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Die Bewohnerinnen und Bewohner Roms produzieren täglich 4700 Tonnen Müll.
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Die Bewohnerinnen und Bewohner Roms produzieren täglich 4700 Tonnen Müll.

Italien

Stinkender Sommer in Rom: Italiens Hauptstadt versinkt im Müll

  • VonDominik Straub
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In vielen Quartieren der italienischen Hauptstadt wird der Abfall nur noch vereinzelt eingesammelt. Bürgermeisterin Virginia Raggi scheint überfordert.

Rom - Wenn es nicht zum Weinen wäre, wäre es zum Lachen: In einigen Quartieren der Römer Peripherie sind jüngst mehrere Tempo-30-Zonen geschaffen worden – nicht vor Kindergärten und Schulen, sondern in der Nähe von Müllcontainern. Der Grund: Die überquellenden Abfallbehälter locken – neben Möwen und Heerscharen von Ratten – inzwischen auch viele Wildschweine an, welche den nicht abgeholten Abfall nach Essbarem durchsuchen. Wenn die Tiere in Rudeln die Straßen überqueren, stellen sie eine Gefahr für Auto- und Zweiradfahrer dar. Bei einem Zusammenstoß ist bereits ein Vespa-Fahrer ums Leben gekommen.

Rom und der Müll: Teurer ökologischer Irrsinn

Die Ewige Stadt befindet sich permanent am Rande des Müllkollapses: Im touristischen historischen Zentrum gelingt es den Behörden in der Regel, die Situation unter Kontrolle zu halten, aber außerhalb der Aurelianischen Stadtmauer funktioniert die Müllabfuhr mehr schlecht als recht und gelegentlich überhaupt nicht mehr. Der Ausfall einer mechanischen Abfallsortieranlage oder die Schließung einer Notdeponie reicht aus, damit sich die Müllsäcke in den Quartieren gleich wieder meterhoch türmen. Ein solches Szenario – eine akute Müllkrise wie zuletzt im Winter 2018/2019 – blüht den Römerinnen und Römern nun wieder – und wohl für den Rest des Sommers.

In Panik versetzt wurden die Stadtbehörden auf dem Kapitolshügel von einem Entscheid der Region Emilia-Romagna: Diese hat die Behörden der Hauptstadt vor längerem wissen lassen, dass sie ab dem morgigen Dienstag nicht mehr bereit sei, wie bisher täglich 200 Tonnen Müll aus Rom zu übernehmen und zu verbrennen. Da liegt auch der Kern des Problems: Die Drei-Millionen-Einwohner-Metropole Rom, deren Bewohnerinnen und Bewohner täglich 4700 Tonnen Müll produzieren, verfügt über keine einzige Müllverbrennungsanlage.

Rom entsorgt seinen Müll Hunderte von Kilometern entfernt

Ein großer Teil davon wird einfach in den Rest des Landes exportiert: Täglich verlassen 180 große Lkw die Stadt, um den Abfall Roms oft über Hunderte von Kilometern in Entsorgungsanlagen zu karren. Das ist nicht nur ein ökologischer Irrsinn, sondern auch teuer: In den letzten fünf Jahren hat der Müllexport die Stadt eine Milliarde Euro gekostet. Mit dieser Summe hätte Rom zwei bis drei moderne, eigene Verbrennungsanlagen bauen können. Doch davon will Bürgermeisterin Virginia Raggi nichts wissen - für sie und ihre Fünf-Sterne-Bewegung sind diese Öfen wegen der Abgase Teufelswerk. Raggis Rezept: Müllvermeidung, Mülltrennung und Wiederverwertung zu 100 Prozent. Nur: In den fünf Jahren seit ihrer Wahl ist der Anteil des getrennt eingesammelten Mülls in Rom konstant tief geblieben.

Die Stadt verfügt über keine einzige Müllverbrennungsanlage.

Die traurige Wahrheit ist: In ihrer Amtszeit, die im Herbst dieses Jahres zu Ende gehen wird, hat die 42-jährige Raggi nicht einmal ansatzweise ein Konzept entwickelt, um die Müllkrise zu lösen. Und der Hausmüll ist nicht das einzige „Entsorgungsproblem“ der Bürgermeisterin. Im Mai hat die Ewige Stadt weltweit Schlagzeilen gemacht, weil es den Behörden nicht mehr gelang, ihre Toten beizusetzen: Mehr als 2000 Verstorbene warteten wochenlang in den Kühlhäusern der Friedhöfe (und teils auch außerhalb), bis sie endlich kremiert werden konnten. Zuständig für das Debakel ist die gleiche städtische Abteilung, die auch für die Müllentsorgung zuständig wäre.

Müllkrise, Bestattungsdesaster, brennende Busse, Millionen von Schlaglöchern in den Straßen: Diese Leistungsbilanz hält die Bürgermeisterin nicht davon ab, im Herbst für eine weitere fünfjährige Amtszeit zu kandidieren. Raggis Chancen auf eine Wiederwahl sind nicht sehr groß – aber ob ein anderer Kandidat die Müllkrise in den Griff bekäme? Ideologische Bedenken gegen Verbrennungsanlagen sind auch in den meisten anderen Parteien verbreitet. Der einzige Kandidat, der sich für den Bau von neuen Entsorgungs- und Verbrennungsanlagen ausgesprochen hat, ist Carlo Calenda. Der ehemalige Minister für wirtschaftliche Entwicklung der Regierung von Paolo Gentiloni gilt als krasser Außenseiter. (Dominik Straub)

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