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Manchmal wird dann um die Plätzchen auch gestritten.

Weihnachten

Schlacht am Plätzchenteller

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Besinnlich, beschwipst, auf der Flucht, geschenkelos: FR-Redakteurinnen und -Redakteure erinnern sich ein ein unvergessliches Weihnachtsfest...

Es kommt ja häufiger vor, dass die Dinge an Weihnachten eskalieren, gerade in Familien. Bei uns war es immer so, allerdings nicht laut. Schuld war die Tante. Das bedeutet keineswegs, schlecht über die Tante zu reden, sie ist schließlich schon vor Jahren verstorben. Es war vielmehr so, dass sie über einen gesunden Appetit verfügte. Nun stellen Sie sich bitte etwa zwölf Personen vor, die geschlossen auf etwa vier volle Plätzchenschalen starren. Die Tante beginnt, hineinzugreifen. 

Der Rest schaut, was sie nimmt, und schätzt ab, was von der jeweils bevorzugten Sorte wie lange übrig bleibt. Und greift nach. Das wiederum macht der Tante Sorgen, die ihrerseits nachgreift. Und so weiter. Gesprochen wird nicht, klar, die Münder sind voll, sehr voll. Das Ganze endet nach etwa achteinhalb Minuten, weil die Plätzchenschalen leer sind. Den Beteiligten geht es relativ schlecht. Aber das legt sich, spätestens am ersten Feiertag. Mittags, kurz vor der Gans. (Stephan Hebel)

Schwofen unterm Baum

Ich freue mich auf Heiligabend. Auf das Festessen im Haus von Schwiegermama, die immer so froh aussieht, wenn sich ihre beiden Töchter samt Männern und den fünf Enkelkindern um den geschmückten Baum versammeln; auf dieses festliche Leuchten, das die Kinder an Weihnachten umgibt – auch wenn sie schon Auto fahren oder zumindest gestandene Zweitklässler sind. Ich mag die Gespräche, den Gabentisch im einstigen Kinderzimmer meiner Frau, die große Bescherung. Und den ängstlichen Blick, mit dem Schwiegermama den Schwager in vermeintlich unbeobachteten Momenten fixiert und eine Antwort zu finden versucht auf die Frage, ob ihn wohl wieder die weihnachtliche Tanzlust packt. Das kam schon vor, oh ja, und es war herrlich! Zu den Hits von Peter Maffay oder Rod Stewart hat der Schwager sie über den Berberteppich gewirbelt, bis sie juchzte wie in der Achterbahn. Das war jene wilde Nacht, in der Schwiegervater Paul (er war nach dem ersten Schwips ins Bett gegangen) gegen halb drei wieder ins Wohnzimmer kam, die zur lauten Musik Tanzenden etwas entgeistert beobachtete, aber schließlich lächelnd in die Runde raunte: „Na, dann sag’ ich mal: Fröhliche Weihnachten.“

Morgens lag der Schwager in der Unterhose auf eben jenem Berber und schlief, während die Ersten schon frühstückten. Und ganz gleich, ob wir es krachen lassen oder besinnlich beisammen sitzen – wir denken seither an jene wilde Weihnacht, die bis heute nicht die einzige, aber leider die letzte mit Schwiegervater Paul war. Und wir wünschen uns Fröhliche Weihnachten und denken an Paul und all die anderen, die nicht mehr da sind – und freuen uns, dass wir uns haben. Denn, viel mehr braucht es ja auch nicht. (Boris Halva)

Flucht vor der Familie

Irgendwann nach der Jugend geriet das Weihnachtsfest aus dem Fokus. Heilig Abend mit der Familie wäre eine schöne Bescherung. Der Brauch, sich vor einem toten Baum zu versammeln, wurde immer suspekter. Also lieber ein etwas weniger pseudobesinnlicher Umtrunk mit den Kumpels. Mit der ersten Freundin gab es dann für Heiligabend ein besonderes Abkommen.

Meiner Mutter erzählte ich, bei der Freundin und deren Eltern mitzufeiern, die Holde erzählte ihren Eltern wiederum, ich sei bei meiner Mutter. So konnte ich ohne Klingeling ein paar Stunden rum-fläzen und musste keine dankbare Miene für gut gemeinte Geschenke rauskramen. Aus Dankbarkeit für diesen konspirativen Einsatz wurde für die Mitwisserin dann zur späten Stunde der lebende! Ficus Benjamina geschmückt und die unvermeidlichen Geschenke – das war nicht verhandelbar – darunter drapiert. Dazu wurde das einzige Weihnachtslied im ansonsten reichhaltigen Musikrepertoire aufgelegt: Fairytale of New York von den Pogues. Das ging ein paar Jahre gut. Die Beziehung ging irgendwann zu Ende, die Aversion gegen aufgesetzte Besinnlichkeit blieb. (Oliver Teutsch)

Die Eltern ziehen’s durch

Es war ein schweres Fest damals Ende der 90er. Ich mag 14 gewesen sein, als meine Eltern beschlossen, mir diese Weihnachten nichts zu schenken. Sie wollten die Kette des Kommerz unterbrechen, dagegensteuern, dass der Sprössling nur haben wollte und den Hals nicht voll bekam. Weihnachten war schließlich das Fest der Liebe, dachten sie. Weihnachten ohne Geschenke, was hat es dann noch für einen Sinn, dachte ich. Alle meine Freunde würden coole Sachen bekommen, nur ich benachteiligt, quasi bestraft. Doch all das Jammern half nichts. An Heiligabend war da … nichts. Gähnende Leere unter dem Tannenbaum. Insgeheim hatte ich nicht damit gerechnet, dass Mama und Papa es durchziehen würden.

Der Abend: gelaufen, meine Eltern die fiesesten Menschen der Welt. Den Rest des Festtages verbrachte ich heulend auf meinem Zimmer und schrieb Schimpftiraden und traurige Gedichte in mein Tagebuch. Ich weiß nicht, ob meine Eltern mit dem Verlauf ihres Plans zufrieden gewesen sind. Wiederholt haben sie ihre kreative Idee jedenfalls bis jetzt nicht. (Judith Köneke)

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