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Wenig Nadeln, ja, aber "Krüppelkiefer" ist dann wirklich etwas zu hart.

Weihnachtsbaum

"Rupfi", die lichte Fichte von Erfurt

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Ein unvollkommener Weihnachtsbaum amüsiert das Netz, dabei geht es doch um innere Werte.Deswegen erfährt die lichte Fichte insbesondere im Netz gefühlt mehr Liebeserklärungen als Spott.

Eines muss man „Rupfi“ lassen: Niemand kann ihm vorwerfen, er würde die Sicht auf den Dom versperren. Seit Tagen sorgt der Erfurter Weihnachtsbaum auch außerhalb der thüringischen Landeshauptstadt für beste Unterhaltung. Der liebevoll „Rupfi“ getaufte Baum sieht tatsächlich aus, als hätte er mehr als einen heißen Sommer auf ausgelaugtem Boden hinter sich. Doch mit den Bäumen ist es wie bei den Menschen – nicht jeder ist perfekt. Deswegen erfährt die lichte Fichte insbesondere im Netz gefühlt mehr Liebeserklärungen als Spott. 

„Hallo, ich bin Rupfi“, stellt sich die Rotfichte auf Facebook vor. Das „Takt-Magazin“ hat das Gewächs so getauft. Einen Instagram-Account hat der 27 Meter hohe Baum darüber hinaus auch noch. „Ich bin nicht perfekt, aber wer ist das schon. Zählen für euch auch die inneren Werte?“, fragt die Fichte. 

Zahlreiche Kommentare in sozialen Medien lassen darauf schließen. „Wir haben einen Weihnachtsbaum, an dem ist nichts zu tadeln. Natürlich, Äste hat er kaum und auch fast keine Nadeln …“, reimt ein Twitter-Nutzer. Und mit „Wir lieben ihn …, weil er nicht perfekt ist“ oder „Ich bin endgültig verliebt in Rupfi“ bekunden Menschen auf Instagram ihre Zuneigung. Andere freuen sich, dass so der Christbaumschmuck besser zur Geltung komme. 

Erwartungsgemäß mangelt es aber auch nicht an Spott, welcher der in jeder Hinsicht bemitleidenswerten Fichte entgegenschlägt. Etwas luftdurchlässig, kommentieren die einen, auf Facebook freut sich hingegen jemand, dass er genau deswegen wohl auch schwereren Stürmen standhalten könne. Andere machen sich wiederum Sorgen, ob Rupfi überhaupt bis Weihnachten durchhält. Und auch zahlreiche Medien haben sich in den vergangenen Tagen über den Baum lustig gemacht, auch in Fernsehbeiträgen. Der MDR lässt Passanten lästern und loben, in anderen Berichten sind vom „Alptraum-Baum“ über „Oh Pannenbaum, oh Pannenbaum“ bis zur „Krüppelkiefer“ die amüsantesten Zuschreibungen zu finden – Letztere ist natürlich unkorrekt, handelt es sich doch um eine Rotfichte. 

„Wir können nicht einen Baum liefern, der den Klimawandel leugnet“, versucht Erfurts Kulturdirektor Tobias Knoblich humorvoll das umstrittene Stück Holz zu rechtfertigen. Generell kann wirklich niemand der Stadt vorwerfen, ihre diesjährige Anschaffung nicht in Schutz zu nehmen: So ziert der Baum nun eine Postkarte nebst der Aufschrift „Der Baum mit Charakter. #wirliebenrupfi“. 

Und auch Marktleiter Sven Kästner erklärte gegenüber „Antenne Thüringen“: „Als wir den Baum neben einer Wiese gefunden haben, haben wir sofort gesagt, das ist der Baum.“ Man habe zwar gesehen, dass er etwas lichter ist, dafür sei er schön gerade. Und letztlich gehe es nicht immer um „höher, schneller, weiter“. Somit geht er mit gutem Beispiel voran: Wen interessieren schon Nadeln? Viel wichtiger sind eben die inneren Werte.

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