Nach Dammbruch

Sanktionen gegen TÜV Süd

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Das Unternehmen darf in Brasilien nach dem Unglück mit der verheerenden Schlammlawine   keine Prüfungen mehr vornehmen.

Die tödliche Schlammlawine im brasilianischen Brumadinho hat Folgen für den TÜV Süd: Das Prüfunternehmen darf in dem größten Land Südamerikas laut einem Gerichtsurteil bis auf weiteres seine Zertifizierungsgeschäfte im Bereich von Minendämmen nicht mehr ausüben. Bei der Katastrophe im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais kamen im Januar mindestens 238 Menschen ums Leben. Die Ursache war ein Dammbruch an einer Eisenerzmine des Rohstoffkonzerns Vale gewesen, die die brasilianische Tochter der Prüforganisation überwacht hatte.

Laut dem jetzt veröffentlichten Gerichtsurteil wurden zudem Geldmittel der Büros des TÜV Süd Brasilien in Höhe von 60 Millionen Real (rund 13,3 Millionen Euro) eingefroren.

Obwohl die TÜV Süd-Tochter die Sicherheit im September 2018 attestiert hatte, brach der Damm eines Rückhaltebeckens für Schlamm, der bei der Erzgewinnung anfällt. Die Schlammmassen ergossen sich über mehrere Kilometer durch die angrenzenden Täler und begruben Arbeiter unter sich. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Prüfunternehmen von den Sicherheitsmängeln gewusst habe. Diese seien aber nicht klar benannt worden, um die Verträge mit Vale nicht zu gefährden. Angestellte von TÜV und Vale waren im Februar festgenommen worden, wurden aber wieder freigelassen.

Im März warnte der TÜV die brasilianischen Behörden und Vale dann vor möglichen weiteren Katastrophen. Acht weitere Vale-Dämme, ebenfalls in Minas Gerais gelegen, seien „besorgniserregend“, hieß es in einem Schreiben laut „Spiegel“. Ein Damm droht nun tatsächlich zu brechen, wie Vale am Donnerstagabend mitteilte, nämlich an dem 2016 aufgegebenen Eisenerz-Tagebau Gongo Soco in der Nähe der Stadt Barao de Cocais. Etwa 500 gefährdete Anwohner waren bereits im Februar auf Anordnung der Bergbaubehörde umgesiedelt worden.

Die Hilfsorganisation Misereor warnte, offenbar habe der TÜV Süd Brasilien „aus Profitgier seine professionellen Pflichten vernachlässigt und so Menschenleben aufs Spiel gesetzt“. Die Katastrophe werfe grundlegende Fragen bezüglich der Verlässlichkeit von Zertifizierungsprozessen auf, sagte Misereor-Mitarbeiterin Susanne Friess der FR. Zertifizierer seien keine unabhängige Kontrollinstanzen, sondern Wirtschaftsunternehmen, an deren Bewertungen aber Menschenleben hingen. Die Organisation forderte die Bundesregierung auf, im Rahmen des „Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte“ ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das Konzerne, Prüfunternehmen, Banken und Versicherungen auf die Einhaltung hoher Menschenrechts-Standards verpflichtet.

Der TÜV Süd, der seinen Hauptsitz in München hat, teilte auf Anfrage nur mit, man prüfe „derzeit die Entscheidung des Gerichts“, das weitere Vorgehen sei noch offen. Man biete den brasilianischen Behörden aber weiterhin Kooperation an.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass ein TÜV-Mitarbeiter nach der Untersuchung des Dammes große Sicherheitsbedenken geäußert hatte. Trotzdem fiel die Bewertung positiv aus, ergänzt aber mit einer Reihe von Verbesserungsvorschlägen.

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