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Vulkanausbruch

Vulkanausbruch auf La Palma: Schaulust und Unvernunft

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Nach dem Vulkanausbruch auf La Palma bewegt sich die Lava langsam Richtung Meer. Und weil einfach zu viele Neugierige kommen, die sich das ansehen wollen, muss die Polizei einen Tunnel sperren.

La Palma - Thomas Klaffke macht sich gerade auf den Weg zum Mirador del Time. Das ist ein Ausflugslokal bei La Punta im Westen La Palmas auf etwa 500 Meter Höhe. Von hier hat man einen sehr guten Blick auf den noch namenlosen Vulkan, der am Sonntagnachmittag im Süden der Insel ausbrach, und auf das Meer zu seinen Füßen. „Das ist natürlich wichtig für mich“, sagt Klaffke mit einem Seufzen in der Stimme, „weil ich wissen will, ob mein Haus überhaupt noch steht.“

Klaffke, gebürtig aus Wilhelmshaven, gelernter Konditor, Bäcker und Croupier, kam vor knapp 17 Jahren nach La Palma und verliebte sich in die Insel. „Schockverliebt“ sei er gewesen, sagt er, „die Palmeros sind wunderbare Menschen.“ Vor elf Jahren mietete er sich ein Haus in Puerto de Naos, „eine Ruine“, sagt er, sanierte das Haus mit dem romantischen Blick auf den Atlantik, zog dort selber ein und richtete ein paar Gästezimmer ein. „Tom’s Hütte am Meer“ nennt er seine Unterkunft. Seit Sonntag steht sie leer. Was Klaffke nicht ahnte, als er diesen Inselflecken zu seinem Heim machte: dass sich der Berg in seinem Rücken in einen Vulkan verwandeln würde.

Unaufhaltsam: Ein mehrere hundert Meter breiter Lavastrom wälzt sich bergab über Häuser, Gärten und Swimmingpools.

Wo bricht der Boden auf?

Aus mittlerweile neun Öffnungen ergießt sich seit Sonntagnachmittag Lava Richtung Meer, genau in die Richtung, in der Klaffkes „Hütte“ liegt. Wie eine schwarze Pranke streckt sich die Lava den Berg hinab dem Meer entgegen. Langsam bewegt sie sich abwärts, langsamer als erwartet. Am Montagabend gegen acht sollte sie die Küste erreicht haben. Am Dienstagnachmittag hatte sie das Meer noch immer nicht gefunden. Vom Mirador del Time versucht Klaffke den Weg der Lava auszumachen. Aber es ist zu diesig. Er muss sich in Geduld üben, bis er Gewissheit haben wird. „Man kann ja nichts machen“, sagt er. „Nur: das Beste hoffen – und das Schlimmste befürchten. Anders geht’s nicht.“

Auch der Ätna spuckt

Nach rund drei Wochen Pause ist der Vulkan Ätna auf Sizilien wieder ausgebrochen. Am Dienstag registrierte das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie steigende Aktivitäten im Inneren des Berges, eine Aschewolke stieg 9000 Meter auf. Aus dem Krater der südöstlichen Seite floss etwas Lava.

Der 3357 Meter hohe Vulkan spuckt seit Februar immer wieder Lava und Asche, rund 50 Ausbrüche wurden registriert. Diese sind oft spektakulär zu beobachten, meist aber ungefährlich für umliegende Dörfer und die südlich gelegene Großstadt Catania. (dpa)

Bis zum Montagabend hatte die Lava 166 Gebäude beschädigt oder unter sich begraben. Es gibt beeindruckende Bilder davon, wie sich die zähe Masse ganze Häuser einverleibt: ein ebenso gemächliches wie gefräßiges Urtier. Eine der Siedlungen, durch die sich die Lava ihren Weg Richtung Meer gesucht hat, heißt El Paraíso: das Paradies. Es ist jetzt keines mehr. Zum Glück haben sich die Menschen rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

So wie Thomas Klaffke: Er ist bei Freunden in El Paso untergekommen, ungefähr anderthalb Kilometer Luftlinie vom Vulkan entfernt und etwa auf selber Höhe. „Waagerecht fließt die Lava ja nicht“, sagt Klaffke. Sondern bergab. Dorthin, wo sein Haus steht. Es liegt im Risikogebiet, innerhalb des Risikogebietes allerdings im grünen, nicht im roten oder orangen Bereich. Wahrscheinlich wird die Lava nördlich an seinem Haus vorbeiziehen. Aber gewiss ist an diesem Dienstag gar nichts. Gut möglich, dass sich der Berg noch an weiteren Stellen öffnet und sein Inneres über weitere Flächen verteilt.

Insel auf der Insel: Dieses Haus in der Nähe von Las Manchas wird wohl von der Lava verschont bleiben. Alfonso Escalero/iLoveTheWorld/dpa

Was da geschieht, das wollen sich die Menschen ansehen, die Einheimischen wie die Urlaubsgäste. „So ein Vulkanausbruch ist ja eine Einmaligkeit im ganzen Leben“, sagt Klaffke. Am Montag, berichtet er, seien so viele Menschen aus dem Osten der Insel, vor allem aus dem Hauptort Santa Cruz de La Palma, in den Westen herübergefahren, dass die Polizei schließlich den Tunnel schloss, der Osten und Westen miteinander verbindet. „Das war unglaublich“, sagt Klaffke über die Autokarawanen, die sich die kurvigen Straßen hinaufschlängelten. „Auf der einen Seite kann man das verstehen. Auf der anderen Seite ist das für die Rettungskräfte eine Katastrophe. Ich fand das auch sehr unschön.“ Manche haben die Insel aber auch verlassen: Am Montag brachte eine Fähre gut 350 Urlaubsgäste herüber nach Teneriffa.

Am Dienstagnachmittag ist Thomas Klaffke wieder bei seinen Freunden in El Paso. Was aus seinem Haus unten am Meer werden wird, weiß er noch nicht. Im Moment sieht es so aus, als würde sich die Lavapranke nicht weiter fortbewegen. (Martin Dahms)

Rubriklistenbild: © Europa Press/dpa

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