+
Dem Verdächtigen wurden die Augen verbunden.

35-Jähriger tot

Teenager-Touristen aus den USA töten italienischen Polizisten - Innenmister Salvini: „Bastarde“

  • schließen

Zwei Jungs aus den USA machen Urlaub in Italien und kaufen sich Kokain. Doch der Deal geht schief - am Ende ist ein Polizist tot.

Rom - Die Hauptstadt Italiens trauert um den Polizisten Mario Rega Cerciello (35). Der Polizeibeamte wurde Freitagnacht (26. Juli 2019) von den zwei US-Amerikanern Finnegan Lee Elder und Gabriel Christian Natale Hjorth (beide 19), als er gemeinsam mit einem Kollegen in einem vornehmen Stadtviertel nahe des Vatikans einen Diebstahl aufklären wollte, erstochen. Ein Einsatz, der für den 35-Jährigen tödlich endete - achtmal stach einer der beiden Teenager auf den italienischen Polizisten ein. Doch die Umstände der Tat werfen Fragen auf.

US-Teenager töten Polizisten: Drogendeal führt zum Mord

Die beiden Jugendlichen aus den USA sollen nach ersten Erkenntnissen der Polizei bei einem italienischen Drogendealer in Rom Kokain gekauft haben, das sich wenig später als Aspirin herausstellte. Das wollten die beiden 19-Jährigen nicht auf sich sitzen lassen. Die Touristen stahlen als Rache den Rucksack des Italieners und handelten einen Deal aus: den Rucksack für 100 Euro und ein Gramm Kokain. 

Drogendeal in Rom läuft schief: 19-Jähriger aus USA sticht achtmal auf Polizisten ein

Der Drogendealer ließ sich vordergründig auf diesen Deal ein, ging aber zur Polizei und kam zum vereinbarten Treffen in Begleitung von zwei Beamten in Zivilkleidung. Als die italienischen Beamten die zwei Jungen festnehmen wollten, zog einer der Amerikaner ein Messer und stach insgesamt achtmal auf den 35-Jährigen ein. 

Die Teenager aus San Francisco ergriffen daraufhin die Flucht und hatten schon ihre Koffer gepackt und Rückflugtickets gekauft, als sie Freitagnachmittag in ihrem Vier-Sterne-Hotel von der italienischen Polizei festgenommen wurden. In ihrem Hotelzimmer stellten die Beamten dann auch die Tatwaffe sicher, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete.

USA-Touristen töten Polizisten in Rom: Rätselhafte Umstände werfen Fragen auf

Die 19-Jährigen wurden wegen Totschlags und versuchter Erpressung von den italienischen Behörden in Untersuchungshaft genommen. Beide gestanden noch am selben Tag ihre Tat. Im Verhör erklärte der Junge, der den italienischen Polizisten abgestochen hatte, dass er in Panik geraten sei. Er habe geglaubt, dass es sich bei dem Polizisten um einen Freund des Dealers handelte. 

Ein Argument, welches die italienischen Medien zu Spekulationen drängte: Warum ging der Dealer zur Polizei? Warum nahmen die beiden wohlhabenden US-Touristen für hundert Euro ein so großes Risiko in Kauf? Warum gingen die beiden Carabinieri in Zivil zu dem Treffen und warum setzten sie nicht ihre Dienstwaffen ein? 

Aufregung um Mord-Ermittlungen: Innenminister fordert lebenslange Haft für „Bastarde“

Der Mord an dem italienischen Polizisten lässt das Land trauern und stiftet gleichzeitig jede Menge Unruhe. So sorgte die italienische Polizei schon zu Beginn der Ermittlungen für einen rassistischen Aufschrei in der Bevölkerung, als die Behörden in einem ersten Polizeibericht erklärten, bei den Verdächtigen handele es sich "wahrscheinlich" um Nordafrikaner. 

Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega-Partei forderte, die "Bastarde" zu lebenslanger Haft und Zwangsarbeit zu verurteilen. Später, als bereits bekannt war, dass es sich eigentlich um US-Amerikaner handelte, gelangte ein Foto an die Öffentlichkeit, das einen der Verdächtigen gefesselt und mit verbundenen Augen beim Polizeiverhör zeigt. 

Getöteter Polizist in Rom: Ermittlungen gegen zwei Teenager aus den USA sorgen für Aufregung. 

US-Amerikaner töten Polizisten in Rom - Aufregung um Bild

Die Polizeiführung leitete daraufhin eine Untersuchung ein, die klären soll, warum der junge Mann so behandelt wurde und wie das Foto an die Öffentlichkeit gelangte. 

Innenminister Matteo Salvini erklärte dagegen über Twitter, wer sich darüber beschwere, dass einem Festgenommenen die Augen verbunden würden, „den erinnere ich daran, dass das einzige Opfer, um das zu weinen ist, ein Mann, ein Sohn, ein Ehemann von 35 Jahren ist, ein Carabiniere, ein Diener des Vaterlandes“.

Der Sprecher des Außenministeriums in Washington DC. sicherte den beiden Jugendlichen im Gegenzug zu, ihnen die übliche konsularische Betreuung zur Seite zu stellen.

Mord in Rom: Ermordeter Polizist kam gerade aus den Flitterwochen 

Fest steht: der Mordfall an dem Carabinieri ist noch lange nicht endgültig geklärt und wird die italienische Bevölkerung wie auch die Medien und Behörden noch länger beschäftigen. Unterdessen legten zahlreiche Römer im Gedenken an den 35-jährigen Polizisten am Tatort Blumen nieder. 

Besonders tragisch: Der getötete Polizist kam gerade erst aus seinen Flitterwochen zurück. Er wurde in seinem Heimatort in Süditalien beerdigt. An der Trauerfeier nahmen hunderte Menschen teil. Auch die beiden stellvertretenden Ministerpräsidenten Matteo Salvini und Luigi di Maio erschienen zu der Beisetzung des Polizisten am Montag (29. Juli 2019).

Ebenfalls vor große Rätsel stellt die Ermittler ein Fall in München. Hier werden eine Mutter und ihre 16-jährige Tochter seit über zwei Wochen vermisst

In Texas hat die US-Polizei unterdess mit Rassismus-Vorwürfen zu kämpfen: Berittene Polizisten hatten einen schwarzen Verdächtigen an einem Strick durch die Straßen geführt.

spz

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion