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Russland: Statt Coca-Cola gibt es in Moskau künftig nur noch CoolCola

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Von: Julius Fastnacht

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Diverse westliche Großkonzerne ziehen sich aus dem Russland-Geschäft zurück – um Jobs zu retten, reagiert die russische Industrie mit großer Kreativität.

Moskau – Der Sommer steht an – sogar in Moskau, möchte man dieser Tage fast denken. Doch Russ:innen, die sich mit einem Kaltgetränk der Coca-Cola Company erfrischen wollen, stehen vor einem Problem. Zusammen mit weiteren Großkonzernen verkündete das Unternehmen als Reaktion auf die Invasion der Ukraine seinen Rückzug aus dem Russland-Geschäft. Der Preis für eine Original-Flasche des Brause-Produkts schoss daraufhin in astronomische Höhen.

Anscheinend tüfteln russische Firmen allerdings auf Hochtouren daran, die entstandene Marktlücke zu füllen. Zuletzt präsentierte etwa der Getränkehersteller Ochakowo eine neue Softdrink-Reihe, dessen Design erstaunliche Ähnlichkeiten zu altbekannten US-Ladenhütern aufweist. Statt Cola, Fanta, Sprite, dürfen Russ:innen sich künftig auf CoolCola, Fancy und Street freuen.

Eine kühle Coca-Cola vor Moskaus Basilius-Kathedrale zischen, das wird künftig teuer. Die russische Industrie entwickelt deshalb Ersatz-Produkte.
Eine kühle Coca-Cola vor Moskaus Basilius-Kathedrale zischen, das wird künftig teuer. Die russische Industrie entwickelt deshalb Ersatz-Produkte. © AFP

Russland: CoolCola mit „dem ikonischen Geschmack von Cola“

Wie die in den Niederlanden ansässige Online-Zeitung Moscow Times schreibt, kündigte Ochakowo vollmundig an, CoolCola habe „den ikonischen Geschmack von Cola“. Doch ob die ehemalige Sowjet-Marke tatsächlich befähigt ist, den zu reproduzieren, wird sich zeigen: Bislang ist Ochakowo vor allem mit traditionellen Gär- und Honig-Getränken in Erscheinung getreten.

Die Konkurrenz wächst jedenfalls. Laut Moscow Times kommt jetzt auch noch Grink Cola aus Ostrussland hinzu. Und Nostalgie-Potenzial hat in jedem Fall die aus dem Norden stammende Neuschöpfung Komi Cola.

Russland: Tausende Arbeitsplätze hängen an Produktion der westlichen Marken

Bei allem Augenzwinkern hat die Situation für Russlands Zivilbevölkerung einen ernsten Hintergrund. Denn an den Produktions- und Verkaufsstätten der westlichen Marken hängen Arbeitsplätze.

So erstreckt sich die Kreativität der russischen Industrie nicht nur auf die Getränkebranche. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin teilte der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, die Stadt habe die lokale Auto-Fabrik des Herstellers Renault übernommen. „Wir können nicht zulassen, dass viele Tausende von Arbeitnehmern ihren Job verlieren“, kommentierte er die Entscheidung.

Dabei sollen künftig nicht mehr französische Autos vom Band rollen – sondern Pkws der historischen Marke Moskwitsch. Einem Unternehmen, das eigentlich schon 2006 pleite gegangen war. Und Sobjanins Pläne scheinen ambitioniert: „In der ersten Phase planen wir, klassische Autos mit Verbrennungsmotor zu produzieren, und in der Zukunft wird es Elektroautos geben.“

McDonald‘s beendet sein Russland-Engagement. Ein russischer Käufer will das Geschäft unter neuer Marke ab Juni weiterführen.
McDonald‘s beendet sein Russland-Engagement. Ein russischer Käufer will das Geschäft unter neuer Marke ab Juni weiterführen. © Jan Woitas/dpa

Russland: Medwedew rät Oligarchen, Brötchen und Schnitzel herzustellen

Jüngst gab auch der Fast-Food-Gigant McDonald‘s bekannt, den Burger-Vertrieb in Russland einzustellen. Gemäß Financial Times (FT) soll dank eines russischen Käufers aber schon im Juni eine neue Marke an den Start gehen – Management, Restaurant-Menü und lokales Lieferanten-Netz blieben erhalten. Das bedeute die Rettung zahlreicher Jobs im Land.

Der Kreml fördert neue Fastfood-Restaurants seit März sogar mit einem eigenen Kredit-System, an das mehrere Millionen Euro gekoppelt sind. Und Ex-Präsident Dmitri Medwedew wandte sich mit einem ungewöhnlichen Vorschlag an die Oligarchen des Landes, wie die FT berichtete. Da diese ihren Zugang zu den globalen Finanzmärkten verloren hätten, könnten sie jetzt ja „in der Herstellung von Brötchen und Schnitzeln“ aktiv werden.

Die zwei McDonald‘s-Filialen auf dem Gebiet der selbsternannten „Volksrepublik Donezk“ im Osten der Ukraine haben ihr Geschäft derweil mit fast identischer Speisekarte und Marken-Design wieder aufgenommen. Allerdings unter neuem Namen: DonMak. (Julius Fastnacht)

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