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Steht gut gepflegt herum: Schloss Meseberg am Huwenowsee.

Schloss Meseberg

Schön, aber sinnlos

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Meistens steht das Gästehaus der Bundesregierung leer – Millionen kostet es trotzdem jedes Jahr.

An diesen heißen Junitagen ist die Badestelle am Huwenowsee gegenüber vom Schloss Meseberg gut besucht. Von hier aus können die Schwimmer die Gärtner im Gästehaus der Bundesregierung beobachten, die unermüdlich Rasen und Rabatten wässern. Der Garten ist top gepflegt – nur betritt ihn kaum jemand.

In vier Jahren hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Landschloss selbst nur an 32 Tagen genutzt. Übernachtungsbesuch gab es in dieser Zeit nur drei Mal. Ausgebucht war das Schloss allein bei den Klausurtagungen des Bundeskabinetts 2016 und 2018. Das Schloss gehört der Messerschmitt-Stiftung, die es der Bundesregierung noch bis 2020 für einen rein symbolischen Mietpreis überlässt.

Jedes Hotel wäre bei dieser Belegung längst pleite. Meseberg aber wird aus dem Etat des Kanzleramts bezahlt: Jährlich fällt mindestens eine Million Euro für Bewirtschaftung, Unterhalt und Personalkosten des Kanzleramts an. Den größten Posten aber verschlingt die Sicherheit: 3,8 Millionen Euro pro Jahr stellt die Bundespolizei für die Bewachung des Schlosses dem Kanzleramt in Rechnung. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Benjamin Strasser hervor.

Strasser sagte auf Anfrage: „Meseberg ist eher ein Spukschloss. Ein Gästehaus vor den Toren der Stadt hat nur dann Sinn, wenn es auch genutzt wird. Die Bundesregierung sollte ein nachhaltiges Nutzungskonzept für ihr Gästehaus präsentieren oder sich die Frage stellen, ob man es noch braucht.“ Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung über seine Anfrage berichtet. Strasser stört sich vor allem an den Ausgaben für die Sicherheit des meist leerstehenden Gemäuers: „Die millionenschweren Kosten, die allein durch die Bewachung durch die Bundespolizei im Schichtbetrieb anfallen, kann man auch gut an anderer Stelle verwenden“, sagt er.

Auffällig ist vor allem: Die Regierung nutzt Meseberg fast nur im Sommer. Zwischen August und April klafft eine riesige Lücke im jährlichen Belegungsplan – würde nicht jedes Jahr kurz vor dem 1. Advent ein regional geschlagener Weihnachtsbaum im Schlosshof aufgestellt, in Anwesenheit eines Staatsministers. Es ist einer von zwei jährlichen Terminen, bei denen auch Meseberger als Gäste hinter den Zaun des Schlosses dürfen. Der zweite ist der jährliche Tag der offenen Tür, der wieder am kommenden Sonnabend bevorsteht. Dann ist wirklich etwas los im „Spukschloss“ der Kanzlerin.

Zumindest der Meseberger Nico Zehmke möchte das Gästehaus der Bundesregierung in seinem 150-Seelen-Ort dennoch nicht missen. „Es ist wichtig für unsere Region, wichtig für unser Image“, sagt der stellvertretende Amtsdirektor des Amtes Gransee, zu dem Meseberg gehört. Das Schloss hat seinen Ort bekanntgemacht – und ist auch dann ein Wirtschaftsfaktor, wenn es nur gut gepflegt herumsteht, weil genug Neugierige zum Gucken vorbeikommen.

„Das kleine Meseberg hat zwei Gaststätten“, sagt Zehmke, „so etwas gibt es nicht überall.“ Er hätte schon ein paar Ideen, wie man das Schloss besser nutzen könnte, „vielleicht auch von anderen Institutionen des Bundes. Aber das steht mir nicht zu, so etwas zu fordern.“

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