie Idel Fonkwe wollte ihre Familie in Kamerun unterstützen - doch die Gebühren für Geldsendungen waren hoch. Also entwickelte sie eine Plattform, über die Lebensmittel in Afrika bestellt werden können.

Lydie Idel Fonkwe in Saarbrücken kauft regelmäßig für ihre Familie in Kamerun ein. Und zwar per Mausklick: Auf einer Online-Plattform, die sie selbst entwickelt hat, bestellt sie kiloweise Reis, reichlich Öl, Spaghetti und Milch.

Noch schnell bezahlt – dann können sich ihr Vater oder ihre fünf Geschwister die Lebensmittel in einem Geschäft in ihrem Wohnort abholen. So wie Fonkwe, die „Familov“ vor rund drei Jahren gründete, bestellen mittlerweile rund 8000 Menschen in Europa, Amerika und in China über diese Plattform Nahrungsmittel für ihre Familien in mehreren afrikanischen Ländern.

„Heute bestelle ich jeden Monat alles, was meine Familie dort braucht“, sagt Fonkwe, die 2011 als Studentin nach Saarbrücken kam. Die Idee für den Online-Supermarkt entwickelte sie aus ihrer eigenen Erfahrung heraus. „Als ich hierher kam, wollte ich meine Familie in meinem Heimatland unterstützen“, sagt sie. Aber die Gebühren für Geldüberweisungen seien sehr hoch gewesen, und kleinere Beträge wie fünf Euro habe sie gar nicht überweisen können.

„Dann hatte ich eines Tages die Idee, statt Geld direkt Nahrungsmittel zu überweisen“, sagt Fonkwe. So habe sie auch sicher sein können, dass das Geld da ankommt, wo sie es wollte – nämlich um einen Grundbedarf an Lebensmitteln zu decken. So startete sie mit „Familov“. Heute ist sie mit über 150 lokalen Partnern in Kamerun, Gabun und Benin vertreten. Als nächstes stehe eine Ausweitung auf die Elfenbeinküste an, dann Kongo und Mali.

Fonkwe merkte schnell, dass „Familov“ eine Marktlücke war. Andere Migrantinnen und Migranten hatten dieselben Probleme. Die meisten ihrer Bestell-Kundinnen und -Kunden wohnten in Deutschland, Frankreich, Belgien, den USA, Kanada und China. Der durchschnittliche Bestellwert liege bei 80 Euro, geordert werde regelmäßig. Das freue auch die Märkte in den heimischen Ländern. Die Waren könnten bis zu 36 Stunden nach der Bestellung abgeholt werden. „Familov“ bekomme von Kundschaft und Supermärkten jeweils eine Kommission, sagt Fonkwe.

Studentin Mary aus den USA schreibt auf der Internetseite von „Familov“, die Kosten für Geldüberweisungen in ihre Heimat hätten sie „fast aufgefressen“. Mit der Plattform bekomme ihre Familie nun Nahrungsmittel quasi vor die Haustür und die Kosten seien gut auszuhalten. Ingenieur Michael Francis in Deutschland sagt, es sei für ihn mit „Familov“ günstig und praktisch, seine Familie zu ernähren. „Ich kann für sie alles kaufen, was ich will - mit nur einem Mausklick.“

„Familov“ wolle nicht nur in Afrika bleiben, sondern auch in Asien und Südamerika Fuß fassen, „überall da, wo Bedarf ist“, sagt Fonkwe, die inzwischen ihren Master in Management Sciences am Deutsch-Französischen Hochschulinstitut der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken in der Tasche hat. Wer wolle, könnte auch spenden. „Ich habe eine Liste von bedürftigen Familien.“ (dpa)

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