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Originaldrehort und Hauptattraktion: das Haus mit der Nummer 22.

„Roma“

Das Original in Farbe

In Mexiko-Stadt strömen Filmfans in das Viertel, in dem der Oscar-Favorit „Roma“ spielt – und auch gedreht wurde.

Es ist nur ein kleines Metallschild, aber die Aufschrift sorgt für einige Aufmerksamkeit: „Hier wurde der Film ‚Roma‘ gedreht“, steht da an der Fassade des Hauses mit der Nummer 22 in der Tepeji-Straße in Mexiko-Stadt. Dass das Haus und seine Umgebung eine zentrale Rolle in dem Oscar-Favoriten spielen, ist der Grund, warum sich die Wohngegend zu einem Touristenmagneten entwickelt hat.

„Wir lieben den Film, er hat uns vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen“, sagt Esteban Alvarez, Musiker aus Costa Rica, der nun mit seiner Freundin und anderen Film-Fans zu den Drehorten pilgert. Der Film „Roma“ erzählt die Geschichte des Dienstmädchens Cleo, das in den 1970er Jahren bei einer wohlhabenden mexikanischen Familie arbeitet. In weiten Teilen ist es die eigene Geschichte von Regisseur Alfonso Cuarón. Die Netflix-Produktion hat seit der Uraufführung im Sommer zahlreiche Preise gewonnen, zuletzt bei der Verleihung der britischen Bafta-Awards. Außerdem ist sie für zehn Oscars bei der Verleihung in der Nacht zu Montag nominiert.

Tristesse? Egal! Der Film gibt dem Roma-Viertel einen Schub.

„Roma“ ist in Schwarz-Weiß gedreht. Nun strömen die Fans in das gleichnamige Stadtviertel, um die Schauplätze in Farbe zu sehen. „Wir wollten unbedingt das Haus in echt sehen“, sagt der 27-jährige Alvarez. Cuarón ließ es für den Film akribisch so einrichten, wie das Zuhause seiner Kindheit aussah. Das ist offenbar gelungen: Beim Besuch am Set hätten sich die Verwandten tatsächlich in ihrem alten Haus gewähnt, erzählte der Regisseur. In Wirklichkeit wuchs Cuarón aber nicht in der Nummer 22 auf, sondern in der 21 auf der anderen Straßenseite. Beide Häuser wurden in den 1930er Jahren identisch gebaut. Da die Nummer 21 von späteren Besitzern stark verändert wurde, entschied sich der Regisseur, in Nummer 22 zu drehen.

Gloria Monreal, die Besitzerin, und Cuarón kennen sich aus Kindertagen, sie gingen zusammen in die Vorschule. Monreal freut sich über all die Touristen, die nun auf den Spuren des Films durch ihre Straße schlendern. Manche klopfen sogar bei ihr. Gerne öffnet sie ihre Tür, posiert für Fotos und lässt die Besucher in ein Gästebuch schreiben – das sie eines Tages Cuarón schenken möchte.

Im Film ist das Roma-Viertel ein schicker Stadtteil mit großzügigen Art-Déco-Häusern und chromglänzenden Autos. Das verheerende Erdbeben 1985 richtete aber auch in Roma schwere Schäden an. Mittlerweile haben Hipster das zentrale Viertel mit den baumbestandenen Straßen für sich entdeckt. Damit die Film-Fans noch leichter zu den Drehorten finden, gibt es inzwischen einen kleinen Stadtführer. Und ein Reisemagazin gibt Tipps für Ferienwohnungen in Mexiko-Stadt, in denen sich Urlauber wie im Film fühlen können.

Esteban Alvarez und seine Freundin sind ohne Stadtführer unterwegs. „Ist das die Stelle im Film?“, fragen sie sich bei ihrem Spaziergang immer wieder. Zu sehen gibt es die Vorschule, in die Cuarón ging und die ihren roten Anstrich von damals wieder bekam. Oder die laute Kreuzung der Straßen Insurgentes und Baja California. Während in der Tepeji-Straße gerade eine Gruppe Touristen vor dem Haus Nummer 22 steht, schlüpft gegenüber aus der 21 Paulina Cruz, um den Hund auszuführen. „Ich bin das Kindermädchen der Familie, die jetzt in Cuaróns altem Haus lebt“, sagt sie lächelnd. Mit ihrer dunklen Sonnenbrille und den Jeans hat sie wenig gemein mit der sanftmütigen Cleo aus dem Film.

Paulina Cruz hat „Roma“ schon gesehen und war begeistert. „Es macht mich glücklich, dass die Hausangestellten darin so eine wichtige Rolle spielen. Es ist wie im Film: Wenn man Tag für Tag mit der Familie verbringt, fühlt man sich wie ein Teil davon.“  (afp)

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