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Die Bedingungen für die Arbeiter auf dem Gelände des havarierten Atomreaktors in Fukushima hätten sich verbessert, meldet Betreiber Tepco.

Fukushima

Strahlendes Wasser, strahlende Erde

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Der Rückbau der Atomruine wird 180 Milliarden Euro kosten. Bis das Gelände saniert ist, dürfte es Mitte des Jahrhunderts werden.

Die Lage im Kraftwerk Fukushima acht Jahre nach dem Super-GAU, der in drei Reaktoren ein Kernschmelze auslöste, wird vom Betreiber Tepco als „stabil“ bezeichnet. Trotzdem sind die Probleme in der und rund um die Atomruine längst nicht gelöst. Der Abbau der zerstörten Reaktorkerne soll erst 2021 beginnen, also zehn Jahre nach dem Unfall. Bisher kämpfen Betreiber und Behörden immer noch mit der Entsorgung von gigantischen Mengen radioaktiv belasteten Wassers, gefährlichen Filterrückständen und Millionen Tonnen kontaminierter Erde aus der Umgebung des Kraftwerks.

Kürzlich meldete Tepco zwei Erfolge. Die Bedingungen für die Arbeiter auf dem Kraftwerksgelände hätten sich deutlich verbessert, hieß es. Auf 96 Prozent des Geländes könnten sie sich nun ohne Strahlenschutz-Kleidung bewegen. Zudem sei es erstmals gelungen, mit einem ferngesteuerten Roboter das Innere eines der geschmolzenen Reaktoren zu erkunden und per Greifarm etwas von dem stark strahlenden geschmolzenen Material zu berühren. Demnächst soll versucht werden, eine Probe davon herauszuholen, um sie zu analysieren. Der Start der „Entsorgung“ der zerstörten Reaktoren ist in zwei Jahren geplant, ob das klappt, ist offen. Ebenso, wo das kontaminierte Material gelagert werden soll, von einem Endlager ganz zu schweigen. Die Kosten für die Demontage der Reaktoren werden auf umgerechnet rund 180 Milliarden Euro geschätzt. Bis das Gelände saniert ist, dürfte es Mitte des Jahrhunderts werden.

Derweil spitzt sich das Problem mit den rund 1,1 Millionen Tonnen radioaktiv belastetem Kühl- und Grundwasser zu, die auf dem Kraftwerksareal in rund 900 großen Tanks gelagert werden. Das Wasser wurde zwar gereinigt, wobei die Filterrückstände mit Cäsium und Strontium anfallen, die in Kanistern gesammelt werden und für die eine Entsorgungslösung noch aussteht. Es enthält aber immer noch Tritium und Jod 129. Da alle zehn Tage ein neuer Tank gefüllt wird – die Reaktorkerne müssen immer noch gekühlt werden –, wird der Platz für die Lagerung langsam knapp. Tepco würde das Wasser gerne ins Meer ablassen, da es keine Gefahr darstelle. Widerstand kommt von Fischern an der Küste und Anwohnern. Die Regierung in Tokio zögert die Entscheidung hinaus.

Um zu verhindern, dass weiter Radioaktivität durch das Grundwasser ins Meer fließt, hat Tepco zudem eine 30 Meter tiefe „Eiswand“ installiert, die auf einer Länge von 1,5 Kilometern um die havarierten Reaktorblöcke herumläuft. Durch Rohre strömt hier ein minus 30 Grad kaltes Kühlmittel, das die Erde dauerhaft tiefgefroren hält. Die Investitionen alleine dafür betrugen umgerechnet rund 270 Millionen US-Dollar, hinzu kommen die laufenden Energiekosten für die Anlage.

Eine gigantische Aufgabe bedeutet auch die Entsorgung der radioaktiv belasteten Erde, die nach dem Super-Gau von stark strahlenden Zonen rund um Fukushima abgetragen und in unzählige schwarze Säcke verpackt wurde. Vor drei Jahren begannen die Behörden damit, die Säcke aus der Region mit rund 1000 Lastwagen in das Zwischenlager Okuma zu schaffen, das nahe der Atomruine eingerichtet wurde. Es soll im Endausbau gewaltige 1600 Hektar umfassen, allerdings gibt es noch Streit mit den Grundstückseigentümern über den Kaufpreis. Bislang sind rund 2,3 Millionen Kubikmeter Erde, die zum Teil mit Dekontaminierungsschrott vermischt ist, dort angefahren worden. Insgesamt sollen es mehr als 14 Millionen Kubikmeter werden. Die Arbeiten, an denen 5000 Menschen beteiligt sind, will man bis 2021 abschließen.

Die Regierung in Tokio hatte versprochen, dass die Erde nicht dauerhaft in der Präfektur Fukushima verbleiben soll. Deswegen ist von einem „Zwischenlager“ die Rede, das bis 2045 wieder geräumt werden solle. Allerdings haben sich bisher kaum andere Abnehmer für die Säcke gefunden, nur gut 300 000 Kubikmeter Material konnten in andere Präfekturen gebracht werden. Japans Umweltministerium setzt nun offenbar darauf, dass die Erde zukünftig durch technische Verfahren weitgehend dekontamiert werden kann – dann wäre nur noch ein kleines Endlager für die Reststoffe nötig.

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