+
400 Tonnen Blei sind beim Brand von Notre-Dame geschmolzen.

Kathedrale Notre-Dame

Schädliches Blei?

  • schließen

Die Arbeiten an der von einem Feuer stark beschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame sind ausgesetzt.

Der Vergleich ist gewagt, deshalb zog ihn Jacky Bonnemains wohl auch. Die Kommunikation der Behörden über die hohe Bleiverschmutzung nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame im April sei ähnlich miserabel gewesen wie jene nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986, sagte der Präsident der Umweltschutzorganisation „Robin des Bois“, wie Robin Hood auf französisch heißt. Damals hatte die Regierung versichert, die radioaktiven Wolken hätten an der französischen Grenze Halt gemacht.

Auch nach dem Feuer in Notre-Dame, bei dem rund 400 Tonnen Blei in der Hitze der Flammen schmolz und sich in der Luft verteilte, sei falsch beschwichtigend reagiert worden, so Bonnemains. Sein Verein hat Klage gegen Unbekannt wegen schuldhafter Nachlässigkeit, Gefährdung anderer und unterlassener Hilfeleistung eingereicht: „In drei Monaten fanden wir ausreichend Beweise für die Trägheit der Behörden, um die Justiz einzuschalten.“ Auch das Online-Magazin „Mediapart“ berichtete über starke Bleikonzentration etwa auf Schulhöfen der Hauptstadt und erhob Vorwürfe gegen die Stadt, welche auf eine tiefgehende Reinigung und ausreichende Information der Bürger verzichtet habe. Diese widersprach heftig. „Von Anfang an verheimlichten wir nichts“, sagte die Grünen-Politikerin Anne Souyris, die im Pariser Rathaus für die Gesundheit zuständig ist. Die Blei-Konzentration in den Schulen im Umfeld liegt ihr zufolge unter den vorgeschriebenen Grenzwerten.

Trotzdem steigt die Nervosität. Der zuständige Präfekt ließ die Arbeiten in der Kathedrale bis 12. August aussetzen, nachdem einem Bericht der Arbeitsaufsichtsbehörde die Sicherheitsvorschriften für die Arbeiter dort bislang nicht ausreichend beachtet wurden. Seit Dienstag wird der Vorplatz der Kathedrale einer Säuberung unterzogen, dessen Bleiwerte die erlaubten Normen um ein Vielfaches überschreiten. Von 145 Stadtmitarbeitern, deren Blutwerte untersucht wurden, wies allerdings keiner anormale Ergebnisse auf. Allerdings wurden Anwohner aufgefordert, ihre Wohnungen regelmäßig mit feuchten Lappen zu wischen.

Ein Zusammenschluss aus Gewerkschaften und Vereinen zum Umwelt- und Gesundheitsschutz forderte eine Sicherheitsglocke über dem historischen Monument, um Arbeiter, Polizisten und Anwohner auf der Seine-Insel zu schützen. Vorgeschlagen wird zudem eine präzise Kartographie der Verschmutzung und ein spezialisiertes Zentrum für die Früherkennung und Behandlung von Blei-Belastung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion