Tropfen auf den heißen Wald: Rauchschwaden steigen über Gippsland auf.
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Tropfen auf den heißen Wald: Rauchschwaden steigen über Gippsland auf.

Buschbrände

„Das Risiko ist zu hoch“

  • vonBarbara Barkhausen
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Auch im Süden Australiens werden die Brände immer gefährlicher. Während 30.000 Menschen die Region Gippsland verlassen sollen, ist in Sydney eine Debatte über das Silvesterfeuerwerk im Gange.

14 Kilometer reichte die Rauchsäule des Cann River Feuers in Australien in den Himmel. So gewaltig wie hier ist die Rauchentwicklung derzeit an vielen Orten. In East Gippsland – einem Landstrich im Bundesstaat Victoria, der halb so groß ist wie Belgien – brennen große Feuerfronten derzeit breite Schneisen ins Land. Die Feuerwehrleute im Einsatz wurden bereits aus den waldigen Bereichen abgezogen, sie sind nur noch an strategisch wichtigen Punkten und bei Siedlungen stationiert, um den Verlust von Häusern möglichst gering zu halten.

Bereits am Sonntag hatten die Behörden bis zu 30 000 Menschen – Anwohner und Urlauber in der Region – aufgefordert zu evakuieren. Am Montagmorgen hieß es dann, dafür sei es nun bereits zu spät. Aufgrund der Brände musste der Princes Highway – eine der Hauptstraßen – teilweise geschlossen werden. Die beiden anderen Zugangsstraßen, darunter die berühmte Great Alpine-Road, waren zuvor schon gesperrt worden.

Nachdem hunderte Feuer, die seit Oktober in Australien wüten, bisher vor allem den Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, verwüsteten, ist die Gefahr inzwischen auch in Victoria und Südaustralien gefährlich geworden. Schon jetzt sind fast fünf Millionen Hektar Land – eine Fläche größer als die Schweiz – landesweit zerstört worden und neun Menschen ums Leben gekommen. Ökologen der Universität Sydney schätzen laut der britischen Times, dass rund 480 Millionen Säugetiere, Vögel und Reptilien in den verheerenden Waldbränden ums Leben gekommen sind. Es gibt inzwischen Befürchtungen, dass ganze Tier- und Pflanzenarten für immer verloren sein könnten. Mehr als 8000 Koalas kamen vermutlich allein in New South Wales ums Leben.

In Sydney flammte am Montag auch eine andere hitzig geführte Debatte wieder auf: Dabei ging es um das weltberühmte Silvesterfeuerwerk. Nachdem mehr als 250 000 Menschen bereits eine Petition unterzeichnet hatten, die fordert, das Feuerwerk in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch abzusagen und die Gelder lieber den von Feuern und Dürre betroffenen Menschen zukommen zu lassen, pocht die Stadtverwaltung darauf, die Silvesterparty abzuhalten.

Andere Städte haben ihre Feuerwerke aufgrund der extremen Feuergefahr im Land dagegen bereits abgesagt, darunter die Hauptstadt Canberra. John Barilaro, stellvertretender Ministerpräsident von New South Wales, forderte deswegen, dass auch Sydney diesem Vorbild folgen müsse. Es sei eine „sehr einfache Entscheidung“, meinte er. „Das Risiko ist zu hoch.“ Wenn in regionalen Gebieten Feuerwerkskörper verboten seien, so müsse dies auch in Sydney der Fall sein. Ansonsten würde man „zwei Klassen von Bürgern“ schaffen. „Wir sind alle zusammen in dieser Krise“, schrieb der Politiker. Manche Bürger versuchten es dagegen mit praktischen Vorschlägen: Während die einen überlegten, statt der Raketen eine Lasershow abzuhalten, schrieb eine Bürgerin, man sollte das Feuerwerk ganz einfach verschieben und es abhalten, sobald es wieder regne. Man könne damit das Ende der Dürre feiern.

Die Stadtverwaltung dagegen sieht in einer Absage „wenig praktischen Nutzen“ für die von Feuer und Dürre betroffenen Gemeinden, wie es in einer Mitteilung der Behörde heißt. Außerdem sei der größte Teil des Budgets bereits für Sicherheitsmaßnahmen und Reinigungskräfte ausgegeben worden, zumal Vorbereitungen und Planungen schon 15 Monate zuvor beginnen.

„Eine Absage der Veranstaltung würde den Geschäften in Sydney ernsthaften Schaden zufügen“, hieß es. „Sie würde auch die Pläne Zehntausender Menschen aus dem ganzen Land und aus Übersee ruinieren, die Flüge, Hotels und Restaurants für Silvester gebucht haben.“ Sollte die Feuerwehr jedoch am Tag selbst – beispielsweise wegen starken Windes – Bedenken haben, würde man sich zusammensetzen und die „sicherste Vorgehensweise für die Veranstaltung ermitteln“.

Von Barbara Barkhausen

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