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Cannabis, hier in der nicht "Light"-Variante.

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In Italien wird der „Easy Joint“ verboten

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Italiens Oberster Gerichtshof erklärt den Verkauf von „Cannabis Light“ für illegal. Matteo Salvini und die Mafia jubeln.

Vor allem in Großstädten wie Rom, Mailand, Bologna oder Turin sind sie in den vergangenen zwei Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen: Läden, die grüne Hanfblätter im Logo tragen und Namen wie „Easy Joint“, „Hemporia“ oder „Joint Grow“. Etwa tausend gibt es inzwischen in ganz Italien. Sie verkaufen Cannabis-Blüten, gemeinhin als Marihuana bekannt, und andere Produkte der Hanfpflanze.

Beruhigende Kekse werden zum Teufelszeug verklärt

Allerdings handelt es sich nicht um Drogen, sondern um „Cannabis Light“. Es hat keine berauschende, sondern eine beruhigende Wirkung, weil der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) nicht höher als 0,5 Prozent sein darf. 1500 Firmen haben sich in Italien auf die Herstellung und den Verkauf von „Cannabis Light“ spezialisiert – in Form von Blüten, Ölen, Tees, Keksen, selbst als Schokolade. Allein 2018 machte der Geschäftszweig einen Umsatz von 150 Millionen Euro.

Damit ist jetzt wohl Schluss. Das Kassationsgericht, der oberste Gerichtshof Italiens, hat am Donnerstag entschieden, dass der Verkauf von „Cannabis Light“ illegal ist. Wer die Produkte anbietet, macht sich strafbar – außer es ist nachweisbar, dass sie keine Droge sind. Das aber erfordert aufwendige Einzelprüfungen. Das Gericht ebnet damit den Weg für strikte Kontrollen und sogar Geschäftsschließungen, falls der THC-Gehalt der Produkte, wie es häufiger vorkommt, leicht über der Grenze liegt.

Genau das fordert der rechte Innenminister und Vize-Premier Matteo Salvini schon seit Monaten. Für ihn sind die Cannabis-Light-Shops Dealer, die die Italiener zum Drogenkonsum verleiten. „Ich lasse diese Läden alle einzeln kontrollieren und einen nach dem anderen schließen“, hatte er gedroht. Nach der Gerichtsentscheidung könnten nun bis zu 15 000 Beschäftigte der Branche ihren Job verlieren, darunter tausende Existenzgründer.

Auslöser des Cannabis-Light-Booms in Italien war ein Gesetz von 2016, das den industriellen Anbau von Hanf regelte. Die Pflanze darf mit einem THC-Gehalt unter 0,6 Prozent kultiviert werden, um Lebensmittel, Kosmetik, Kleidung, Seile und Baumaterialien herzustellen.

Zwei Aktivisten aus Parma, die für die Legalisierung des Marihuana-Rauchens kämpfen, entdeckten damals die Lücke: Das Gesetz sagt nichts über die Verwendung der Blüten. Die beiden waren die Ersten, die Cannabis-Light-Produkte online unter dem Namen „Easy Joint“ verkauften, die Pioniere des Booms. Nun befand das Gericht: Gerade weil das Gesetz nichts über die Blüten sagt, dürfen sie nicht verkauft werden.

Volle Bierkrüge werden als gutes Entertainment bejubelt

Die Anbaufläche von Cannabis hat sich in den vergangenen fünf Jahren in Italien laut Agrarverband Coldiretti verzehnfacht, auf rund 4000 Hektar. 2000 Landwirte haben in diesem Bereich investiert und die alte Tradition von Hanf als Nutzpflanze wiederbelebt. Denn bis in die 1940er Jahre war Italien dem Agrarverband zufolge der zweitgrößte Hanf-Produzent weltweit nach der Sowjetunion.

Dann leiteten synthetische Fasern, aber auch die Kriminalisierung der Pflanze den Niedergang ein. 1961 habe die damalige italienische Regierung eine internationale Konvention unterzeichnet, die vorsah, im Kampf gegen Drogen die Hanfpflanze innerhalb von 25 Jahren auszurotten. Doch schon lange ist ihr Nutzen weltweit neu entdeckt worden. Um den Anbau nicht zu gefährden, müsse sich jetzt das italienische Parlament mit der Gesetzeslage befassen, forderte der Agrarverband am Freitag.

Der Gründer von „Easy Joint“, Luca Marola, warnt, mit dem Verbot überlasse man der Mafia einen weiteren lukrativen Geschäftszweig. Besser wäre es, Marihuana generell zu legalisieren. Salvini lehnt das strikt ab: „Wenn wir etwas legalisieren, dann lieber die Prostitution“, sagt der Minister. Nach der Gerichtsentscheidung ließ er wissen, er und seine Lega seien für gesunde Unterhaltung. „Wir sind gegen jede Art von Droge, ohne Wenn und Aber.“ Für Alkohol gilt das wohl nicht. Auf Facebook veröffentlicht Salvini gerne Fotos, die ihn mit einem Glas Rotwein oder einem vollen Bierkrug zeigen.

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