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RWE betreibt laut Experten Desinformation – und stellt menschengemachten Klimawandel infrage

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Von: Teresa Toth

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In Lützerath demonstrieren Menschen gegen die geplante Abbaggerung von Braunkohle durch RWE.
In Lützerath demonstrieren Menschen gegen die geplante Abbaggerung von Braunkohle durch RWE. © Oliver Berg/dpa

RWE macht einen Großteil seiner Profite mit der Produktion von Energie, die zum Ausstoß enormer Menge von Treibhausgasen führt – und verschleiert aktiv Fakten.

Essen/Frankfurt – Klimaaktivist:innen demonstrieren seit Wochen in Lützerath im Rheinland gegen die geplante Abbaggerung von Braunkohle. Der Energiekonzern RWE behauptet, Deutschland brauche die Braunkohle, um die Versorgungssicherheit mit Energie zu gewährleisten – und verschleiert Fakten, die eindeutig das Gegenteil beweisen.

RWE gehört zu den 100 Unternehmen, die in ihrer Geschichte am stärksten zu den CO2-Emissionen der Menschheit beigetragen haben. Mit den Braunkohlekraftwerken Neurath und Niederaußem betreibt es zwei der drei größten Braunkohlekraftwerke Europas. RWE ist damit der größte Kohlendioxidproduzent Europas und werde in den nächsten Jahren allein mit Kohle etwa eine halbe Milliarde Euro pro Jahr verdienen, wie Fachleute gegenüber tagesschau schätzen.

Energiekonzern RWE: Braunkohle würde diesen Winter benötigt werden

Forscher der Europa-Universität Flensburg, der Technischen Universität Berlin und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) befassten sich in einer Kurzstudie von August 2022 mit der Frage, inwiefern eine mögliche Gasknappheit Auswirkungen auf den maximal anzunehmenden Kohlebedarf hat. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die bisherigen Abbaugebiete genügen. „Es gibt daher weder eine energiewirtschaftliche Notwendigkeit noch eine klimapolitische Rechtfertigung für die Inanspruchnahme noch bewohnter Dörfer am Tagebau Garzweiler II inklusive Lützerath“, so die Expert:innen.

Der RWE widerspricht dem jedoch vehement: „Die Kohle unter Lützerath wird diesen Winter benötigt“, so RWE-Pressesprecher Guido Steffen im Deutschlandfunk. „Der konventionelle Energieträger Braunkohle sichert die Stromversorgung an wind- und sonnenarmen Tagen“, behauptet der Konzern weiter auf seiner Website.

RWE: Stellt menschengemachten Klimawandel in Frage

Dabei verschleiert der Konzern, dass Kohlestrom zunehmend unrentabel wird. „Erneuerbare Energien sind der Kohle auf der ganzen Welt überlegen. Die geplanten Investitionen in die Kohlekraftwerke laufen Gefahr in den Sand gesetzt zu werden, zu ‚stranded assets‘ zu werden“, warnt Matthew Gray in einer Analyse der Londoner Denkfabrik Carbon Tracker. „Investoren sollen sich davor hüten, sich auf eine fortgesetzte Unterstützung der Regierungen für Kohle verlassen“, ergänzt Mitautorin Sriya Sundaresan.

Doch als wäre das nicht genug, zweifelt das Unternehmen immer wieder den menschengemachten Klimawandel an. „Ob es Klimaveränderungen geben wird, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, Kausalzusammenhänge zwischen den einzelnen menschlichen Einflussnahmen auf die Umwelt und Klimaphänomene sind offen“, heißt es in einer Gerichtsakte der Rechtsvertretung von RWE aus dem Jahr 2006.

RWE übt finanziellen und inhaltlichen Einfluss auf wichtige Klimastudien

Immer wieder beteiligen sich solche Unternehmen an Klimastudien. Wie Lobbycontrol berichtet, gehört RWE neben einigen weiteren Energiekonzernen zu den Partnern der DENA-Leitstudie – eine Schlüsselstudie zum Umbau der Wirtschaft hin zur CO₂-Neutralität –, die nicht nur etwa 80 Prozent der Finanzierung tragen, sondern auch maßgeblichen Einfluss auf den Inhalt der Studie und damit auch auf künftige Klimapolitik haben.

Es werden jedoch zunehmend Stimmen laut, die Klimagerechtigkeit fordern. Laut einem Bericht von Spiegel kommt auf den Konzern in den kommenden Monaten eine Verhandlung zu, nachdem ein peruanischer Bauer geklagt hatte. Er befürchtet, dass ein Gletschersee, der aufgrund der Erwärmung ständig größer wird, eines Tages sein Haus und sein Land überschwemmen wird. Weil der RWE „für 0,47 Prozent des globalen Klimawandels verantwortlich ist“, wie die Anwältin des Peruaners der Zeit sagte, soll das Unternehmen die Gegenmaßnahmen zahlen. Und auch der Protest in Lützerath zeigt: Der Konzern kommt mit seinen Lügen und Verschleierungen nicht mehr so einfach davon. (tt)

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