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Settimo Mineo, angeblicher Anführer der Cosa Nostra auf Sizilien, wird am Dienstag abgeführt.

Italien

Schlag gegen die Mafia

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"Für solches Gesindel ist in Italien kein Platz mehr." Ein Großaufgebot der Polizei von Palermo zieht den mutmaßlichen Boss der Cosa Nostra aus dem Verkehr.

Settimo Mineo führte in der Altstadt von Palermo einen Juwelierladen, ein unauffälliger, recht rüstiger 80-Jähriger mit weißem Haar, der viel zu Fuß ging und nie ein Mobiltelefon benutzte. Nicht etwa, weil er mit der neuen Technik nicht zurechtkam, sondern aus Angst, abgehört zu werden. Denn hinter der harmlosen Fassade von „Zio Settimo“, dem Onkel, wie er genannt wurde, verbarg sich der neue Chef der sizilianischen Cosa Nostra. Mineo gilt den Anti-Mafia-Ermittlern als Erbe des vor einem Jahr gestorbenen „Bosses der Bosse“, Salvatore „Totò“ Riina.

Am Dienstagfrüh, im Morgengrauen, wurde der „Pate“ verhaftet. Lange Kolonnen von Polizeifahrzeugen sowie Hubschrauber waren im Einsatz, um neben Mineo weitere 45 mutmaßliche Angehörige der Cuppola festzusetzen. Kuppel, so wird die Kommission der sizilianischen Mafia-Clans genannt. Sie hatte sich Ende Mai in der Provinz Palermo nach 25 Jahren Pause neu gebildet.

Den Festgenommenen werden unter anderem illegaler Waffenbesitz, Erpressungen, Brandstiftungen und gewaltsame Übergriffe vorgeworfen. Die Ermittler der Operation „Cuppola 2.0“ hatten die Verdächtigen monatelang beschattet, gefilmt und abgehört.

Super-Boss Totò Riina, Chef des Clans der Corleonesi, hatte 1992 die Morde an den Mafia-Jägern Paolo Borsellino und Giovanni Falcone in Auftrag gegeben und war ein Jahr später verhaftet worden. Es war ein schwerer Schlag gegen die älteste Mafia Italiens. „Die Kuppel“ hatte es seitdem nicht mehr gegeben. Bis zu seinem Tod im November 2017 übte Riina auch aus dem Gefängnis heraus immer noch Einfluss aus. Als neue Nummer eins der Cosa Nostra galt zuletzt Matteo Messina Denaro. Der heute 56-Jährige ist allerdings seit 25 Jahren auf der Flucht, der meistgesuchte italienische Mafia-Boss, eine Art Phantom. Mineo dagegen wurde als ältester Mafioso vor Ort der Vorsitz der neuen Cuppola übertragen, sagt der nationale Anti-Mafia-Staatsanwalt Federico Cafiero de Raho.

Es war ein Versuch der Cosa Nostra, sich neu aufzustellen. Mineo sollte zwischen den Clans und zwischen der alten und jungen Mafia-Generation vermitteln. Er hat selbst eine jahrzehntelange Karriere in der organisierten Kriminalität hinter sich.

Seine beiden Brüder wurden bei Mafia-Kriegen Anfang der 1980er Jahre getötet, 1986 war er selbst nur knapp einem Anschlag entgangen. 1984 verhörte ihn Richter Falcone zu seinen kriminellen Aktivitäten. Da gab sich Mineo unbedarft: „Ich weiß gar nicht, wovon sie sprechen, ich falle aus allen Wolken.“ Damals wurde er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. 2006 kam eine weitere Haftstrafe von elf Jahren, die er aber nicht ganz absitzen musste. Seit 2013 war er auf freiem Fuß.

Italiens Vize-Premier Luigi Di Maio sprach nach den Festnahmen in Palermo von einem harten Schlag gegen die Mafia. „Für solches Gesindel ist in Italien kein Platz mehr“, schrieb er auf Facebook.

Doch Experten halten die sizilianische Cosa Nostra schon seit langem für klar geschwächt. Sehr viel gefährlicher ist inzwischen die kalabrische „Ndrangheta“, die mit Drogenhandel Milliarden verdient und sich globalisiert hat. Sie ist als einzige Mafia-Organisation in ganz Europa und fast weltweit im Geschäft.

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