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Schlecht gerüstet im Kampf gegen den Teufel

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Von: Simon Berninger

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Ein Exorzismus nicht zwingend aussehen wie in einem Hollywood-Film, trotzdem zeigt sich die Kirche in Deutschland verhalten.
Ein Exorzismus nicht zwingend aussehen wie in einem Hollywood-Film, trotzdem zeigt sich die Kirche in Deutschland verhalten. © epd

In Rom geht diese Woche ein Kurs zu Ende, der die Grundlagen des Exorzismus vermitteln will. Beim Kampf gegen böse Geister sind die 27 Diözesen allerdings zurückhaltend. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Exorzismus? Da war doch was. Stimmt. 1975. Der Fall Anneliese Michel aus Klingenberg am Main. 22 Jahre war sie alt, als der damalige Würzburger Bischof Josef Stangl einem ersten Exorzismus an der angeblich von gleich mehreren Dämonen besessenen Studentin zustimmte. Über 60 exorzistische Handlungen wurden an der jungen Frau durchgeführt. Der Fall ging damals durch die Medien, geriet auch dank der Nachverfilmung in „Der Exorzismus der Emily Rose“ nicht in Vergessenheit.

Da war aber noch was. Und zwar erst diese Woche, ein Kurs in der Päpstlichen Universität Regina Apostolorum in Rom, der Theologen, Psychologen, Mediziner und Juristen in die Grundlagen der austreibenden Rituale der katholischen Kirche einführen wollte, die FR berichtete. Nach wie vor gehört der Glaube, potentiell von bösen Mächten besessen sein zu können, zur Lehre der katholischen Kirche. Entsprechend soll der Exorzismus dazu dienen, „Dämonen auszutreiben oder vom Einfluss von Dämonen zu befreien und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat“, heißt es im Katechismus, dem offiziellen Glaubensbuch der katholischen Kirche.

Auch Papst Franziskus hat die Bistümer bereits wiederholt ermahnt, Exorzisten zu ernennen. Einschlägig ist dafür das Kirchenrecht. Danach kann jeder Bischof einen Priester zum Exorzisten bestimmen, sofern sich der Kandidat durch „Frömmigkeit, Wissen, Klugheit, untadeligem Lebenswandel“ auszeichnet. Jeder einzelnen Austreibung muss der Bischof dann noch einmal zustimmen, wie im Fall der Anneliese Michel.

In Deutschland überwiegt die Skepsis

Eine Praxis, die potentiell auch hierzulande angewandt werden könnte. Allerdings bekennen sich die 27 Bistümer in Deutschland nicht so vollmundig dazu, wie das bei der Tagung dieser Tage in Rom gewesen sein mag. 24 Bistümer antworteten mit einem „Nein“ auf die Anfrage, ob es in ihrem Sprengel einen Exorzisten gibt. „Wir würden vorrangig empfehlen, medizinische Behandlungen mit seelsorglicher Begleitung zu kombinieren“, sagt etwa Michael Baudisch, Pressesprecher der Bistums Dresden-Meißen.

Auch im Bistum Speyer hat sich laut Pressesprecher Markus Herr die Einschätzung durchgesetzt, dass „hinter der Vorstellung, vom Bösen besessen zu sein, häufig tiefgehende Lebensprobleme liegen, die eine umfassende Beratung und Begleitung erforderlich machen“. Die durchschnittlich zwei bis drei Personen im Jahr, „die subjektiv den Eindruck haben, durch das Böse besonders bedrängt zu werden“, verweise man an einen Beauftragten für Weltanschauungsfragen, der zugleich für Sekten und Okkultismus zuständig ist.

Hin und wieder fragen auch Menschen im Bistum Köln nach einem Exorzismus. „Gründe dafür können etwa eine schwindende religiöse Verwurzelung in der christlichen Tradition sein und damit einhergehend religiöser Orientierungsverlust, Synkretismus oder auch neuheidnische Praktiken“, erklärt Pressesprecherin Sandra Meisenberg. „Die Globalisierung führt zudem Menschen aus anderen Kulturen zu uns, in denen Geister und Dämonen selbstverständlich zum Weltbild gehören.“

„Ansprechpartner“ statt „Exorzisten“

Demgegenüber lässt das Bistum Eichstätt wissen, dass das „Gebet um Befreiung vom Bösen zur uralten kirchlichen Tradition“ gehöre. Ob es dort auch einen Exorzisten gibt? „Bei Anfragen wird ein geeigneter Ansprechpartner vermittelt, der mit dem Hilfesuchenden in Kontakt tritt“, sagt Pressesprecherin Clara Böcker.

Unter Verweis auf die „sehr große Diskretion“, die bei dem Thema geboten sei, zeigt sich auch Stephan Kronenburg vom Bistum Münster bedeckt. Wohl aber gäbe es auch dort „einen Ansprechpartner, der Menschen, die sich vom Bösen besessen fühlen und deshalb in einer Notsituation sind, seelsorglich begleitet.“ Ein Exorzismus sei aber „in keinem Fall“ durchgeführt worden.

Nur das Bistum Passau gibt an, „seit jeher“ über Seelsorger „mit besonderen Kompetenzen und geistlicher Erfahrung“ zu verfügen, „die sich unter anderem auch um die Menschen kümmern, die meinen, einen Exorzismus zu benötigen“.

Eben so wie Anneliese Michel vor über 40 Jahren. Oder vielmehr deren Eltern, die von der Praxis überzeugt waren. In Würzburg kam seither auch kein Exorzist mehr zum Einsatz. Der damalige Pfarrer lebt nicht mehr – wie auch die vermeintlich Besessene, die schon nach einem Jahr und über 60 Exorzismen verstorben ist. 

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