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Auf der Flucht: „The Company You Keep – Die Akte Grant“, 2012.
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Auf der Flucht: „The Company You Keep – Die Akte Grant“, 2012.

Filmstar

Robert Redford wird 85: Eine schwärmerische Gratulation

  • Tanja Kokoska
    VonTanja Kokoska
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Schauspieler Robert Redford wird 85 Jahre alt. Aus seinen zahlreichen Begabungen sticht eine besonders hervor: Niemand rennt so wie er.

Um es gleich vorweg zu sagen: Das wird jetzt eine fürchterliche Schwärmerei. Aber ist sie nicht auch angebracht? Schließlich gehört dieser Mann – vollkommen objektiv betrachtet – zu den attraktivsten Schauspielern der Welt. Mal ganz abgesehen von seinen äußeren Vorzügen, dem semmelblonden Haar, dem entwaffnenden Grinsen, den blauen Augen, die auch mal Grün oder Grau wirken, je nachdem, wie das Licht am Set gerade fällt: Es gibt – vollkommen objektiv betrachtet – niemanden, der so elegant rennen kann wie Robert Redford.

Gut, vielleicht ist er heute, mit seinen 85 Jahren, nicht mehr ganz so flott unterwegs. Aber wie er in „Der Clou“ rannte! In den Kulissen des Chicago der 1930er Jahre, spielte er Johnny Hooker, den blendend gut aussehenden, blendend gerissenen Straßengauner, der den Fehler begeht, den Falschen zu beklauen – einen Geldboten des unerbittlichen Gangsterboss‘ Doyle Lonnegan. Da gab es viele Gründe, zu rennen, verdammt schnell zu rennen, und wenn Redford alias Hooker rannte, dann galoppierten die Beine in gleichmäßigem, grazilem Takt, dann flatterten die Nadelstreifenanzugschöße, und dann hatte er sogar noch die Grandezza, mit einer Hand seinen Hut festzuhalten.

Robert Redford wird 85 Jahre alt: Rennen ein Teil des Gesamtkunstwerks

1973 war das. Vier Jahre zuvor war ihm der Durchbruch in Hollywood gelungen mit einer Rolle, in der es auch einiges zu rennen gab, und auch sie war die eines Gauners: Redford war der Bankräuber The Sundance Kid, wie in der „Der Clou“ spielte er an der Seite von Paul Newman – noch einer, über den man schwärmen könnte –, und gemeinsam waren sie „Zwei Banditen“, wie der Film in der deutschen Übersetzung etwas dümmlich hieß. In der legendären Schlussszene versuchen sie noch, eine Übermacht von bewaffneten bolivianischen Polizisten zu überwinden und diskutieren ironisch: „Das nennst du Deckung geben?“ – „Das nennst du Rennen?“ Ja, das nannte er Rennen, aber das half „Butch Cassidy and The Sundance Kid“ am Ende auch nichts mehr.

Wie der Name schon sagt: „Barfuß im Park“, 1967. imago images (5)

Mag sein, dass Rennen nicht zum zwingenden Anforderungsprofil eines Darstellers gehört. Bei Redford ist es Teil des Gesamtkunstwerks. Ein schöner Mann, dem diese Schönheit wenig zu bedeuten scheint – was sie nur verstärkt. Der seinen Körper zeigt, ohne einen Kult darum zu machen. Ein Schauspieler (und Regisseur) mit Gespür für Feinsinnigkeit, Verwegenheit und, ja, auch für die Abgründe. Ein Sunnyboy mit Tiefgang – eine rare, unwiderstehliche Mischung. Gepaart mit der Fähigkeit, vollkommen in seiner Rolle aufzugehen, hinter der Figur zurückzutreten.

Robert Redford wird 85: Er rannte auch in „Die Unbestechlichen“ (1976)

Auch in „Die Unbestechlichen“ (1976) rannte Robert Redford. Der Film zeichnet die Aufklärung des Watergate-Skandals in den USA nach. Diesmal spielte er den echten Jäger eines echten Gauners, den „Washington Post“-Journalisten Bob Woodward. Seine und die Recherchen des „Post“-Kollegen Carl Bernstein (Dustin Hoffman) führten schließlich zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon. Besonders in einer Szene zeigt sich Redfords ganze mimische und körperliche Meisterschaft: Woodward trifft sich mit seinem Informanten „Deep Throat“ mitten in der Nacht in einem Parkhaus. Er verlässt es allein, man sieht ihn von hinten eine dunkle, menschenleere Straße entlanglaufen.

Kult: Robert Redford als Sundance Kid mit Butch Cassidy (Paul Newman) in „Zwei Banditen“, 1969,

In feinsten Nuancen ist zu erkennen, wie die Angst vor möglichen Verfolgern ihn überkommt: Erst ein leichtes Zögern, ein Horchen, ein Verlangsamen der Schritte, ein Sich-Ducken, den Kopf zwischen die Schultern-Ziehen. Dann ein Beschleunigen der Schritte, zunächst noch gebremst von der Sorge, auf sich aufmerksam zu machen, hernach angetrieben von sich verstärkender Furcht. Er beginnt zu rennen, wir sehen seinen Rücken, seine Schultern, seinen Kopf, alles wie erstarrt in Angst und doch rennend, bebend. Wir meinen sogar, seinen Herzschlag zu hören, wie das Wummern eines Kolbens, der die Beine antreibt. Schließlich hält er inne, dreht sich um – und starrt ins Nichts. Niemand ist hinter ihm. Da ist nur die Furcht, die in seinen Augen steht. Und die wir doch längst darin erkannt hatten, obwohl wir sein Gesicht nicht von vorne sahen.

Robert Redford feiert Geburtstag: Schauspieler hat Nachhaltiges bewirkt

Umso erstaunlicher ist es, dass er für keine seiner Rollen einen Oscar bekam (nominiert war er nur für „Der Clou“); sein Regiedebüt, „Eine ganz normale Familie“, wurde 1981 sogleich Oscar-prämiert. Sein Lebenswerk hingegen wurde viel geehrt, Oscar, Golden Globe, Goldener Löwe, César. Robert Redford hat Nachhaltiges bewirkt, nicht „nur“ auf der Leinwand: Er gründete das Sundance-Institut, das unabhängige Filmemacherinnen und -macher fördert. Er ist in der Umweltbewegung aktiv, engagiert sich für den Klimaschutz. Und er hat in ungezählten Haushalten für eine DVD-Sammlung von romantischen Filmen gesorgt, die man (oder doch eher frau) sich wieder und wieder und wieder anschauen mag. „Jenseits von Afrika“, natürlich, mit Meryl Streep, „So wie wir waren“ mit Barbra Streisand, „Aus nächster Nähe“ mit Michelle Pfeiffer. So viel zur fürchterlichen Schwärmerei.

Heute lebt Robert Redford in Sundance, Utah, mit seiner deutschen Frau, der Malerin Sibylle Szaggars. „Tief in mir“ habe er einst auch ein Künstler werden wollen, „ich wollte malen“, sagte Redford 2014 im Interview mit der „Welt“ über seine Jugend. Ein Künstler ist er geworden. Für das Malen allerdings ist Rennen eher hinderlich. Doch zum Stehenbleiben scheint Robert Redford, geboren am 18. August 1936, immer noch viel zu jung.

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