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Schon bald nach dem Einzug ins neue Atelier sind seine Bilder, Skizzen, Ideenzettel auf die hohen Wände gekrochen und mit ihr verschmolzen: Jonas Burgert im Weißenseer Studio in einer ehemaligen DDR-Industriehalle.
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Schon bald nach dem Einzug ins neue Atelier sind seine Bilder, Skizzen, Ideenzettel auf die hohen Wände gekrochen und mit ihr verschmolzen: Jonas Burgert im Weißenseer Studio in einer ehemaligen DDR-Industriehalle.

Der Berliner Maler Jonas Burgert

Ruhm ist nur ein Pferd ohne Reiter

  • vonIngeborg Ruthe
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Jahrelang arbeitete Jonas Burgert in einem dunklen Loch und sparte sich jede Farbtube vom Munde ab. Inzwischen bestellen Sammler bei ihm Bilder, die es noch gar nicht gibt. Die Erfolgsgeschichte eines Malers, dem Erfolg suspekt ist.

Realität kann das ja wohl nicht sein, was auf den wandhohen Gemälden passiert, wo eine Gestalt aus der Sintflut auftaucht als "Letzter stehender Mann", ein Gorilla sich mit Priester-Insignien schmückt, aus einem Müllcontainer die Göttin Isis steigt. Aber (Alb)Traum ist es auch nicht.

"Nehmen Sie doch irgendwas dazwischen", sagt Jonas Burgert. Er hat sich umgezogen für unser Gespräch, die bunt beklecksten Malklamotten hängen überm Stuhl, die Pinsel und Farbtöpfe auf dem fahrbaren, drei-stöckigen Mal-Gestell unter den riesigen Leinwänden haben Pause. Eine Stunde höchstens, ein starker Kaffee, fünf Zigaretten. Dann will er weitermalen. Morgen kommt der Transporter, bringt die Bilder in die Galerie, auch die auf Holzgestellen lagernden Figuren aus Bronze und Ton. Gestalten die aussehen, als wären sie aus den Leinwänden herausgekrochen.

Jonas Burgert tut so, als wäre er völlig gelassen wegen dieser ersten großen Berliner Einzelschau. In Wahrheit ist er nervös, läuft aller paar Minuten im Atelier umher, telefoniert. Ja, er wolle die Hektik möglichst abstellen, auch weil er sich selbst "eher als langsamen Arbeiter" sieht, der die atmosphärische Idee eines Bildthemas wochenlang im Bauch hat, damit schwanger geht und immer erst sozusagen mit den Wehen zu malen beginnt. Aber vor jeder neuen Ausstellung herrscht dieser irrationale Erwartungsdruck, seit das US-Magazin Vanity Fair seinen Weg kürzlich mit der "vom Tellerwäscher zum Millionär"-Legende verglichen hat. Ihm ist das viel zu dick aufgetragen. Er hat wirklich keine Lust auf eine solche Klischee-Rolle.

Lange nur ein Insidertipp

Ja, es läuft endlich mit seiner Malerei, das hat er sich gewünscht, die Anerkennung tut auch höllisch gut. Aber diese Kunstmarkt-Hysterie, die sieht er zwiespältig. Dass er erst lange nur ein Insidertipp war. Und jetzt bestellen Sammler Bilder, die noch gar nicht gemalt sind. Oder Ausstellungsmacher drängen, obwohl die Ölgemälde noch nicht trocken sind.

Diese Mischung aus eigener Ungläubigkeit gegenüber dem eigenen Erfolg und der leisen Angst, dass das womöglich nicht gut gehen könnte, verschafft Burgert bisweilen Unbehagen. Zu lange nämlich war es ganz anders. Nach seinem Studium an der vormaligen Hochschule, heute Universität der Künste Berlin, habe er, erzählt Burgert, fast nichts verkauft. Der Vater hatte ihn gewarnt "ja bloß was Anderes zu studieren, was 'Solides'". Jonas Burgert hat nicht gehorcht. Er ist der Sohn des inzwischen verstorbenen Berliner Malers Hans-Joachim Burgert, ein sanfter Expressionist, einst noch Student beim Brücke-Maler Karl Schmidt-Rottluff. "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm", hat die Mutter damals geseufzt. "Als sie sahen, das Malen ist doch ganz mein Ding", da fanden sie es dann in Ordnung", erinnert sich Jonas Burgert an die Familiendebatte zu Beginn der Neunziger. Aber als das Studium vorbei war, er den "Schutzraum" der Hochschule verließ und vogelfrei auf den Kunstmarkt flattern musste, da kam es genauso, wie der Vater prophezeit hatte: Die ersten langen Jahre bedeuteten akademisches Prekariat: "Tatsächlich lebte ich bis 2004 unterm Sozialhilfesatz", sagt Burgert heute ohne Larmoyanz. Die ihm damals halfen, sind bis heute seine Freunde. Der Sammler Jan Phillip Sexauer, ein Berliner Jurist, etwa. Er kaufte kaufte dem jungen Maler eins der frühen Bildern ab, damals waren die kleiner und noch billig. Trotzdem sagt Burgert, der Mann habe ihm damals "den Arsch gerettet", weil er völlig pleite war.

"Heute zahlen Sammler Zehntausende Euro", titelte Vanity Fair. Das stimmt. Manche sind süchtig nach diesem durch alle Malstile bald berserkerhaft preschenden, bald kunstvoll balancierenden Figurentheater . Aber wer Fans hat, hat auch Kritiker. Und was den einen auf Burgerts pathetischen Lebensbühnen schon das Berliner Pendant zu den tief in die Historie greifenden Mythenrätseln des Leipziger Malers Neo Rauch ist, nennt ein anderer "nachlässig, verschwommen, angestrichen". So in der Wochenzeitung Die Zeit.

Aber das gehört ja auch zum Kunstbetrieb. Burgert ist freilich, das gibt er ohne Umschweife zu, "völlig offen, arglos und ahnungslos" hineingeraten durch seinen plötzlichen Erfolg. Um es selbst glauben zu können, rekapituliert er diesen Prozess, der sein Leben veränderte, wieder und wieder: 2005 in der Hamburger Kunsthalle, da hatte er - in einer Gruppenschau - seinen ersten großen Auftritt überhaupt - und gleich in einem Museum. Er ließ sich schon am ersten Tag alle sechs Bilder abkaufen. "Aber ich hatte überhaupt noch keinen Galeristen, noch nicht mal ’ne Galerieausstellung", so Burgert. Die Hamburger Produzentengalerie nahm sich des Überraschungskandidaten an, "sie vertritt mich noch heute", sagt er, es klingt dankbar.

Seine Sammler der ersten Stunde werden vielleicht wieder alle in die Berliner Ausstellung kommen: Der kunstbesessene Hanseat Harald Falckenberg bestimmt, mit dem Burgert so gut über Malerei reden kann und der für eine Hamburger Ausstellung sogar einen fulminanten Katalogtext schrieb. Falckenberg, erzählt Burgert, sei damals, vor sieben Jahren in Hamburg in den Bilderraum gekommen, habe nach einer Minute auf zwei Gemälde gezeigt und gesagt. "Ich will das und auch das!" Dann kamen Thomas Olbricht und andere bekannte Sammler und wollten kaufen. "Und ich stand da wie ein Trottel, ich wusste nicht, wie das geht, hatte noch nicht mal ’nen Steuerberater. Also, das war alles ziemlich surreal." Vielleicht kommt ja jetzt in Burgerts erste Berlin-Schau auch wieder Charles Saatchi , der Londoner Großsammler, der war damals in Hamburg sauer, weil alle Bilder schon weg waren. Er wollte alles haben, was noch im Atelier stand. "Da habe ich nicht mitgemacht", sagt Burgert. Nur zwei Bilder hat Saatchi gekriegt.

Halb altmeisterlich und zugleich modern

Welttheater. Damit beschreibt Burgert im Grunde viele seiner Bilder. Immer wieder wimmelt es da von Figuren, die zwar als menschliche erkennbar sind, aber auch nicht genauer bestimmt werden können. Er malt, halb altmeisterlich und zugleich modern, Parabeln. Oder Gleichnisse, wenn man so will. Ritter, Tod und Teufel, Himmelsflug und Höllensturz, wie bei Dürer oder bei Hieronymus Bosch. Man deutet die seltsamen Figuren als Reiter, Krieger, Wilde, Jäger, Sammler, Indianer, Eremiten, Wanderer, Bettler, Obdachlose, Migranten, Harlekine, Clowns, Schamanen, Nomadinnen, Chimären, Gerippe, Masken, Gottheiten. Doch gerade Letztere haben so gar nichts Religiöses an sich, und der Maler erklärt denn auch, was er damit sagen will: "Es sind Stellvertreter für etwas, das in aller Welt, in jeder Kultur, zu allen Zeiten vorkommt."

Und eine richtige Handlung gibt es in den gewaltigen Formaten, bei diesem merkwürdigen Bildpersonal auch nicht. Umso deutlicher stellt man fest, dass an die Stelle der Erzählung etwas stark Atmosphärisches tritt.

"Die Grundidee meiner Bilder ist", erklärt Burgert, "die Bühne zu malen, auf der unser aller Existenzkampf stattfindet. Eine Bühne, auf der der Mensch sich selbst definiert in all seinen Absurditäten, Widersprüchen, Hoffnungen und Sehnsüchten. Dieser Prozess hinterlässt Spuren - ich nenne das ,den schönen Dreck' eines inneren Ringens." Den Zeitpunkt und den Ort, an dem eine solche Szene stattfindet, will Jonas Burgert freilich nicht konkret benennen. Die grundsätzliche Auseinandersetzung eines Menschen mit sich selbst sei schließlich ein zeitloses Phänomen. Und so suggerieren diese farbtriefenden Gemälde paradoxerweise real-unreale Räume, in denen Stellvertreter-Gestalten um Selbsterkenntnis ringen. Sprachlos machen die verstörenden Szenerien von Chaos, Sintflut, Höllenschlund, in denen die Zeit ausgesetzt hat.

Alles auf diesen Leinwänden, mit den verdrehten Kreaturen, die bald den mittelalterlichen Weltgericht-Gemälden, bald der burlesken Commedia dell’ Arte oder aber der Danteschen Vorhölle entstiegen sein könnten, erscheint dicht gedrängt, verstrickt in eine Kollision religiöser Rituale - mit grellbunt ornamentierten heiligen Kühen und gelben, auf dem Boden verstreuten Blüten. Burgert hat nichts dagegen, dass man dabei an die Tempelstufen von Varanasi in Indien denkt, während ein Heer weiß gekleideter Gestalten innerhalb dieser dynamischen Komposition im Kontrast zu dem Trubel der Farben steht. Der Maler sagt, das sei der Vorstellungskraft der Betrachter überlassen und wenn dieser Ort eben an eine Wallfahrt erinnere, bei der die Pilger Heilung, Erleuchtung, Trost sichten, dann sei es eben so. Der Betrachter dürfe auch den Schluss ziehen, dass die Raubvögel im Sturzflug und all diese in giftiges grünes Wasser getauchten Figuren bedeuten könnten, wie vergebens doch Illusionen sind.

"Ich will nicht den Zeitgeist illustrieren, sondern Zeitloses malen", sagt Burgert. Und : "Ich muss immer groß malen, klein geht nicht. Ich will Erkennbarkeit, nicht Naturalismus. Darum benutze ich Gestalten und Dinge von überall auf der Welt, da gibt es den römischen Kaiser und den Eskimo, den indischen Guru und den schwarzen Sklaven. Das mag historisch oder mystisch wirken. Aber eigentlich male ich das alles nur symbolisch, denn die Probleme der Menschen früher sind noch immer die der Menschen heute. "

Oh ja, man sieht auf seinen Bildern, was Menschen sich gegenseitig und sich selber schon immer und immer erneut antun. Des Malers Unbehagen drückt sich aus. Die Wahrheit darüber, dass die Menschheit nicht sehr viel weiter gekommen ist, als vor Tausenden von Jahren, trotz und mit technischer Revolution, Bildung, Wohlstand, Aufklärung und Erkenntnisprozess. Die Bilder sagen auch mit gewissem Sarkasmus, dass Sex der beste Beweis dafür ist, dass Menschen sich nicht helfen können.Das ganze Figurentheater scheint sagen zu wollen: Schaut hin, dieser enfesselte Individualismus ist an allem schuld: dieses Ich,Ich,Ich all der fröhlichen großen und kleinen Kapitalisten!

"Es geht mir nicht um Surrealismus", betont der Maler. " Wenn ich im Bild einen Elefanten auf eine Mücke setzen würde, dann wäre das obskur, witzig, absurd. Aber das hat mit dem realen Leben nichts zu tun. Ich will - mit etwas Verzerrung - erreichen, dass so ein Bild eine Art Spiegel ist. Das, was man darin sieht, sollte beunruhigen, verwirren. Auf jeden Fall soll der Betrachter bemerken: Etwas stimmt hier nicht!

Burgert brauchte Jahre, sich zu trauen, solche Bilder zu machen, verrät er. In einer Kunstszene, in der das Obskure, aber auch das Obercoole, Designte, Nichtssagende längst Konzept geworden ist, sei figürliches, gegenständliches, authentisches, emotionales Malen eher eine Mutprobe. "Man wird angreifbar, wenn man malt, was man sieht und fühlt. Das wird dann - naserümpfend, mit Naturalismus verwechselt." Die Figur aber stehe auch für das Ringen des Menschen mit sich selber, für den ganzen inneren Wahnsinn eben, der lieber als pathetisch abgetan werde, sinniert er.

Also ist das, was Burgert malt, aus der Zeit gefallen? "Können wir uns darauf einigen, dass es Zeitsprünge sind?", schlägt er vor: Als er Anfang der 1990er-Jahre an der Hochschule der Künste Berlin studierte, machten die meisten Konzeptkunst. Auch er malte abstrakt, aber es zog ihn in die Kunstgeschichte. " Und ich wollte das Handwerkliche beherrschen." Wie malt man einen Arm, ein Bein, ein Auge, ein Ohr? "Aber die Leidenschaft, die lernt man an einer Kunsthochschule nicht." Die Intellektualisierung der Kunst, die diskurstheoretische Überfrachtung eines jeden Pinselhiebs, das sei ihm gegen den Strich gegangen. Aber damit könne sich manch einer schön um das Eigentliche im Bild herumreden, sagt er lakonisch. "Warum bin ich denn Maler, muss aber alles, was ich male, denken statt zu fühlen? Ich glaube, ich habe genau deshalb angefangen, mich über die Figur herzumachen."

Das Telefon klingelt. Burgert springt auf und gibt der Bildertransportfirma am anderen Ende nochmals Anweisungen über Zeit und Ort. "Ja, Sie können bei mir auf den Hof fahren mit dem Lkw, durchs Tor und dann direkt bis an den Eingang."

"Wo waren wir stehengeblieben?", sagt er, als er sich wieder setzt: "Bei der Figur." Also, es gebe natürlich ganz starke, wunderbare abstrakte, minimalistische Malerei. Und er setzt hinzu, sehr froh zu sein, dass dieser ganze Kunstdiskurs über Jahrzehnte endlich gemacht worden sei, dass die Grenzen, Tiefen und Untiefen ausgelotet wurden. Und er schlussfolgert: "Es ist ein Luxus, denke ich, jetzt Maler zu sein. Nach all den ideologischen Kämpfen. Wir können jetzt sagen: So. Was machen wir jetzt.Woher nehmen wir Intensität?"

Künstlergespräch mit 600 Leuten

Als er genau das erkannt habe, so vor gut zehn Jahren, da habe er sich frei gefühlt. "Auf einmal gingen alle Türen auf, ich kann alles malen, was ich will,was ich sehe und fühle", sagt Burgert. "Und ich erlebe, wie Menschen reagieren. Ich hatte 2010 eine Ausstellung in Tübingen, keiner kannte mich dort. Nach den ersten Wochen der Schau gab es dann ein Künstlergespräch. Und da kamen 600 Leute, wir redeten bis tief in die Nacht. Über den Sinn von Kunst, Leben und Tod, über Gott und die Welt. Über Malerei und Transzendenz." Antworten auf die Fragen des Lebens gab es nicht, aber es bestätige ihn, weiterzumalen. Und endlich hat er sein kaltes düsteres Atelier an der Schönhauser Allee gegen ein großes, helles eingetaucht. Mitten in einer maroden Gründerzeit-Fabrikanlage, auf dem Hof eines ehemaligen VEB-Betriebs in Weißensee. Das ganze Areal gehört ihm, sogar die alte Klinkerruine, die mal Heizhaus war, dazu der riesige, Hof samt Bäumen, selbst die graffitibeschmierten Schuppen. Alles sieht noch ziemlich nach DDR-Untergang aus, aber die einstige Packhalle hat er schon solide saniert, und unter der Hallendecke hängt eine Winterheizung .

Drei Künstlerkollegen haben sich bei Burgert eingemietet. Das findet er gut, nicht bloß wegen der Miete, sondern auch wegen des Austauschs. Burgert hat die "Sonderimmobilie" aus DDR-Nachlass von dem Geld erstanden, das er für seine Bilder bekommt. Kürzlich kletterte bei einer Benefiz-Auktion in Berlin ein auf 8000 Euro taxiertes Gemälde auf 38 000 Euro, das teuerste Los des Abends. Und der Maler? " Das Geld ging an eine Menschenrechtsorganisation."

Unwirklich war es trotzdem. Zurück im Atelier hat er sich erst mal seines Vorratsschranks in der Ecke versichert, da hamstert er Farben, das sei eine Manie, sagt er. Vor fünfzehn, zehn Jahren langte das Geld nie für die Farben, und wenn er sich noch so sehr mit Tütensuppen begnügte und um die Edelitaliener in Prenzlauer Berg einen Bogen machte. Jetzt stehen auf der Fensterbank edle, noch verpackte Whiskyflaschen. Die guckt er sich an, lässt sie aber zu - auf Vorrat, wie die Farbtuben. Und das sei, gibt er zu, ein wenig surreal.

Wegen des Erfolgs abheben? "Dazu ist die Erinnerung viel zu wach, wie ärmlich man als Künstler leben muss, wenn man keine Glückssträhne hat. Und hat man eine, dann kann die rasch enden", was Burgert da sagt, klingt extrem sachlich. "Außerdem", überlegt er, "war ich doch vorher derselbe und auch nicht unglücklich." Und deshalb verborgt und verschenkt er bisweilen, was seine Bilder neuerdings so bringen.

Und manchmal denkt er, dass es eigentlich nicht er ist, dem das jetzt passiert und dass ihm das alles nicht ganz geheuer ist. Also bloß auf der Erde bleiben, an das Pferd mit der leeren Anzughülle im Sattel denken, das oben auf der Hallenempore steht und das er nie verkaufen würde: Möglicherweise hat Burgert das Ross als Parabel zu jener Sentenz gemalt, in der es heißt, Ruhm sei ein Pferd, das ohne Reiter vorm Höllentor ankomme. Als kürzlich die Wiener Kunstakademie anfragte, ob er sich vielleicht für eine Maler-Professur bewerben wolle, spürte er Freiheitslust: "Lieber würde ich jetzt in der Mongolei über Hügel laufen".

Jonas Burgers Berliner Werkschau "Gift Gegen Zeit" in der Galerie Blain/Southern, Potsdamer Straße 77-87, Beginn am 28. April ab 18 Uhr. Bis 7. Juli, Di-Sa 11-18 Uhr.

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