Mit Mayo, bitte! imago images
+
Mit Mayo, bitte! 

Pommes

So schmeckt der Sommer

Das Eis hat eine heiße Konkurrentin: Warum ausgerechnet im Freibad der Heißhunger auf Pommes kommt.

Sommer im Freibad. Das klingt nach spielenden Kindern und Beckenplanschen. Und es riecht nach Pommes. Selbst Menschen, die sie sonst nie essen, bekommen im Schwimmbad Hunger darauf. Kinder holen sich tropfnass und bibbernd eine Portion. Die kommt klassischerweise in einer Pappschale, rot-weiß mit Piksern.

Im Idealfall hat man dafür nicht zu lange angestanden, die Pommes sind außen kross und innen weich. Ein Essen, das man sich halbnackt bestellt, mehr oder weniger gern auf dem Handtuch liegend teilt, manchmal auch mit Ameisen. Kurz, Pommes im Freibad sind ein echtes Sommerphänomen. Aber warum eigentlich?

Nele Heinevetter muss es wissen. Sie betreibt im Berliner Sommerbad im Humboldthain einen Imbiss, der gleichzeitig ein Ort für Kunst und Workshops ist. Der Betrieb im Bad ist wegen der Corona-Einschränkungen gerade ruhig. Während die Kunsthistorikerin vom „Tropez“ erzählt, kommen Durchsagen mit Abstandsregeln.

Warum müssen es im Freibad Pommes sein? „Ich glaube, weil man von Kind auf lernt, dass es zum Schwimmbadbesuch gehört“, so Heinevetter. Fritten seien außerdem vegan und „mit Salat ein super Mittagessen“. Das passt zum Gesundheitstrend.

In ihrem Imbiss gibt es frische Pommes im Sonnenblumenöl frittiert, die kleine Schale für 2,50 Euro. Im Internet zeigt das „Tropez“ diese Saison auch passende Kunst: ein Videospiel, bei dem eine dänische Künstlerin die Fritten in den Rachen wandern lässt. Heinevetter und ihr Team haben das Ganze noch nicht über: „Wir essen selber jeden Tag Pommes.“

Gerade ist früher Mittag im Schwimmbad. Eine Mutter drückt einem kleinen Mädchen eine große Portion in die Hand, zum Teilen mit den anderen Kindern, statt eines Brötchens vom Bäcker. Für sie ist das was Besonderes. „Sonst kriegen die das nicht.“

Ähnliches erzählt Mathias Kaucha, Betreiber des Imbisses im Berliner Prinzenbad. Pommes sind dort „Grundausstattung“. Die mampfen dort selbst Leute, die sie sonst nie essen. „Irgendwie kommt der Sommerflair den Pommes zu Gute.“ Schwimmen mache hungrig. Zu Spitzenzeiten werden im Prinzenbad 2000 bis 3000 Portionen am Tag verkauft.

„Das hat nicht so sehr mit dem Schwimmen, sondern etwas mit dem Sommer zu tun“, glaubt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe. Es ist heiß, man schwitzt, der Körper hat einen Bedarf nach Kohlehydraten und Salz, so Oloew.

Pommes im Freibad seien in Deutschland seit den 50er Jahren verbreitet. Eine Portion hat je nach Größe bis zu 490 Kalorien, ist auf der Internetseite einer Fastfood-Kette zu lesen. Sie sind fettig und die reine Sünde. Oder etwa nicht?

Es gibt Stimmen, die sagen, man soll das essen, worauf man Lust hat und was der Körper gut verträgt. Andere sind skeptischer. „Das ist schwierig, da etwas Gutes dran zu finden“, sagt der Ernährungsforscher Stefan Kabisch. „Man kann sich definitiv etwas Gesünderes vorstellen.“

In Pommes stecken demnach zu viel Salz, gesättigtes Fett und schnell-verdauliche Kohlenhydrate. Die Kartoffeln sind als frittierter Snack zu sehr verarbeitet, um noch richtig gesund zu sein. Es ist laut Kabisch ein Essen, das ein kurzes Glücksgefühl beschert, aber nicht lange satt macht.

Vier oder fünf Mal im Jahr Pommes, das findet Kabisch aber nicht so schlimm. Aber bei einmal die Woche – da könne es je nach Typ schon anders sein, mit Blick auf Übergewicht oder drohenden Diabetes. Isst er selbst Pommes? „Sporadisch“, so der Fachmann. Bei den Spitzenköchen gibt es indes durchaus eine Pro-Pommes-Fraktion. Alexander Herrmann zum Beispiel.

Der aus dem Fernsehen bekannte Koch hat im bayerischen Wirsberg einen Schwimmbad-Kiosk. Das Waldschwimmbad kenne er seit seiner Kindheit, den Kiosk zu übernehmen war „absolute Herzenssache“, heißt es in einer Mitteilung dazu. Sein Urgroßvater habe damals die Talwiese verkauft, um 1955 überhaupt das Freibad zu ermöglichen. Deshalb heißt der Kiosk „Kiosk 1955“.

Eine der häufigsten Jugend-Erinnerungen spiele im Freibad. „Nie mehr war das Wetter besser, das Wasser klarer und das Leben schöner – und die knusprigen Pommes waren nie besser als auf der Wiese in der Sonne.“ So werden natürlich auch in Wirsberg Pommes verkauft. (Caroline Bock, dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare