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Partystimmung an der Copacabana in Rio de Janeiro.
Partystimmung an der Copacabana in Rio de Janeiro. © MAURO PIMENTEL (AFP)

Gefeiert wurde auf der ganzen Welt, geböllert längst nicht überall - so waren die Silvesterpartys von Berlin bis Rio de Janeiro.

Und plötzlich war 2018: Millionen Menschen weltweit sind mit fröhlichen Silvesterpartys und knallbuntem Feuerwerk ins neue Jahr gestartet.

Bei der größten Silvesterparty Deutschlands am Brandenburger Tor in Berlin feierten mehrere Hunderttausend. Stars wie Oli P. und Conchita unterhielten die Besucher. Um punkt 0 Uhr erleuchtete ein riesiges Feuerwerk den Nachthimmel. In Hamburg feierten viele Menschen rund um die Landungsbrücken und den Jungfernsteig, die Feuerwehr zählte in der Hansestadt Zehntausende.

Allzu dick anziehen mussten sich die Feiernden draußen nicht: An vielen Orten war es zum Jahreswechsel fast schon frühlingshaft. Am Silvesternachmittag wurde im badischen Rheinfelden mit 16,1 Grad am Rekord gekratzt. Wärmer war es an Silvester zuletzt 1961.

Auf der Domplatte in Köln herrschte vor einer Konzertbühne der Polizei zufolge eine entspannte Atmosphäre. Beim Jahreswechsel vor zwei Jahren waren am Kölner Hauptbahnhof viele Frauen sexuell bedrängt und beraubt worden, die Vorkommnisse machten weltweit Schlagzeilen. Diesmal gab es in Nordrhein-Westfalen laut Polizei kaum Probleme mit großen Gruppen junger Männer.

Und noch eine schöne Nachricht: Als eines der ersten Babys des neuen Jahres kam der kleine Alvin Karl in Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern zur Welt. Sieben Minuten nach Mitternacht wurde der 3950 Gramm schwere und 54 Zentimeter große Junge geboren, wie die Hebamme mitteilte. Die 36-jährige Mutter und ihr Sohn seien beide gesund und wohlauf.

Schon Stunden vor den Feiern in Deutschland hatte das Jahr 2018 in vielen Teilen der Welt bereits begonnen. Zuerst war es im Pazifik um 11 Uhr MEZ so weit, später begrüßte Australien mit einem spektakulären Feuerwerk in Regenbogenfarben in der Millionenmetropole Sydney das neue Jahr 2018.

Die wohl bekannteste Silvesterparty der Welt findet allerdings in New York statt: Mit Feuerwerk, 1360 Kilogramm Konfetti und 25 000 Luftballons haben rund zwei Millionen Menschen am Times Square das neue Jahr begrüßt. Einheimische und Touristen aus aller Welt trotzten der eisigen Kälte von minus 12,7 Grad Celsius und lauschten den Klängen von Stars wie Mariah Carey, Neil Diamond, Nick Jonas und Camila Cabello. Zuvor mussten sie wie in vielen anderen Städten scharfe Sicherheitskontrollen passieren.

Als Reaktion auf die jüngsten Anschläge in den USA waren mehr als 20 Straßen gesperrt. Barrikaden und mit Sand gefüllte Lastwagen wurden postiert, Sprengstoffspürhunde und mehr Polizisten als sonst waren im Einsatz. Außerdem wurden erstmals Polizisten in Hotels und Restaurants postiert, nachdem ein Mann im Oktober in Las Vegas aus seinem Hotelzimmer heraus in die Zuschauermenge eines Konzerts gefeuert und 58 Menschen getötet sowie fast 500 weitere verletzt hatte.

Auch in Paris standen die Feierlichkeiten wie schon in den Vorjahren unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Um auf die großen Feiern auf den Champs-Élysées zu kommen, mussten Besucher ihre Taschen vorzeigen und sich abtasten lassen, querstehende Fahrzeuge und Betonpöller versperrten die Zufahrten. Innerhalb des Sicherheitsbereichs und um die an den Champs-Élysées wurde mit einem Feuerwerk ins neue Jahr gefeiert. Am Triumphbogen am Ende der Prachtstraße stieg allerdings ein eher kurzes Pyrotechnik-Spektakel in den Himmel. Ansonsten sind Raketen und Böller in der französischen Hauptstadt an Silvester verboten. Auf Bildern des Fernsehsenders BFMTV war eine dichte Menschenmenge auf den Champs-Élysées zu sehen – es waren mehrere Hunderttausend Menschen erwartet worden.

Auch in Italien hatten viele Städte und Kommunen aus Sicherheitsgründen Feuerwerkskörper von öffentlichen Silvesterveranstaltungen verbannt. Hintergrund war unter anderem ein Unglück im Juni in Turin, als vermutlich ein Böller bei einer Fußballübertragung auf einem Platz eine Massenpanik auslöste.

Damals starb ein Mensch, rund 1 500 wurden verletzt. In Rom hatte Bürgermeisterin Virginia Raggi ein 48-stündiges Böller- und Feuerwerksverbot verhängt und dafür den Schutz historischer Gebäude sowie der Gesundheit von Mensch und Tier und der Umwelt geltend gemacht. Übertretern drohten Geldbußen von 25 bis 500 Euro. Das Verbot blieb aber weithin unbeachtet. Auf einem Parkplatz beim römischen Flughafen Fiumicino etwa gerieten in der Nacht mehrere Fahrzeuge in Brand. Als mögliche Ursache gilt auch hier ein Silvesterfeuerwerk. 13 Wagen sollen laut Medienberichten beschädigt worden sein.

Mit einem riesigen, die ganze Copacabana-Bucht erleuchtenden Feuerwerk hatte auch Rio de Janeiro unter dem Motto „Abraço“ – „Umarmung“ – das neue Jahr 2018 begrüßt. Rund zwei Millionen Menschen feierten das Lichtspektakel. Viele bevölkerten traditionell ganz in weiß den berühmten Stadtstrand, um das exakt 17 Minuten dauernde Feuerwerk zu bestaunen. Dieses wurde von elf Booten in der Atlantikbucht vom Meer aus abgefeuert. Rund 25 Tonnen Feuerwerk wurden dabei synchron in den Himmel geschossen.

Neben dem Karneval ist Silvester die größte Touristenattraktion. Das Feuerwerk kostete rund 25 Millionen Reals (6,3 Millionen Euro). Gemäß des afro-amerikanischen Candomblé-Kults warfen viele Menschen zum Jahreswechsel Blumen in das Meer an der Copacabana, um der Meeresgöttin Iemanjá zu huldigen. Auf Bühnen heizten Musiker den Leuten ein. Über deutlich weniger Entertainment konnten sich Feierwütige in der Antarktis freuen. Dafür erlebten einige Wissenschaftler hier den wohl ungewöhnlichsten Jahreswechsel. 

Die etwa 50 Männer und Frauen in der Polarforschungsstation Neumayer III haben im Keller gegrillt, auf Bierbänken in der Werkstatt gespeist und das neue Jahr auf dem Dach begrüßt – natürlich ohne Feuerwerk. „Das ist verboten. Es wäre auch unnötig gewesen, weil es hier zurzeit immer taghell ist“, sagte Daniel Schubert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen. Gemeinsam mit drei Kollegen ist er seit Weihnachten für ein Forschungsprojekt in der Antarktis unterwegs, wo zurzeit mit Temperaturen um minus zwei Grad sozusagen Hochsommer ist.

An der Forschungsstation soll ein Gewächshaus entstehen, in dem Gemüse und Kräuter ohne Erde und Tageslicht gedeihen. Das Projekt gilt als Testlauf für bemannte Missionen auf Mond und Mars. Zurzeit warten die DLR-Experten aber noch auf das Gewächshaus, das ein südafrikanisches Forschungsschiff bereits Weihnachten abliefern sollte. Dieses habe zurzeit Probleme, an der eigenen Forschungsstation anzulegen, wo es zuerst stoppen sollte, sagte Schubert am Montag am Telefon. Er erwartet das aus zwei Containern bestehende Gewächshaus nun frühestens Mitte der Woche. Dann kommt eine Menge Arbeit auf ihn und seine Kollegen zu. Ein Kran wird die beiden Container auf der Eiskante auf einen großen Schlitten setzen. „Diesen ziehen wir dann zur Station“, sagte Schubert. Also haben sich die Damen und Herren im ewigen Eis eine kleine Silvesterparty vorweg durchaus verdient.    (dpa/afp/kna) 

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