+
"What?" Name: Jambu Freddy. Rasse: Savannah.

Katzen

Runter kommen sie immer

  • schließen

Für ihr Buch "Flying Cats" hat Julia Christe einige Katzen in die Luft gehen lassen. Sieht spektakulär aus. Aber was soll das?

Fliegen. Ist es der Traum des Menschen allein? Ist es überhaupt noch des Menschen Traum, der er doch längst fliegt bis in die allerhöchsten Höhen, hinauf zum Mond sogar? Nein, des Menschen Fantasie vom Fliegen, die uralte Mission des Ikarus, sie ist längst erfüllt. Übererfüllt gewissermaßen.

Zurück bleibt die Katze mit ihrem Drang nach oben. Eigentlich bräuchte es die Katze viel dringender, das Fliegen, denn wie der Mensch hat sie stets Appetit auf Geflügel, aber kein Schießgewehr, keine Hühnerfarmen und schon gar keine Massenvogelhaltung. Wenn man es aus der Perspektive der Katze betrachtet. Aus der Vogelperspektive sind sie natürlich allesamt ein Skandal, diese ganzen Flattertierknäste. Und aus der Menschenperspektive sollten sie das auch sein. Aus der Vogelperspektive sind auch Katzen ein Skandal. Aber jetzt nehmen wir einmal den Blickwinkel der Katze ein, und für die ist, sobald der Vogel fliegt, sozusagen der Käse gegessen, der Zug abgeflogen. Die Meise gelesen. 

Ohne Hilfsmittel ist die Katze dem Menschen im Fliegen haushoch überlegen. Aus dem Stand abgesprungen, wird die Katze stets weiter kommen, länger in der Luft sein als jeder Mensch, und sei er Weltmeister in einer der entsprechenden leichtathletischen Disziplinen. Auch weiß man, dass Katzen acht Mal irgendwo herunterfallen können, wo es den Menschen schon nach dem ersten Mal endgültig zerlegt hätte.

Keine Katze ist je auf einem Baum verhungert

Unvergessen in diesem Zusammenhang die Worte des Jürgen Freund, seinerzeit Stadtbrandinspektor von Kelkheim im Main-Taunus-Kreis: „Katzen springen locker fünfzehn, achtzehn Meter. Katzen gehören zu den bestspringenden Tieren, die wir kennen.“ Es ging damals um eine Katze, die seit Tagen auf einer Eiche saß und zwei benachbarte Feuerwehrtruppen auf Trab hielt. „Keine Katze ist in Deutschland je auf einem Baum verhungert“, versicherte Floriansjünger Freund. Das war um die Jahrtausendwende, und wenn nicht alles täuscht, ist das auch der aktuelle Stand. Denn wenn eine Katze feststellt: „Miau, mio, ich bin jetzt aber echt kurz vorm Verhungern, Jeschäftsfreunde!“ – dann springt sie einfach runter vom Baum, und seien es fünfzehn, achtzehn Meter. Sofern sie sie nicht schon acht Mal gesprungen ist. 

Problem: Das Fliegen der Katzen kennt, grob eingeordnet, nur eine Richtung. Abwärts. Darin sind sie gut, da macht ihnen praktisch niemand was vor (außer Flughörnchen). Hinauf, in die Höhe, können sie nur klettern, nicht fliegen.

Womit wir bei der Frage wären: Wie machen das die Tiere, die hier beim Fliegen zu bewundern sind? Handelt es sich um Wunderkatzen? Sind das meisterhaft verkleidete Vögel? Wurden sie in Vogelfamilien aufgezogen, und niemand hat ihnen gesagt, dass sie Katzen sind und gar nicht fliegen können? Trotzen sie der Schwerkraft? Haben sie beschlossen, Naturgesetze zu ignorieren, und als nächstes werden sie diese Zeitungsseite verlassen, um Ihren Kühlschrank zu inspizieren?

Richtig. Und dabei hat sie Julia Christe erwischt, ihres Zeichens eigentlich „Hundemensch“, und zwar „überzeugter Hundemensch“, wie sie sich selbst beschreibt. Wirft ein überzeugter Hundemensch etwa aus Solidarität mit dem Hund die nächstbesten Katzen durch die Gegend? Nein, zunächst warf die 1973 geborene Fotografin Hunde durch die Gegend, für ihr Buch „Flying Dogs“ (Touchstone Verlag, auf Deutsch „Fliegende Hunde“, Heyne). „Flying Cats“, und das mag jetzt wenig überraschen, ist für sie „die logische Fortsetzung“ des Themas. 

Rein technisch betrachtet, erklärten sich fürs Fotoshooting manche Katzen bereit, einem Spielzeug hinterherzuspringen; andere ließ man aus Hüfthöhe auf eine weiche Unterlage fallen. Niemand sei zu Schaden gekommen, beteuert Christe und hebt noch einmal die besonderen Voraussetzungen der Fliegetiger hervor: „Während einige Hunde nur gehalten und die fliegenden Haare mit Hilfe eines Föns erreicht wurden, können Katzen sehr sicher landen.“ Auch habe es sich um erfahrene Models gehandelt, und trotzdem hätten nicht alle mitmachen wollen. „Sie haben dann einfach nur zugeschaut oder geschlafen.“ 

Eine vernünftige Haltung, diese Haltung der Katzen, die das Fallengelassenwerden verweigern. Die meisten Menschen hätten es vermutlich genauso gemacht. Ob es vernünftig ist, Katzen und Hunde für Fotobücher scheinbar durch die Luft segeln zu lassen, da dürften die Meinungen auseinandergehen. Warten wir ab, was als nächstes kommt. „Fliegende Pferde“ eventuell. Und dann „Fliegende Riesenglanzschnecken“. Oder zuerst „Fliegende Schabrackentapire“? Nein, lieber nicht. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion