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Russlands scheußlichste Schultoilette? Viele Schuldirektor:innen distanzierten sich von dem Wettbewerb.
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Russlands scheußlichste Schultoilette? Viele Schuldirektor:innen distanzierten sich von dem Wettbewerb.

Russland

Russland wählt dreckigste Schultoiletten

  • Stefan Scholl
    VonStefan Scholl
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In Russland erhitzt die Wahl der scheußlichsten Schultoiletten die Gemüter. Doch eine gute Platzierung wird belohnt.

Die Kabinentür fehlt, die Wandfliesen sind braun und weiß, der Putz bröckelt. Unklar, ob die braunschwarzen Flecken auf der Keramik des Hock-Klos Kotreste oder jahrzehntealter Kalkstein sind. Klar ist: Die „Allgemeinbildende Mittelschule Nr. 1“ der Provinzstadt Gus-Chrustalny hat beim Domestos-Wettbewerb des Konzerns Unilever in Russland den ersten Platz belegt – als russische Schule mit den scheußlichsten Toiletten.

Dabei war das Foto aus Gus-Chrustalny keineswegs das hässlichste der 149 Teilnehmenden des Wettbewerbs. Anderswo fehlen Seitenwände oder Wandfliesen, starrt viel mehr Schmutz. Aber Gus-Chrustalny sammelte die meisten Likes: 1232. Als Preis wird Unilever die Schultoiletten renovieren, ebenso die der Lehranstalten auf den nächsten fünf Plätzen. Die übrigen Schulen erhalten Reinigungsmittel für ein Jahr.

Gus-Chrustalny siegte auch, weil die Schulleitung Eltern und Schüler:innen zu Likes animiert hatte. „Alle Wettbewerbe zum Wohl der Schule sind eine gute Sache“, sagte Direktorin Valentina Boltunowa dem Portal „MBCh Media“. „Wir gewinnen auch Präsidialstipendien.“ Manchmal reichten die Mittel eben nicht für Renovierungen im europäischen Stil.

Andere Direktorinnen distanzierten sich entschieden von dem Scheußlichkeitswettbewerb. „Das ist ein Fake!“ schrieb Tamara Poljakowa, Leiterin der Schule Nr. 4 der wohlhabenden sibirischen Gasförderstadt Gubkinski in „Vkontakte“. Jemand habe ein Foto aus einer ukrainischen Schule veröffentlicht. „Wir haben neue Gebäude, saubere, geräumige Toiletten.“ Die Stadtverwaltung von Wolgograd dementierte gegenüber „prawda.ru“ die Teilnahme ihrer Schulen, man repariere die Toiletten in den Sommerferien selbst.

Aber auch die stramm-patriotische Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ stellt die nationale Authentizität der Wettbewerbsfotos nicht in Frage, unterstellt aber Schüler:innen, die viele Wettbewerbsfotos lieferten, fehlenden Drang zur Schönheit: „Je schlimmer, desto besser: frische Kloschüsseln und Marmor interessieren niemanden.“ Dagegen erklären Kommentator:innen in sozialen Netzen, sie hätten viel üblere Schulklos gesehen.

Tatsächlich mangelt es auf dem Wettbewerbsportal an Fotos jener hölzernen Plumpsklos, die in vielen Dorfschulen Alltag sind. Laut der „Nowaja Gaseta“ gibt es in 2500 Schulen des Landes kein fließendes Wasser. Sogar die Vorsitzende des Föderationsrates, Valentina Matwijenko, sprach von „einer Schande für den russischen Staat“. Der aber knausert, schloss von 2001 bis 2019 28 000 von 69 000 Schulen. Fast zwei Millionen Schüler:innen müssen im Schichtunterricht lernen, nachmittags oder abends.

Wladimir Putin ließ 2020 die Kinder als „wichtigste Priorität der staatlichen Politik“ in die Verfassung schreiben. Viele Eltern aber klagen, ihrem Nachwuchs werde schon auf der Schultoilette das Gegenteil demonstriert. „Bei uns“, sagt eine Mutter aus der Region Nischegorodsk, „ist das Loch im Boden die Nationalidee.“

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