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Brigitte Bardot 1977 bei einer Katzenmesse in Saint-Tropez.
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Brigitte Bardot 1977 bei einer Katzenmesse in Saint-Tropez.

Brigitte Bardot ist 80

Sie sagt doch nur, was sie denkt

  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
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Brigitte Bardot ist zeit ihres Lebens angeeckt. Das erzkonservative Elternhaus war über die Rolle der Tochter als Sexsymbol entsetzt. Die Feministin Simone de Beauvoir feierte Bardot als Heldin der „weiblichen Revolution“. Ein Porträt zum 80. Geburtstag.

So etwas kann man nicht lernen. Das muss einem gegeben sein. So selbstvergessen auf dem Tisch zu tanzen, den eigenen Körper liebkosend fremde Lust zu schüren, dämonisch und engelhaft zugleich – das ist Eingebung. Sie selbst sieht das genauso. Nicht nur in dieser Szene aus Roger Vadims „Und immer lockt das Weib“, in ihrem ganzen Leben, versichert Brigitte Bardot, habe sie gar nicht anders gekonnt. Es sei wie ein Sog gewesen. „Eine Strömung hat mich erfasst, der ich nichts entgegenzusetzen hatte, die mein Leben umkippte, alles fortriss, meine Kindheit, meine Erziehung.“ Das Ergebnis war Natürlichkeit pur, Sinnlichkeit pur, alles pur.

Fortan ein Sexsymbol

„Und immer lockt das Weib“ war 1956 für die damals 22-Jährige der Durchbruch gewesen. Die Tochter aus großbürgerlichem Hause galt zum Entsetzen der erzkonservativen Eltern fortan als Sexsymbol. Rund um den Globus flogen ihr die Herzen zu. Zu ihren Liebhabern sollten die Sänger Sacha Distel, Gilbert Bécaud oder Serge Gainsbourg zählen, zu ihren Ehemännern der Regisseur Vadim oder der Milliardär Gunter Sachs.

Auch Charles de Gaulle war hin und weg. Zum Präsidenten gewählt, lud der General die Schauspielerin gegen den Willen seiner Gattin zum Gala-Diner in den Elysée-Palast, kürte BB 1970 zur Marianne, der die Republik verkörpernden Schönen. Rund 8000 Bürgermeister schmückten ihre Amtsstuben mit Bardot-Büsten. Die Männer lagen ihr zu Füßen, die Frauen eiferten ihr nach. Nicht nur äußerlich wollten sie ihr gleichen. In überkommenen Rollenbildern steckend, hoben sie Bardot als Vorkämpferin für sexuelle Selbstbestimmung und Freiheit auf den Schild. Die Feministin Simone de Beauvoir feierte Bardot als Heldin der „weiblichen Revolution“.

Ob die kürzlich vor den Vereinten Nationen in New York für Gleichberechtigung streitende Filmschauspielerin Emma Watson die Französin schätzt, sie als Wegbereiterin des Feminismus in Ehren hält? Wohl eher nicht. Denn was sich aus Bardots tiefstem Innern Bahn bricht, ungefiltert, unkontrolliert nach außen dringt, hat ja nicht nur das brave Bürgertum der fünfziger und sechziger Jahre verstört. Es irritiert noch heute. Nur dass die Protagonistin jetzt, da die sexuelle Revolution die Prüderie von einst hinweggefegt hat, anderswo aneckt.

Sie hat sich zum Front National bekannt, dessen Chefin, Marine Le Pen, als „Einzige, die Frankreich retten kann“ gewürdigt, Abneigung gegenüber Homosexuellen, Muslimen und Einwanderern bekundet. Selbst Freunde und Bekannte wenden sich mit Grausen ab. Die Vereinsamte ficht das nicht an. Seit sie sich mit 39 Jahren von der Leinwand verabschiedet und mit der Bardot-typischen Bedingungslosigkeit dem Tierschutz zugewendet hat, scheint ihr die Meinung ihrer Mitmenschen gänzlich gleichgültig zu sein.

Keine Lust auf Großmutterrollen

Die Geschmähten wehren sich, erstatten Strafanzeige, erheben Schadensersatzklage. Zu den vor Gericht Ziehenden zählt der beim Vater aufgewachsene Sohn Nicolas. Die Mutter, die ihn nicht haben wollte, hat öffentlich gestanden, die Schwangerschaft „wie einen Tumor“ erlebt zu haben. Bardot hat den wegen „Verletzung der Privatsphäre“ angestrengten Prozess verloren wie so viele andere auch. Die Frau, der einst die Welt zu Füßen lag, ist Niederlagen gewohnt. Vier kaputte Ehen, drei Selbstmordversuche – auch das ist Brigitte Bardot. Der Wechsel von der Schauspielkunst zum Tierschutz hatte ihr ebenfalls eine Niederlage eingetragen, eine besonders schmerzliche. Nach 48 Filmen überkam Bardot das Gefühl, auf der Leinwand nicht mehr darstellen zu können, was sie dort stets verkörpert hatte: jugendliches Ungestüm, verführerische Schönheit. Auf Großmutterrollen hatte sie keine Lust.

Ein Film über das Abschlachten kanadischer Robbenbabys wies der Lebenssinn Suchenden den Weg. Doch das Publikum spielte nicht mit. Niemand nahm sie Ernst in der neuen Rolle ihres Lebens. Erst als sie ihr Vermögen veräußerte, es ihrer Tierschutz-Stiftung vermachte, brandete Applaus auf.

Seitdem gilt die das Scheinwerferlicht Gewohnte als menschenscheu. Wenn sie am Sonntag in ihrer Villa in Saint-Tropez 80. Geburtstag feiert, zählen ein Schimmel, eine schwarz-weiß gefleckte Katze und ein Esel zu den wenigen Geladenen. Nach zehn Jahren ohne Fernsehauftritt hat sie kürzlich immerhin Laurent Delahousse die Tür geöffnet. Der „France-2“-Reporter hat mit der alten Dame behutsam die Stationen ihres Lebens abgeschritten. So bewegt es war, eine Konstante gab es schon auch. Bardot selbst hat sie im Lauf des Gesprächs freigelegt. „Zumindest habe ich immer gesagt, was ich denke“, hat sie festgestellt. Glückwunsch!

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