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Premierminister Alexis Tsipras spricht voneiner "kriminellen Bande".

Griechenland

Schlag gegen die griechische "Gold-Mafia"

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Kriminelle Pfandleiher bereichern sich an der Not der Menschen.

Für viele verzweifelte Menschen sind sie die letzte Hoffnung: Die Pfandleihen, die während der Krise überall in Griechenland wie Pilze aus dem Boden schossen. Dort versetzen viele Griechen Schmuck und Goldmünzen, um finanziell über die Runden zu kommen. Meist erhalten sie viel weniger Bargeld als es dem tatsächlichen Wert des Edelmetalls entspräche. Jetzt bestätigt sich ein lang gehegter Verdacht: In vielen dieser Läden laufen kriminelle Machenschaften.

Eine 33 Meter lange Motorjacht, eine im hellenistischen Stil gehaltene Luxusvilla mit vielen glitzernden Kronleuchtern, eine goldene Luxus-Uhr am Handgelenk: Dieser Grieche hat es offenbar zu etwas gebracht. Jetzt steht der Mittfünfziger, dessen Gesicht viele Zuschauer aus der Fernsehwerbung kennen, im Mittelpunkt staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Es geht um Goldschmuggel, Hehlerei und Steuerhinterziehung.

Eine Kette von 44 Pfandleihen betreibt der Mann nach eigenen Angaben, von Serres im Norden bis nach Kreta im Süden. Auch Niederlassungen in den Krisenländern Spanien und Portugal sind auf der Homepage der Firma verzeichnet. Der Slogan des Unternehmens: „Die Lösung in der Krise“. Auf Griechisch reimt sich das. Jetzt ermittelt die griechische Justiz gegen den Mann und mindestens 62 weitere mutmaßliche Komplizen. 

Schmuggel in großem Stil

In griechischen Medien ist von einer „Gold-Mafia“ die Rede. Die Bande soll Gold aus Pfandleihen, aber auch Diebesgut aus Wohnungseinbrüchen, in großem Stil in die Türkei und nach Deutschland geschmuggelt haben. Bisher wurden fünf Haftbefehle erlassen. Am Wochenende vernahm die Staatsanwaltschaft Dutzende Verdächtige. Am Sonntag kam auch der mutmaßliche Kopf der Bande an die Reihe. In Handschellen wurde er zum Ermittlungsrichter gebracht. Der Unternehmer beteuerte: „Ich bin unschuldig, ich habe nichts damit zu tun“. Ja, er habe Gold in die Türkei exportiert, aber „immer legal und verzollt“, sagt er.

Premierminister Alexis Tsipras ging in der vergangenen Woche im Parlament auf den aufsehenerregenden Fall ein, als er  von einer „kriminellen Bande“ sprach, „die in den Krisenjahren Zehntausende Griechen ausgequetscht hat“. Den Festnahmen gingen monatelange Ermittlungen voraus. Im Athener Stadtteil Exarchia entdeckten die Fahnder in einer Pfandleihe einen Schmelzofen. Hier wurde nach Erkenntnissen der Polizei nicht nur Gold aus Pfandleihen, sondern auch bei Einbrüchen erbeuteter Schmuck eingeschmolzen.

Eingeschaltet in den Fall ist auch der griechische Geheimdienst, der offenbar umfangreiches Beweismaterial beisteuern konnte. Darunter sind Mitschnitte abgehörter Telefonate und Videoaufnahmen. Eine zeigt, wie Kuriere der Gold-Mafia mutmaßliche Gold-Pakete in Athen dem Fahrer eines weißen Fernbusses übergeben, der wenig später in Richtung Istanbul losfährt. Fast täglich gab es solche Transporte. Die Ermittler schätzen, dass die Verdächtigen allein in den vergangenen fünf Monaten Gold im Wert von elf Millionen Euro in die Türkei geschmuggelt haben. Schaden für den Fiskus: 2,5 Millionen Euro.

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