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„Dass die Welt wieder normal wird“, wünscht sich Entertainer Robbie Williams zu Weihnachten.
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„Dass die Welt wieder normal wird“, wünscht sich Entertainer Robbie Williams zu Weihnachten.

Robbie Williams

Robbie Williams über Corona: „Leben in England ist ein einziger Lockdown“

Sänger Robbie Williams spricht über den Lockdown, seine Familie, lustige Weihnachtsgewohnheiten und seine Zukunftspläne.

  • Der Brite Robbie Williams wurde als Teil der Boyband „Take That“ berühmt.
  • Inzwischen ist er ein gefeierter Solokünstler und lebt in Los Angeles und London.
  • Als Familienvater ist er ruhiger geworden, sagt er.

London - Robbie Williams sitzt zur Videokonferenz daheim in London im holzgetäfelten Herrenzimmer, hinter ihm ein herrlich altmodisches Gemälde mit einem Springreiter. Der 46-Jährige trägt ein schwarzes Sweatshirt, eine silberne Kette, seine Haare sind wieder länger als zuletzt. Sein letztjähriges Weihnachtsalbum „The Christmas Present“ hat er eben mit dem neuen Song „Can’t Stop Christmas“ wiederveröffentlicht. In der Quarantäne komme er gut zurecht, sagt er eingangs, in London gehe er ohnehin nicht vor die Tür. „Mein Leben in England ist sowieso wie ein einziger Lockdown.“

Herr Williams, 2020 war ein extremes Jahr für Sie und für alle. Sind Sie froh, wenn es zu Ende ist?

Sagen wir mal so: Ich kann es kaum noch abwarten, dass 2021 endlich beginnt. Lasst uns endlich eine neue Ära beginnen, ein neues Leben, eine neue Form von Normalität begrüßen. Aber ich muss auch sagen, ich habe wirklich unheimlich gerne so viel Zeit mit meiner Familie verbracht. Wir haben das auch genießen können. Ich fand es mal ganz angenehm, kein Teil des Showgeschäfts sein zu müssen. Also, meine Gemütsverfassung ist wirklich sehr gemischt. Sehr einerseits-andererseits.

Sie sehen frisch aus, muss man sagen. Gesund und ausgeruht.

Danke, ich weiß. Wenn du zu Hause bist, ist jeder Tag derselbe, und damit ist auch dein Tagesablauf in jeder Hinsicht normaler und planbarer. Ich habe sehr regelmäßig Sport gemacht und viel besser gegessen. Wenn ich arbeite, dann geht mir meine Arbeit immer sehr nah, es wird für mich schnell sehr emotional. Und ich neige dazu, meine Emotionen mit Essen zu spiegeln. Oder ich falle erst um fünf Uhr morgens ins Bett, weil der Abend voll ist mit Arbeit. Während Covid ist es mir definitiv deutlich leichter gefallen, ein normaler Mensch zu sein und wie ein normaler Mensch zu leben.

„Mir persönlich ist es gelungen, mir ein Leben um dieses Virus herum aufzubauen, trotzdem zu arbeiten, und auch finanziell kann ich das verkraften.“

Robbie Williams

Also war die ganze Corona-Kiste gar nicht so übel für Sie?

Ich finde es natürlich furchtbar, was dieses Virus mit den Menschen auf unserem Planeten macht. Das ist ja wirklich einfach nur unglaublich grauenvoll und jenseits von allem, was ich mir hätte vorstellen können. Aber mir persönlich ist es gelungen, mir ein Leben um dieses Virus herum aufzubauen, trotzdem zu arbeiten, und auch finanziell kann ich das verkraften. Ich kann daher sagen: Es ist okay. Ich komme klar.

Anfang des Jahres sind Sie zum vierten Mal Vater geworden. Ihr Sohn Beau kam im Januar zur Welt. War bestimmt eine feine Sache, den kleinen Kerl in aller Ruhe kennenlernen zu können.

Oh ja (lacht), das stimmt. Aber er ist ja schon der Vierte. Wir haben die Kinder jetzt quasi in zwei Teams aufgeteilt. Die beiden Älteren, Teddy und Charly, sind unser „Team A“, Colette und Beau sind „Team B“. „Team A“ kann schon Sachen machen, Mist bauen, lachen und mit uns reden bis zum Umfallen. „Team A“ bekommt eine Menge persönlicher Zeit mit seinen Eltern. „Team B“ wiederum hat noch einiges aufzuholen.

Robbie Williams: Mit 46 entwirrt er sein Leben

Wird „Team A“ langsam neugierig, was das Leben ihres Vaters angeht, bevor es zur Welt kam? Fragen die Kinder nach den wilden Jahren des Robbie Williams?

Nein, glücklicherweise noch nicht. Ich kann jedoch sagen, dass meine Tochter irgendwie elektrisiert ist von dem Umstand, dass sie einen berühmten Vater hat. Sie versucht zu verstehen, was dieser Ruhm genau bedeutet. Sie kapiert langsam, dass Leute wegen mir mit ihr sprechen wollen, dass sie also wegen mir sozusagen interessant ist. Sie ist acht. Sie ist da gleichzeitig geschmeichelt, aber auch ein bisschen misstrauisch und skeptisch, was die Leute von ihr wollen könnten. Sie ist gerade jedenfalls dabei, mein Leben zu entwirren und zu verstehen. Und ich bin 46 und ebenfalls damit beschäftigt, mein Leben zu entwirren und zu verstehen.

Wird das wohl noch was?

Ich fürchte, ich werde zu Lebzeiten diese Überlegungen nicht abschließen können.

Ihre Tochter singt ja auch gemeinsam mit Ihnen den Song „Home“ auf dem Weihnachtsalbum „The Christmas Present“. Wie stolz ist sie auf das Duett?

Teddy wollte unbedingt dabei sein. Aber das war vor über einem Jahr. Jetzt will sie lieber ihr eigenes Ding machen. Sie ist wie ich in Take That (lacht). Ja, echt, sie will nicht einfach bloß einen Song singen. Sie will mehr. Sie will alles mit ihrem Teddy-Ding garnieren. Es macht Spaß, ihr dabei zuzuschauen.

„Als Junge war ich überzeugt, dass du als Erwachsener sämtliche Freiheiten hast. Die hast du tatsächlich. Aber du ahnst als Kind noch nicht, dass du für alle deine Freiheiten einen Preis bezahlen musst.“

Robbie Williams

Als Sie acht Jahre alt waren, sind Sie da ähnlich drauf gewesen wie Ihre Älteste? Ihr Vater war ja selbst schon ein Showman und ein Unterhaltungskünstler.

Der Unterschied ist: Wir haben ein Tonstudio im Haus, und Teddy kann dort rein und sich einbringen. Als ich acht war, konnte ich nicht einfach zu meinem Vater auf die Bühne klettern, denn das, was er machte, war Erwachsenenarbeit. Aber, wenn ich gekonnt hätte, wäre ich wie Teddy gewesen.

Robbie Williams: Bis heute keinen Führerschein

Wollten Sie als Kind die Sachen machen, die die Erwachsenen machen durften?

Total. Ich wollte Autofahren lernen – wozu ich dann später nie gekommen bin. Ich habe bis heute keinen Führerschein. Als Junge war ich überzeugt, dass du als Erwachsener sämtliche Freiheiten hast. Die hast du tatsächlich. Aber du ahnst als Kind noch nicht, dass du für alle deine Freiheiten einen Preis bezahlen musst.

Ihre neue Single „Can’t Stop Christmas“, deren Text sich um Weihnachten im Corona-Jahr dreht, ist amüsant und humorvoll, aber auch ganz schön ernst für Ihre Verhältnisse – Sie singen beispielsweise, dass sich das Leben gerade anfühle, als seien wir im Krieg. Was haben Sie sich bei dem Song gedacht?

Humor ist einfach Teil meiner Persönlichkeit. Mit sehr ernsten Themen gehe ich so um, dass ich versuche, auch darüber zu lachen. Ich liebe dunkle, finstere Witze. Und doch steckt in dem Song viel Aufrichtigkeit. So war mein Jahr – traurig und zugleich aufbauend. Tragisch und doch auch lustig.

Was steht auf Ihrem Wunschzettel für dieses Weihnachtsfest?

Dass die Welt bald wieder normal wird. Und, ganz selbstbezogen und narzisstisch: Dass meine nächsten Projekte unglaublich erfolgreich werden.

Welche Weihnachtsrituale haben Sie in der Familie?

Alle bekommen einen Stiefel, voll mit Schokolade und anderem Süßkram. Und wir ziehen alle den gleichen Schlafanzug an. Das genügt uns an Ritualen.

Alle im selben Schlafanzug?

Aber hallo! Oder Onesies. Alle sechs. Mit den Dingern rennen wir dann um den Baum. Zumindest diejenigen von uns, die schon rennen können.

Haben Sie jedes Jahr andere Anzüge?

Haben wir. Aber hier ist die Frau zuständig. Sie sucht die Teile traditionell aus, ich halte mich komplett raus aus der Onesie-Frage.

Robbie Williams: Wild und frei als Kind

Wie sind Sie als Eltern? Eher entspannt? Oder supervorsichtige Helikopter-Eltern?

Hm, ich würde sagen, ich bin weniger ein Helikopter-Elternteil als meine Frau. Und sie ist weniger ein Helikopter-Elternteil als die meisten ihrer Freundinnen. Aber wir passen schon gut auf die Kinder auf. Meine Kindheit war eine ganz andere. Ich verließ das Haus und war den ganzen Tag weg. Niemand wusste, wo. Und niemanden interessierte es. Das ist bei unseren Kindern anders.

Meinen Sie, die verpassen was? Sollten die Kinder mehr Abenteuer erleben?

Ich würde den Kleinen ja eine Kindheit gönnen, wie ich sie hatte. Wild und frei. Aber die Welt war damals irgendwie sicherer als heute, zumindest dachten wir das. Meine Kinder können hoffentlich noch genug Abenteuer erleben, wenn sie ein bisschen älter sind.

Als Sie „The Christmas Present“ 2019 veröffentlicht haben, äußerten Sie die Hoffnung, einen echten Weihnachtsklassiker geschaffen zu haben. Denken Sie, das ist Ihnen geglückt?

Das Album hat den Job gemacht, den ich mir von ihm versprochen habe. Und in diesem Jahr ist es erneut im Gespräch. Für mich war diese Platte eine richtige Wohltat. Ich hatte keinen Druck dabei wie bei einem herkömmlichen Robbie-Williams-Studioalbum. Bei denen heißt es ja jedes Mal, „Wenn es kein Erfolg wird, ist seine Karriere im Eimer.“

Arbeiten Sie an neuer Musik?

Ja! Ich habe ein Projekt, das im Frühjahr passieren soll. Ich will frische Sachen machen. Es kommen zwei Alben, ich bin Teil einer Band, mache Dance Music und will auch als DJ auftreten.

Wenn Sie wie jetzt in England sind, vermissen Sie eigentlich Ihr Zuhause in Los Angeles?

Nein. Aber umgekehrt auch nicht. Ich habe nirgendwo Heimweh. Ich bin ein Nomade. Ich langweile mich auch schnell, wenn ich lange an einem Ort sitze. Ich brauche die Bewegung. Ich muss mindestens alle drei Wochen weiterziehen.

Robbie Williams lebt aus dem Koffer

Ändert sich das mit dem Älterwerden? Sind Sie heute sesshafter als vor 20, 30 Jahren?

Nee, nicht wirklich. Ich kenne ja auch kein anderes Leben. Ich lebe aus dem Koffer, seit ich 16 bin. Das hat mich geprägt. Ich stecke seit 1993 in Quarantäne.

Weihnachten ist das Fest der Exzesse. Alkohol und Essen, wohin das Auge blickt. Sie trinken seit 20 Jahren nicht mehr und haben sich den Drogenkonsum abgewöhnt. Ist es Weihnachten schwer, nüchtern zu bleiben?

Nein, überhaupt nicht. Mein Verlangen nach Rauschmitteln ist verflogen und einfach nicht mehr da. Aber, was das Essen angeht, okay, ich werde nichts kochen, aber ich will mir alles reinhauen, was da ist. Einmal im Jahr darf man das. (Interview: Steffen Rüth)

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