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Schnee-Eule in Kanada.

Vogel-Zählung

"Die Schnee-Eule steht auf der Verlierer-Seite"

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Der weiße Uhu ist der Wintervogel schlechthin ? und der Mensch ist eine seiner größten Gefahren.

Mindestens im Herz von „Harry Potter“-Fans hat sich die Schnee-Eule auch hierzulande eingenistet. Dabei mag kaum wer wissen, dass für Hedwig, die Eule des Zauberlehrlings, im Film ein Männchen herhalten musste, weil eben nur männliche Schnee-Eulen ein ganz weißes Gefieder haben. Auch weithin unbekannt dürfte die Tatsache sein, dass es um Schnee-Eulen in Wirklichkeit nicht gut bestellt ist. Der Biologe Jean-François Therrien hat sich ihrer Erforschung verschrieben. Im Interview erklärt er, warum Schnee-Eulen gefährdet sind.

Herr Therrien, Sie sind einer der wenigen Schnee-Eulen-Forscher. Wie sieht Ihre Arbeit in der kanadischen Tundra aus?
Ich forsche nun schon seit zwölf Jahren zu Schnee-Eulen und leite Forschungen zu den Brut- und Überwinterungsgebieten der Schnee-Eulen. Außerdem werte ich ihr Zugverhalten aus, welche Lebensräume sie nutzen und wohin sie über welche Distanzen und in welcher Geschwindigkeit ziehen. Dabei geht es natürlich auch um die Bestandsentwicklungen.

Der WWF wollte die Schnee-Eule 2018 erst zu seinen Verlierern aus dem Tierreich zählen, dann fehlte es aber an aktuellen Daten. Hätte er Grund dazu gehabt?
Eine Sache steht fest: Die Schnee-Eule profitiert nicht von dem aktuellen Kontext, den ihr die Umwelt darstellt. Die Eingriffe des Menschen, der ihre Lebensräume bewirtschaftet und zur Klimaerwärmung beiträgt, verringert die Überlebens- und Fortpflanzungsraten der Vögel. In diesem Sinne hätte der WWF Recht gehabt. Die Schnee-Eule ist von alle dem nur negativ betroffen und steht definitiv auf der Seite der Verlierer.

Was ist die aktuell drängendste Gefährdung für Schnee-Eulen?
Ich denke, hier muss man den Klimawandel nennen, obwohl er die Eulen nicht direkt betrifft. Ein Grad wärmer bringt natürlich keine Schnee-Eule um. Aber durch den Klimawandel ändern sich schon jetzt die Brutbedingungen, auch Lemminge, die zur Beute der Schnee-Eulen gehören, gibt es immer weniger. Außerdem verändern sich durch den Temperaturanstieg auch die Brut- und Überwinterungsgebiete.

Wie kann der Gefährdung Einhalt geboten werden?
Kurzfristig brauchen wir ein besseres Wissen darüber, wie groß die Bestände überhaupt sind, und präzise Angaben über die veränderten Lebensdauern im gesamten Ausbreitungsgebiet. Wenn wir zusammenarbeiten, könnten wir das schaffen. Langfristig müssen wir die breite Öffentlichkeit erreichen – und den Abgeordneten wie Regierungen dieser Welt klarmachen, dass sie die Umweltgefährdungen ernst nehmen müssen.

Interview: Simon Berninger

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