Selbst ist die Frau: Ein Gnocchi-Rezepte wandelte die Küchenchefin ein wenig um.
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Selbst ist die Frau: Ein Gnocchi-Rezepte wandelte die Küchenchefin ein wenig um.

Sydney

Schmeckt nach Feminismus

  • vonBarbara Barkhausen
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Die Frau am Herd – das war nie ein Bild der Emanzipation. Dennoch verbreiteten selbst die Suffragetten ihre Ideen in Kochbüchern. Eine australische Köchin lässt die Rezepte nun wieder aufleben.

Mit Rezepten für Frauenrechte kämpfen – das hört sich erstmal nach einer ordentlichen Ironie an. Doch genau das taten die Suffragetten. Dabei hatten sie erstmal Wichtigeres zu tun. Sie kämpften um 1900 für ihr Wahlrecht und damit für mehr Gleichberechtigung. Neuseeland war 1893 das erste Land weltweit, das Frauen den gang zur Wahlurne erlaubte, Südaustralien folgte ein Jahr später. Doch in Europa dauerte es deutlich länger, bis die Suffragetten ähnliche Erfolge erzielten. In Deutschland und in Österreich erhielten Frauen 1918 das Wahlrecht – in der Schweiz sogar erst 1971.

Aber zurück zu den Rezepten: Dass die Frauenrechtlerinnen damals auch mit Kochbüchern ihre politischen Ideen unter die Leute brachten, ist im Grunde nicht so verwunderlich, wie sich das zunächst anhört. Nicht nur erreichten die Suffragetten so ihr weibliches Zielpublikum auf einfache Weise – sie zeigten auch, dass Emanzipation und Tätigkeiten, die traditionell dem Frauen zufielen, nicht in krassem Widerspruch zueinander stehen mussten. In gewisser Weise ist es sogar so: Die Gerichte in den kleinen Büchern der Suffragetten hatten das Potenzial, die Welt zu verändern.

Köchin Liz Mason: „Als ich das Kochbuch zum ersten Mal sah, konnte ich all die politischen Ideen, aber auch das optimistische Gefühl erkennen, das sie damit transportierten.“

„Als ich das Kochbuch der Suffragetten zum ersten Mal sah, konnte ich all die politischen Ideen, aber auch das optimistische Gefühl erkennen, das sie damit transportierten“, sagt nun Liz Mason, die einige der Rezepte in ihrem Restaurant Song Kitchen im australischen Sydney kocht. Ein Mitglied der feministischen Organisation YWCA, die Masons Restaurant unterstützt und fördert, hatte die Chefin auf das alte Buch aufmerksam gemacht. Liz Mason entschied sich, daraus ein Menü zusammenzustellen – für den Vorabend des Internationalen Frauentages am 8. März.

Durchaus eine Herausforderung, der sich die Köchin damit stellte. Viele „Rezepte“ im Suffragetten-Kochbuch sind im Grunde nur Zutatenlisten, ohne zugehörige Weiterverarbeitungs- und Maßangaben. Mason musste also experimentieren, ohne zu wissen, „wie erfolgreich das Ganze sein“ würde.

Überraschend „lecker und schmackhaft“ sei beispielsweise eine Suppe geworden, deren Zutatenkombination sich auf den ersten Blick eher unappetitlich anhörte. „Verschiedene grüne Blattsalate, Endivien-, Chicorée- und Sauerampferblätter, die man in Mehl anbraten und mit Sahne vermischen soll“, erklärt Mason. Das Ergebnis überraschte selbst die Küchenchefin. „Wohlriechend“, beschreibt sie, eine Suppe mit „Tiefgang“.

Auch eine Nachspeise erschien der Köchin erstmal „seltsam“: Eine Art Granita aus Früchten und Zucker, in die jedoch Gelatine gemischt wird, bevor das Ganze zum Stocken in den Gefrierschrank kommt. Wieder war das Endergebnis eine Überraschung, so Mason, das Dessert habe eine ganz eigene Textur. „Mein Team und ich haben sehr viel von dem Kochbuch gelernt“, sagt sie, auch, weil viel mehr Komponenten der Menüs selbst hergestellt werden müssen, von der Butter bis zum Brot.

Wirklich jedes Rezept aus dem Buch zu testen, dazu konnte sich Mason aber doch nicht durchringen. Auf ein Gericht mit Schildkröte etwa verzichtete sie lieber. Eine genaue Anleitung zum Töten der Reptilien lag dem Rezept schließlich auch bei. Gegen eine Speise, für die 20 Dutzend Austern eine Stunde lang geschmort werden müssen, entschied sich die Köchin ebenso. „Für so ein Experiment einfach zu teuer“, sagt die Köchin bloß.

Masons Lieblingsrezept könnte es dagegen sogar dauerhaft auf die Speisekarte ihres Restaurants schaffen: Gnocchi mit Spinat, Sahne, Mehl und Muskat. Das Ursprungsrezept wandelte die Köchin jedoch ein wenig ab. Die kalorienstarke dicke Sahne ersetzte sie durch leichteren Mascarpone. Soviel Selbstbestimmung dürfe schon sein, meint Mason.

Von Barbara Barkhausen

Klara Lakomy aka Salomé Balthus spricht mit der FR darüber, warum sie Roger Köppel und die „Weltwoche“ verklagt. Und was Prostitution mit Feminismus zu tun hat.

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