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Saporischschja: Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

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Von: Tanja Koch

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Infolge von Beschuss zerstörte Fenster am Atomkraftwerk Saporischschja.
Die Lage am Atomkraftwerk Saporischschja ist ernst. © Dmytro Smolyenko/Imago

In der Ukraine steht das größte Atomkraftwerk Europas: Saporischschja. Wie stark würde uns eine nukleare Katastrophe in dem AKW treffen?

Wien – Die UN-Atomenergiebehörde (IAEA) hat die Situation am von russischen Truppen besetzten Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine als „unhaltbar“ bezeichnet. In einem am Dienstag (6. September) veröffentlichten Bericht zur Lage rund um das größte Atomkraftwerk Europas forderte die IAEA die Einrichtung einer „Sicherheitszone“.

Die „Bombardements der Anlage und der Umgebung“ müssten „unverzüglich eingestellt werden“, um erneute Schäden zu vermeiden, heißt es in dem IAEA-Bericht weiter. Erst am Montag (5. September) war dem staatlichen ukrainischen Betreiber Energoatom zufolge der letzte noch arbeitende Reaktor im AKW Saporischschja vom Netz genommen worden. Grund sei ein durch Angriffe ausgelöstes Feuer, das eine Stromleitung zwischen dem Kraftwerk und dem ukrainischen Stromnetz beschädigt habe.

Saporischschja: So weit ist das AKW von Deutschland entfernt

Die Lage vor Ort wird also kritischer. Und die Kämpfe rund um das AKW schüren die Angst vor einer Nuklearkatastrophe wie 1986 in Tschernobyl. Doch was bedeutet die Situation in Saporischschja für Deutschland? Welche Auswirkungen hätte eine nukleare Katastrophe in Europas größten AKW hierzulande?

Das Kernkraftwerk Saporischschja befindet sich nahe dem Fluss Dnipro auf dem Gebiet der Stadt Enerhodar. Die Entfernung zur nächsten Großstadt, Saporischschja, beträgt 50 Kilometer. Von Deutschland ist das AKW 2265 Kilometer entfernt.

Unfall in AKW Saporischschja: In diesen Fällen würde belastete Luft nach Deutschland gelangen

Florian Gering, Leiter der Abteilung Radiologischer Notfallschutz im Bundesamt für Strahlenschutz, hat in einem Interview mit ZDFheute darüber gesprochen, mit welchen Risiken Deutschland rechnen müsste.

Das Fazit seiner Untersuchung von Worst-Case-Szenarien: Bei einer nuklearen Katastrophe, die den Fällen Fukushima und Tschernobyl gleicht, seien keine Katastrophenschutz-Maßnahmen erforderlich. Es müsse niemand evakuiert werden oder Jodtabletten einnehmen. Allerdings könnte es bei landwirtschaftlichen Produkten zur Kontamination kommen, sodass diese nicht mehr verkauft werden dürften.

Dass kontaminierte Luft nach Deutschland kommt, sei allerdings nur in 17 Prozent der Wetterlagen denkbar. Anderenfalls würde der Wind die radioaktiven Teilchen nach Osten und damit in Richtung Russland tragen. „Das heißt, das Risiko ist relativ gering“, sagte Gering. (tk mit afp)

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