+
Das Internet gehört auch für Kinder längst zum "natürlichen Lebensraum".

Jugendschutz

Schärfere Regeln, bitte

  • schließen

Eltern wünschen sich mehr Jugendschutz im Netz. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kinderhilfswerks. Bemühungen von Anbietern betrachten sie als unzureichend.

Mobbing, Gewalt oder Pornografie: Ein Großteil der Eltern wünscht sich einer Umfrage zufolge mehr Kinderschutz im Netz. 55 Prozent der Befragten berichten von schlechten Erfahrungen ihrer Kinder im Internet oder von übermäßiger Nutzung. Das hat das Deutsche Kinderhilfswerk in einer Umfrage herausgefunden. Ein Überblick über die wichtigsten Inhalte der Studie.

Welche Gefahren lauern für Kinder und Jugendliche im Netz?

Etwa ein Drittel der Eltern (30 Prozent) gab an, dass ihr Kind mit sogenannten „Challenges“ oder Kettenbriefen konfrontiert worden ist. Den Empfängern wird gedroht, dass schlimme Dinge passieren, sollten sie eine bestimmte Aufgabe nicht erfüllen oder die Nachricht nicht weiterleiten. Einen „übermäßigen Medienkonsum“ ihrer Kinder beklagen 28 Prozent der Eltern.

Etwa 20 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre unter 18-jährigen Kinder bereits Erfahrungen mit „ungeeigneten Inhalten“ wie Pornografie oder Gewalt gemacht haben. Kostenfallen (14 Prozent) oder Mobbing im Internet (11 Prozent) werden seltener genannt. Besonders gravierende Probleme wie sexuelle Belästigung (vier Prozent) oder eine Anleitung zur Selbstverletzung (drei Prozent) kommen dagegen noch seltener vor. Das Deutsche Kinderhilfswerk weist bei diesen Angaben allerdings auf mögliche Dunkelziffern hin.

Wie schätzen die Befragten die Bemühungen der Online-Dienste zum Kinder- und Jugendmedienschutz ein?

Die Bemühungen der Anbieter von Online-Angeboten für den Kinder- und Jugendschutz wurden als unzureichend bewertet. Besonders schlecht haben dabei Messenger-Dienste und Videoplattformen abgeschnitten. Bei sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram sehen sogar nur 18 Prozent ausreichende Bemühungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Was wünschen sich die Eltern?

Die große Mehrheit der Eltern (93 Prozent) fordert härtere Strafen für Anbieter bei Verstößen gegen den Kinder- und Jugendschutz im Internet. Fast alle Befragten (97 Prozent) finden es wichtig, dass Anbieter von Social-Media-Diensten und Videospielen das Alter der Nutzer verlässlich verifizieren. Das bestehende Verfahren zur Prüfung des Alters empfinden hingegen 81 Prozent bei manchen Anbietern als nicht ausreichend. Außerdem wünschen sich die Eltern, dass Social-Media-Plattformen und Online-Anbieter ein „effizientes Melde- und Beschwerdesystem“ einführen.

Welche Pläne hat die Bundesregierung?

Anbieter mit mehr als einer Million Nutzern sollen zu technischen Vorsorgemaßnahmen verpflichtet werden. Dazu gehören unter anderem Plattformen wie TikTok, Instagram, WhatsApp oder Snapchat. Kinder und Jugendliche sollen im Netz besser vor Mobbing, sexueller Belästigung oder auch Kostenfallen geschützt werden.

Welche Maßnahmen fordert das Deutsche Kinderhilfswerk?

Das Kinderhilfswerk fordert schärfere Regeln für in- und ausländische Anbieter und eine Anpassung des Kinder- und Jugendschutzes. „Wir brauchen einen am realen Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen orientierten, ganzheitlichen Kinder- und Jugendmedienschutz. Dieser sollte sich den aktuellen und zukünftigen Phänomenen und Technologien anpassen“, sagte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes Thomas Krüger. Eltern bräuchten ebenso wie ihre Kinder mehr Unterstützung für eine sichere und kompetente Internetnutzung.

Die repräsentative Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Mauss Research im Auftrag des Kinderhilfswerks durchgeführt. Befragt wurden bundesweit 1.003 Erziehungsberechtigte mit mindestens einem minderjährigen Kind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion