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Schauspieler verklagen Paramount wegen „Romeo und Julia“-Nacktszene

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Die Filmstars Olivia Hussey und Leonard Whiting verklagen Paramount. Sie sollen minderjährig für „Romeo und Julia“ zu einer Nacktszene gedrängt worden sein.

Los Angeles - Wegen einer vor mehr als 50 Jahren gedrehten Nacktszene haben die Schauspieler Olivia Hussey und Leonard Whiting die Filmproduktionsfirma Paramount Pictures auf Schadenersatz in dreistelliger Millionenhöhe verklagt. Sie werfen Paramount „sexuelle Ausbeutung“ vor, wie aus der im US-Bundesstaat Kalifornien eingereichten Klage hervorgeht. In der 1968 veröffentlichen Fassung von „Romeo und Julia“ des italienischen Regisseurs Franco Zeffirelli wurden Whitings Hintern sowie Husseys Brüste entblößt gezeigt. Die beiden waren damals 15 und 16 Jahre alt.

In der Klage heißt es, der 2019 verstorbene Zeffirelli habe sie zu der Szene überredet und ihnen gesagt, dass der Film ohne diese scheitern würde. Zudem habe der Regisseur zuvor versichert, die Schauspieler würden nicht tatsächlich nackt, sondern mit fleischfarbener Unterwäsche bekleidet sein. 

Die Schauspieler Olivia Hussey und Leonard Whiting küssen sich im Film „Romeo und Julia“ aus dem Jahr 1968 auf dem berühmten Balkon.
Zu sehen als Romeo und Julia: Die jungen Schauspieler Olivia Hussey und Leonard Whiting. © Allstar/Imago

Nacktszene als Minderjährige in „Romeo und Julia“: Hussey und Whiting fordern Schadenersatz

„Was ihnen gesagt wurde und was tatsächlich geschah, sind zwei verschiedene Dinge“, zitiert das US-Magazin Variety Tony Marinozzi, der für die beiden Schauspieler als Manager tätig ist. Und weiter: „Sie vertrauten Franco. Mit 16 Jahren haben sie sich als Schauspieler darauf verlassen, dass er dieses Vertrauen nicht missbrauchen würde. Franco war ihr Freund, und offen gesagt, was sollen sie mit 16 Jahren tun? Es gibt keine Optionen. Es gab kein #MeToo.“

#MeToo

Seit der Enthüllungen der „New York Times“-Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor über die Missbrauchsvorwürfe gegen Filmproduzent Harvey Weinstein berichten Frauen weltweit unter dem Schlagwort #MeToo von eigenen Erfahrungen mit Belästigungen oder sexualisierten Übergriffen. Dank der Debatte, die dadurch angestoßen wurde, habe sich in der Filmbranche etwas getan, findet Regisseurin Maria Schrader, die den Fall Harvey Weinstein verfilmt hat.

Die Beklagten seien „unehrlich“ gewesen und hätten die „nackten oder teilweise nackten Minderjährigen“ heimlich gefilmt, heißt es in der Klage weiter. Die beiden Schauspieler fordern übereinstimmenden Medienberichten zufolge Schadenersatz in Höhe von 500 Millionen US-Dollar. Sie begründen dies damit, dass sie in den fünfeinhalb Jahrzehnten seit der Veröffentlichung des Films seelische Qualen und emotionalen Schmerz erlitten und infolge der Aufnahmen nur begrenzten beruflichen Erfolg gehabt hätten.

Nacktszene in „Romeo und Julia“: Schauspielerin verteidigte sie 2018

Hussey und Whiting waren für ihre Rollen in „Romeo und Julia“ mit dem Golden Globe ausgezeichnet worden. Der Variety gegenüber hatte Hussey die Nacktszene in dem Film zuletzt im Jahr 2018 in einem Interview verteidigt und betont, dass Zeffirelli sie geschmackvoll umgesetzt habe. „Sie war für den Film notwendig“, sagte sie dem Magazin damals.

Die Klage der beiden Schauspieler wurde am letzten Geltungstag einer Regelung eingereicht, die die Verjährungsfristen für Kindesmissbrauch in Kalifornien zeitweise außer Kraft gesetzt hatte. (AFP/ial)

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