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Saures von den Süßen

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Von: Boris Halva

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Crazy, aber friedlich: Wurm-Model Heidi (M.) mit Ehemann Tom (r.) und dessen Bruder Bill auf Klums legendärer Halloween-Party.
Crazy, aber friedlich: Wurm-Model Heidi (M.) mit Ehemann Tom (r.) und dessen Bruder Bill auf Klums legendärer Halloween-Party. © dpa

Der jüngste Halloween-Abend zeigt mal wieder: Manche müssen eben über die Stränge schlagen

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Heidi Klums Gäste haben sich vorbildlich verhalten. Kamen schön verkleidet ins „Moxy Lower East Side“ in New York, wo die 49-Jährige nach zwei Jahren Corona-Pause endlich wieder ihre weltberühmt-berüchtigte Halloween-Sause veranstaltet hat. Ein Fest übrigens, bei dem Heidi Klum höchstselbst immer als die am alleraußergewöhnlichsten verkleidete Person auftritt. Böse Stimmen behaupten zwar, es habe auf den 20 bisher ausgerichteten Partys natürlich immer wieder Gäste gegeben, deren Kostüm das der Gastgeberin an Eleganz, Monstrosität oder Verrückheit weit übertroffen habe, aber diese Fotos hat die Welt noch nicht gesehen, von daher: Gruselwusel, vergessen wir das!

Dieses Jahr also wieder Halloween bei Halloween-Queen Heidi Klum, die bereits im September anfing, den Spekulationsofen vorzuheizen: Damals hatte sie dem „People“-Magazin verraten, dass das diesjährige Kostüm durch den Einsatz von Prothesen schwer werden dürfte und zudem Platzangst bei ihr auslösen könnte.

„Oha!“, schallte es aufgeregt aus dem Instagram-Wald zurück, „was könnte das denn sein?!“ Tja, da muss die Welt bei Halloween-Queen Heidi Klum mit allem rechnen: 2015 hatte sie sich mit ausladenden Po- und Brustprothesen sowie Gesichtspolstern in die kurvige Cartoon-Figur Jessica Rabbit verwandelt; sie erschreckte ihre Fans und Partygäste aber auch schon als Werwölfin, Alien oder mit einer deutlich gealterten Version ihrer selbst.

Die vor der nunmehr 21. Heidi-Klum-Halloween-Sause ins Rollen gebrachte Welle der Neugier schien auch Elon Musk, den reichsten Mann der Welt, erfasst zu haben, denn er stand Montagnacht plötzlich als Römer (hä?) verkleidet auf dem roten Teppich im „Moxy“. Hieß es ein paar Tage zuvor noch, er wolle Halloween in illustrer Runde auf einem „Dracula“-Schloss in Rumänien feiern, kam Musk nun mit seiner Mutter Maye zur Party. Hier und da soll gekichert worden sein, „Elon habe sich wohl alleine nicht getraut“.

Dieses Jahr also: Heidi Klum als Wurm. An der Angel ihres Gatten Tom (33), der – abgesehen von dem gruselig heraushängenden Kunstauge – ein bisschen aussah wie der alte Petterson aus den beliebten Büchern. Zusammen mit Toms Bruder Bill, der sich zu einer Mischung aus Drag Queen und Meerjungfrau aufgebrezelt hatte, trieben sie für den Fotografen noch ein bisschen Schabernack, bevor sie sich ins gespentische Getümmel stürzten und sich an den Edelversionen von Gruselpudding, Blutcocktails und allerlei feinstem Süßsauren zu laben.

Eier, Böller, Schlägereien

Allerhand Getümmel und Süßsaures gab es auch jenseits der Lower East Side von New York – allerdings ging es da meist rustikaler zu, wie ein Blick auf die Polizeimeldungen der Halloween-Nacht zeigt: In Frankreichs Hauptstadt etwa zogen rund 200 Gruselfans die Aufmerksamkeit der Gendarmerie auf sich, nachdem sie am Halloween-Abend unerlaubt in die Katakomben unter Paris eingedrungen waren. In dem Stollengewirr befindet sich unter anderem das Beinhaus mit den Überresten mehrerer Millionen Pariser und Pariserinnen. Wie die Polizei mitteilte, sind in der Nacht zu Dienstag 199 Menschen in den Katakomben entdeckt und mit einem Bußgeld belegt worden.

In Friedrichshafen am Bodensee haben rund 20 Jugendliche den Abend über etliche Anwohner:innen mit Lärm, Eierwürfen und Feuer belästigt und nach Angaben der Polizei terrorisiert. Als die Einsatzkräfte eintrafen, seien auch sie mit Eiern und Steinen beworfen worden, zudem seien eine Matratze und eine Mülltonne angesteckt worden. Die teilweise vermummten Jugendlichen flohen in unterschiedliche Richtungen. Trotzdem habe die Polizei die Personalien einiger Beteiligter feststellen können. Die kleineren Brände wurden von der Feuerwehr gelöscht. Verletzt worden sei niemand.

Auch in Mecklenburg ging’s am Montag monstermäßig rund: Nachdem Jugendliche Eier und Böller gegen Häuser geworfen hatten, ist die Polizei mehrfach im Landkreis Ludwigslust-Parchim eingeschritten. Wie ein Polizeisprecher am Dienstag sagte, zogen in Plate etwa 20 junge Leute durch die Straßen und verliehen ihrer Forderung nach Süßigkeiten mit rohen Eiern und Toilettenpapier an Hausfassaden Nachdruck. Die Polizei nahm Personalien von 14 Kindern und Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren auf und erteilte Platzverbote. Die jungen Leute sollen auch Feuerwerkskörper geworfen haben.

In Rheinland-Pfalz hieß es zu Halloween ebenfalls: Eierwürfe, Böller, Schlägereien! Vor allem in Mainz und Lahnstein war die Polizei häufiger im Einsatz. „Viel zu tun“, fasste ein Sprecher die Situation in Mainz zusammen. Dort wurden die Beamten eigenen Angaben zufolge mehrfach gerufen, weil Halloween-Feiern in Schlägereien vor Gaststätten ausuferten. Es sei aber niemand verletzt worden. Außerdem wurden Häuser und Autos mit Eiern beworfen und Böller abgeschossen.

Monstermäßig rücksichtlos

In Lahnstein zählte die Polizei mindestens drei von Eierwürfen verschmutzte Häuser. Eines davon sei bereits im vorigen Jahr beworfen worden. Um das diesmal zu verhindern, habe der Besitzer sogar eine Tüte Süßigkeiten vor die Tür gestellt und gebeten, nicht zu klingeln, weil er nicht öffnen könne. Ein süßes Angebot – trotzdem flogen wieder Eier.

Insgesamt zog die Polizei ein Fazit, das die Gruselnacht gut zusammenfasst: Einige „Monster“ hätten nicht durch ausgefallene Kostüme, sondern durch „besondere Rücksichtslosigkeit und Schadenfreude auf sich aufmerksam gemacht“. So kommt man im Leben nicht weit. Und auf Heidi Klums legendäre Party schon gar nicht! boris halva

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