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Ein Insasse in einem russischen Gefängnis (Symbolbild).

Bei Urteilsverkündung

Russland: Mann erschießt sich in Moskauer Gerichtssaal

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In Russland wird ein Ex-Staatsbeamter wegen Erpressung verurteilt. Trotz hoher Sicherheitsauflagen nimmt er sich bei der Urteilsverkündung mit einer Pistole das Leben.

  • In Russland sind die Sicherheitsvorkehrungen in Gerichten eigentlich extrem hoch
  • Der Verurteilte soll von einem Kollegen zehn Millionen Rubel erpresst haben
  • Menschenrechtler beklagen immer wieder willkürliche Urteile der russischen Justiz

Moskau - In einem Gerichtssaal in Moskau hat sich ein früherer russischer Staatsbeamter vor den Augen des Richters bei der Urteilsverkündung erschossen. Das bestätigte die Sprecherin eines Moskauer Stadtbezirksgerichts, Uljana Solopowa, am Mittwoch der Agentur Interfax. Demnach ereignete sich der Vorfall im Moskauer Tschertanowski-Gericht im Süden der russischen Hauptstadt.

Der frühere Mitarbeiter des Strafvollzugs soll von einem Kollegen zehn Millionen Rubel (rund 144.000 Euro) erpresst haben. Er wurde dafür zu drei Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt. Nach Darstellung des Gerichts muss nun geklärt werden, wie der Mann eine Waffe in den Saal bringen konnte. Kriminalisten nahmen die Arbeit auf. 

Russland: Ex-Staatsbeamter beteuerte bis zuletzt seine Unschuld

Die Sicherheitsvorkehrungen in russischen Gerichten sind eigentlich extrem hoch - mit Metalldetektoren und uniformierten Sicherheitskräften. Eine Sprecherin des Moskauer Gerichts geht der russischen Nachrichtenseite zufolge davon aus, dass der Angeklagte die Waffe selbst mit in den Saal brachte.

Der Ex-Staatsbeamte war nach Darstellung seines Anwalts Grigori Iwanischtschew wegen einer schweren Krebserkrankung unter strengen Auflagen auf freiem Fuß. Er hatte demnach auch bis zum Schluss seine Unschuld beteuert. 

Russland: Strafvollzug steht im Ruf, korrupt zu sein

Der Mann beklagte, dass das Gericht entlastende Beweise, darunter Tonmitschnitte, nicht berücksichtigt habe. Menschenrechtler beklagen immer wieder willkürliche Urteile der russischen Justiz sowie die Käuflichkeit von Richtern. Der ehemalige Leiter des Fuhrparks des russischen Strafvollzugs soll vor einigen Jahren den stellvertretenden Chef der Behörde erpresst haben. Die Hintergründe waren unklar. 

Der Gefängnisdienst in Russland steht - wie andere staatliche Stellen auch - im Ruf, korrupt zu sein. Der Anwalt des Angeklagten sagte auch, dass sein Mandant nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl (Ukraine) 1986 zu jenen Helfern gehört habe, die damals für die Beseitigung der Schäden abgeordnet wurden. Demnach erschoss sich der Mann mit einer Pistole, die er als Auszeichnung für vorbildliche Leistungen im Dienst erhalten hatte. (mit dpa)

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