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Prachtgärten für die Wüste

Saudi-Arabien

Auf Sand gebaut

Nirgendwo auf der Welt fällt so wenig Regen wie in Saudi-Arabien. Trotzdem legt ein deutsche Landschaftsarchitekt ausgerechnet im Wüstenstaat prächtige Gärten an. Wie lange das noch möglich bleibt, ist ungewiss.

Um zu verstehen, was Wasser und grüne Gärten für die Bewohnerinnen und Bewohner von Riad bedeuten, muss man sich nur die saudische Hauptstadt aus der Luft anschauen. Kilometerlange schnurgerade Straßen, rechteckig nebeneinander angeordnete Viertel, alles eingetaucht in ein dunstiges Braun.

Riad, fast acht Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, liegt inmitten der Arabischen Halbinsel, umgeben von trockener Wüste. Im Sommer steigen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad. Regen fällt so selten wie an kaum einem anderen Fleck auf dieser Welt. Und ausgerechnet das ist der Ort, den sich Ulrich Riederer ausgesucht hat, um saftige Prachtgärten zu bauen.

Der 58-Jährige hört gerne klassische Musik, wenn er mit seinem SUV durch Riad fährt, und immer wieder zeigt er auf Parks oder andere grüne Oasen, die er mitentwickelt und errichtet hat. Seit 15 Jahren arbeitet der Landschaftsarchitekt in der saudischen Hauptstadt für die Firma Bödeker mit Hauptsitz in Kloster Lehnin nahe Berlin.

Zu seinen Kunden gehören neben Behörden die Wohlhabendsten dieses wohlhabenden Königreichs: Geschäftsleute, Minister, Prinzen, „Leute, die es sich leisten können“, wie Riederer sagt. Für sie entwirft und baut der gebürtige Schwabe aus Waiblingen Gärten, von denen in Deutschland kaum jemand zu träumen wagen würde.

„Gärten mit bis zu 15 Hektar sind hier nichts“, sagt er. Das sind riesige Grundstücke, so groß, dass mehr als 20 Fußballfelder darauf passen würden. Meistens gehören kleine Seen dazu, manche Eigentümerinnen und Eigentümer halten sogar Wildtiere. Ein solcher Prachtgarten kann umgerechnet zehn Millionen Euro kosten. Oft werden sie nur als Wochenenddomizile genutzt, um Hitze und Staub Riads zu entfliehen.

„„Grün hat hier einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Das ist auch ein Statussymbol“, erzählt Riederer. Die Firma, bei der er Partner ist, ist seit mehr als 40 Jahren in Saudi-Arabien aktiv. Firmengründer Richard Bödeker, ein Mann mit gezwirbeltem Vollbart, kam 1973 nach Riad und war danach an zahlreichen Landschaftsprojekten in der Hauptstadt maßgeblich beteiligt.

Prachtgärten für die Wüste.

Zu den prominentesten gehört das Diplomatenviertel, eine abgeschottete grüne Oase der Ruhe am westlichen Stadtrand. Fast sein ganzes Leben widmete Bödeker der Entwicklung Riads, mit engen Kontakten zum Königshaus. Als „Richard von Arabien“, wie ihn der „Spiegel“ nannte, 2019 starb, benannte das Königreich einen öffentlichen Garten nach ihm.

„Er hatte eine unheimliche Weitsicht und war mit hoch gestellten Persönlichkeiten befreundet“, erzählt Riederer. Der Landschaftsarchitekt studierte einst mit Bödekers Sohn Jens, heute Firmenchef, in Berlin und reiste mit ihm als junger Mann erstmals nach Saudi-Arabien. Er könne hier seine Ideen verwirklichen, sagt er.

„Verrückte Sachen gehen sicher auch woanders. Aber hier geht es einfach besser.“ Etwa einen 30 Meter hohen künstlichen Wasserfall anzulegen. Oder einen Pool in einem See, der so aussieht, als habe er keinen Rand. Und noch einen Unterschied macht Riederer aus: „Die Saudis sind Feuer und Flamme, ihre Begeisterungsfähigkeit ist ungleich größer.“

Doch die Gärten brauchen viel Wasser – in dem von riesigen Wüsten geprägten Königreich ein rares Gut, dessen Verbrauch steigt. Trotz des Baus von teuren und energieintensiven Entsalzungsanlagen werden dafür vor allem Grundwasservorräte angezapft, die sich nicht im selben Maße wieder auffüllen. Der Grundwasserverbrauch sei einer der höchsten weltweit, sagt Dalia Samra-Rohte, Leiterin des Büros der deutschen Außenhandelskammer (AHK) in Riad.

Laut einem Bericht der Weltbank aus dem Jahr 2018 wird mehr als 70 Prozent des Wassers im Königreich aus Quellen entnommen, die nicht nachhaltig sind. Ein Experte der saudischen König-Faisal-Universität warnte schon 2016, die Grundwasservorräte würden innerhalb von 13 Jahren aufgebraucht sein, wie die regierungsnahe „Saudi Gazette“ berichtete.

Auch Riederer räumt ein, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit in Saudi-Arabien noch „deutlich ausbaufähig“ sei, auch wenn sich Firmengründer Bödeker dafür einsetzte, gebrauchtes Wasser wieder aufzubereiten. Er selbst versuche seinen Kundinnen und Kunden zum Beispiel Palmen auszureden, denn ausgerechnet die bräuchten besonders viel Wasser.

Generell will Riederer in dem Land, das vor allem vom Ölexport lebt, aber eine Entwicklung zu mehr Umweltbewusstsein sehen. „Es verbessert sich, die sind auf dem Weg.“ Das bescheinigt auch AHK-Vertreterin Samra-Rohte dem Königreich: „Saudi-Arabien hat den Handlungsbedarf erkannt.“ Doch ein Mentalitätswandel dauert auch auf der Arabischen Halbinsel lange. (dpa)

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