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Francesco Schettino (Archivbild) ist überzeugt, dass er die Costa Concordia „nicht im Stich gelassen“ hat.

Costa Concordia

Schettino bleibt ein freier Mann

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Als Hauptschuldiger für eines der spektakulärsten Unglücke der Schifffahrtsgeschichte wurde Francesco Schettino zu 16 Jahren verurteilt. Ins Gefängnis muss der Ex-Kapitän der Costa Concordia aber frühestens in ein paar Jahren.

Francesco Schettino hatte seine Verurteilung wegen einer Grippe nicht im Gerichtssaal von Grosseto, sondern am Fernsehen verfolgt. Aber eine kurze Reaktion von ihm kam dann Mittwochnacht doch. Enttäuscht sei er über die Entscheidung der Richter, die ihn 16 Jahre ins Gefängnis schicken wollen, ließ der Ex-Kapitän der Costa Concordia wissen. Vor allem darüber, dass sie ihn auch wegen des frühzeitigen Verlassens des Kreuzfahrtschiffes schuldig gesprochen haben. „Ich werde immer weiter kämpfen, um zu beweisen, dass ich die Costa Concordia nicht im Stich gelassen habe.“

Seine Verteidiger legten umgehend Berufung gegen das Urteil ein. „Es ist eine harte Strafe, die übertrieben hoch ist“, sagte Anwalt Domenico Pepe. Aber wichtig sei, dass Schettino erst einmal nicht ins Gefängnis muss. Das Gericht hatte den Antrag der Staatsanwälte abgelehnt, Schettino wegen Fluchtgefahr in Haft zu nehmen. Der Berufungsprozess gegen ihn wird frühestens in einigen Monaten stattfinden, danach schließt sich noch eine dritte Instanz an. Bis das Urteil rechtsgültig wird, könnte es Jahre dauern. So lange bleibt Schettino ein freier Mann.

Unzufrieden waren viele der fast 380 Nebenkläger und ihrer Anwälte, die Entschädigungen gefordert hatten. „Wir hätten uns mehr Mut von Seiten des Gerichts gewünscht“, sagte etwa der Bürgermeister von Giglio, Sergio Ortelli. Die Touristeninsel, vor deren Hafeneinfahrt das 300 Meter lange Wrack der Costa Concordia zweieinhalb Jahre lang lag, hatte 20 Millionen Euro Ausgleich für Imageschäden gefordert. Das Gericht sprach ihr 300 000 Euro zu. Der Anwalt der Reederei Costa Crociere, die für die Entschädigungen aufkommen muss, fand das Urteil dementsprechend „sehr ausgewogen und gerecht im Interesse aller Beteiligten“.

Einige Opferangehörige kritisierten die Strafe für Schettino als zu niedrig. „16 Jahre für 32 Todesopfer – das ist so gut wie nichts“, sagte Giovanni Girolamo, dessen Sohn Musiker auf der Costa Concordia war und bei dem Unglück ertrank. Auch in der italienischen Presse findet Schettino keine Gnade. „Die traurigste Figur der italienischen Komödie tritt von der Bühne ab“, kommentiert „La Repubblica“. Und der „Messagero“ schreibt, die Tragödie der Costa Concordia und der Kapitän seien zu einer hässlichen Metapher für Italien geworden, die das Land teuer bezahle: „Wie eine lebenslange Strafe“.

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