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Das One57 ist nur einer von vielen neuen Luxus-Wohntürmen in New York.

Apartments in New York

Ronaldos Luxus-Schnäppchen

New York war nicht sonderlich beeindruckt davon, dass Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo sich in Manhattan eine Wohnung zugelegt hat. In der Stadt explodiert der Markt für teure Apartments – die meisten sind jedoch kaum bewohnt, zum Unmut der reichen Nachbarn.

Von Sebastian Moll

Die Stadt war nicht sonderlich beeindruckt davon, dass Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo sich in Manhattan eine Wohnung zugelegt hat. Die Nachricht war der Klatschpresse gerade mal ein paar Zeilen wert. Man hat am Hudson schließlich reichlich Prominenz, ein portugiesischer Fußballer bewegt zwischen Hollywood- und Popgrößen kaum die Gemüter.

Auch die Geldsumme, die Ronaldo für sein Apartment in Donald Trumps Protz-Turm an der Fifth Avenue hinblätterte, verschlug niemandem den Atem. 18,5 Millionen Dollar für ein Penthouse gelten in Ronaldos neuer Nachbarschaft beinahe schon als Discountpreis. Schließlich waren nur zwei Blocks östlich von der Ronaldo-Residenz gerade erst zwei Wohnungen für 100 Millionen weggegangen.

Doch der Star von Real Madrid kann sich damit trösten, dass der Immobilienerwerb ihn zum Mitglied einer erlesenen globalen Elite macht. Unter den Superreichen der Welt liegt es derzeit schwer im Trend, sich in Manhattan eine hochpreisige Absteige zu kaufen. Im Time Warner Center etwa, von Ronaldos neuer Bleibe aus auf der entgegengesetzten Seite des Central Park gelegen, besitzen 17 Milliardäre, die auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt geführt werden, Wohneinheiten.

Doch wie Ronaldo wollen die wenigsten dieser neuen Immobilienbesitzer, die derzeit auf den New Yorker Markt drängen, tatsächlich auch hier wohnen. Die meisten von ihnen nutzen die Apartments als spekulative Geldanlagen, wie eine investigative Artikelserie der „New York Times“ jüngst herausfand.

„Es sind Leute, die im Nahen Osten oder China oder Lateinamerika leben und zwischen London und Shanghai und São Paulo und Moskau hin und her jetten, als ob sie von Brooklyn nach Manhattan pendeln würden“, schrieb der Architekturkritiker des „New Yorker“-Magazins, Paul Goldberger.

Natürlich gibt es den globalen Jetset, der sich hier und da eine Wohnung hält, schon so lange wie es kommerziellen Luftverkehr gibt. Doch was sich in Manhattan in den vergangenen Jahren abspielt, hat eine neue Dimension. Der Markt für Super-Luxus-Apartments, die nur Teilzeit bewohnt sind und die jeglichen nachvollziehbaren Preisrahmen sprengen, explodiert mit atemberaubender Geschwindigkeit.
Das sichtbarste Zeichen dieses Trends sind zwei neue Superwolkenkratzer entlang des Südrandes des Central Park. Beide Türme, die Nummer 432 Park Avenue und die Nummer 1 57th Street, überragen das Empire State Building. Die Penthäuser, die dem Himmel näher sind als dem Central Park, liegen höher als die eben erst eröffnete Aussichtsplattform des neuen World Trade Center.

Die schlanken Bauten, alleine dazu konzipiert, möglichst viel Wohnfläche mit Ausblick zu generieren, sind jedoch nur der Anfang eines Wohnungsbau-Rausches zwischen Times Square und der 59ten Straße. In den kommenden Jahren wird ein ganzes Zaungatter aus solchen Super-Streichhölzern entlang des Central Park hochgehen. Bürgerinitiativen protestieren bereits dagegen, dass große Teile des Parks durch die Türme permanent im Schatten liegen werden.

Der Boom war ein sorgfältiges Kalkül findiger New Yorker Immobilienentwickler. Ihr Pilotprojekt war das Time Warner Center am Südwestrand des Central Park, das im Jahr 2004 eröffnete. Der 11. September hatte dem New Yorker Markt einen Dämpfer versetzt und die aggressive Vermarktung an eine elitäre globale Klientel erschien für die Bauherrn der einzige Weg zu neuen Profitströmen. Um das Investment für die internationalen Käufer attraktiv zu machen, verzichteten die Bauherren auf viele Dinge, die traditionell den Eintritt in den New Yorker Markt erschweren. Luxusbehausungen alten Stils waren Eigentümergemeinschaften oder „Coops“, der Käufer musste sich einer eingehenden Prüfung durch die Miteigentümer unterziehen.

Die neuen Wohneinheiten sind hingegen „Condominiums“, reine Kaufobjekte, der Käufer kann anonym bleiben. „Das einzige, was interessiert, ist, ob er genügend Geld hat“, sagte der ehemalige Manager des Time Warner Komplexes, Rudy Tauscher, der „New York Times“. Die Anonymität der Käufer ist für die neuen Bauherrn oberstes Gebot. So waren im vergangenen Jahr 80 Prozent der Wohnungseigentümer im Time Warner Scheinfirmen anstatt Privatpersonen. Anders als im Fall von Ronaldo ist bei solchen Geschäften die wahre Geldquelle für den Kauf meist extrem schwer nach zu vollziehen, die Verträge werden oft von Bevollmächtigten unterschrieben.

Diese Praxis lockte vorhersehbar eine Klasse von Neubürgern an, mit der New York offiziell sicher nicht gerne werben würde.

Reporter der „New York Times“ fanden unter ihnen eine erschreckend hohe Quote an Geschäftemachern, die mittels der New Yorker Objekte Geld aus dubiosen Quellen waschen. Dazu gehörte unter anderen der russische Senator Vitaly Malkin, der dafür zuständig war, die Schulden von Angola zu „restrukturieren“. Malkin steht unter Verdacht, aus dem Deal 48 Millionen Dollar an angeblicher Dividende gezogen zu haben.

Ein anderer Bewohner ist der indische Kupfermagnat Anil Agarwal, dessen Firma wegen Insidergeschäften von der Börse in Mumbai ausgeschlossen wurde. Zudem ermitteln die indischen Behörden gegen ihn wegen illegaler Arsenverseuchung des Geländes rund um eine seiner Fabriken. Ein dritter, ebenfalls typischer Bewohner des Time Warner Center ist der ehemalige kolumbiansche Provinzgouverneur Pablo Ardila. Ardila saß wegen Korruption in Kolumbien im Gefängnis. So entsteht in Midtown Manhattan ein Geisterviertel von meist leerstehenden Luxusapartments, die vorwiegend dazu dienen, Milliarden aus zwiespältigen Quellen zu parken. Die meisten New Yorker finden das unappetitlich, bei einer Bürgeranhörung, blies dem Bauherrn von One 57th Gary Barnett ein rauer Wind entgegen.

Am Sutton Place auf der Upper East Side, wo der alte New Yorker Geldadel lebt, formiert sich Widerstand gegen einen neuen Bau. Die Besitzer von alten Herrschaftsvillen weigern sich trotz fürstlicher Angebote, an den Bauherrn eines Wolkenkratzer-Projekts zu verkaufen. „Wir brauchen hier kein Gelddepot für Oligarchen aus Übersee“, sagte Lisa Mercurio, die Vorsitzende einer Nachbarschaftsvereinigung. „Wir wollen keine Stadt haben, in der einfach jemand kommt und alle Regeln ändert.“ Doch die Regeln des New Yorker Immobiliengeschäfts haben sich längst geändert.

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